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Ukrainischer Präsident im ZDF : Selenskyj kritisiert Europas "Angst"

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Nach dem Beschuss ukrainischer Städte hat Präsident Selenskyj ZDF-Reporterin Eigendorf getroffen. Wie schöpft die Ukraine Kraft im Krieg und was bedeuten die Drohungen aus Moskau?

ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf im Interview mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Beitragslänge:
46 min
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Auf die Explosion auf der Krim-Brücke hat Russlands Präsident Wladimir Putin mit einer Welle von Luftangriffen reagiert - vor allem ukrainische Städte wie Kiew oder Lwiw wurden Ziele. Auch an diesem Mittwoch schlugen wieder Bomben und Raketen in der Hauptstadt ein. Zuletzt hatte Putin erneut mit möglichen Atomschlägen gedroht.

Der Krieg in der Ukraine befinde sich jetzt in einer neuen Etappe, sagt Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Exklusiv-Interview für das ZDF-auslandsjournal, das ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf mit ihm in Kiew führen konnte.

Sehen Sie oben das komplette Interview mit dem ukrainischen Präsidenten im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Selenskyj ...

... zu Europas Haltung gegenüber Russland und den Drohungen aus Moskau:

"Europa hat seine Angst noch nicht abgelegt vor Russland. Wie würden die Russen darauf reagieren? Was sagt Putin dazu? Und was passiert, wenn Putin eines Tages nicht mehr da ist? Das sind die Sorgen von Europa."

Der Krieg in der Ukraine sei eine Frage der Initiative. "In den ersten Kriegstagen hatten die Russen die Initiative ergriffen. Es war für uns schwer, sehr schwer. Unsere Armeen waren nicht zu vergleichen, und die Stärke unserer Armeen waren ja ganz unterschiedlich. Und nun hat sich auch die Lage geändert. Wir greifen an und die russische Armee kann auf dem Schlachtfeld nichts erreichen. Deswegen werden wir eingeschüchtert."

... zur Unterstützung von Deutschland:

"Ich habe Deutschland immer sehr positiv bewertet, weil ich die Unterstützung der Gesellschaft von Anfang an gespürt habe, seit dem Beginn dieser illegitimen Besatzung."

Der Bundeskanzler habe gesehen, so Selenskyj, "dass man dem russischen Präsidenten nicht trauen kann und dass die Ukraine vollkommen im Recht ist". Die Ukraine habe allerdings "lange an den deutschen Türen und Fenstern geklopft, damit wir gehört werden".

Letztendlich kämpfen wir im Interesse von ganz Europa beziehungsweise von Deutschland.

Sehen Sie hier das Interview im russischen Originalton:

ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf im Interview mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

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46 min
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... ob die Ukraine noch Kraft habe, sich gegen Russland zu verteidigen:

"Unsere Emotionen sind mit diesem Land verbunden. Ich denke, wir müssen das in uns behalten und das ist alles, was wir besitzen. Deshalb schöpfen wir daher auch unsere Kraft weiter zu kämpfen. Und selbstverständlich müssen wir auch unsere Kraft auftanken in diesem Krieg. Und diese Kraft kommt aus der Wahrheit."

… zu seiner Verantwortung als Präsident und seiner Art zu kommunizieren:

"Nach dieser groß angelegten Invasion habe ich versucht, mich nach den Regeln der Diplomatie zu verhalten und alles offen zu kommunizieren. Erst nach der Invasion habe ich auch versucht, mit anderen Staatsoberhäuptern zu kommunizieren, wie sie es verdienen. Ich hatte keine Zeit gehabt, um mich zu verbeugen oder um mich ständig zu bedanken oder für eine öffentliche Diplomatie, wenn Sie so wollen. Ich habe immer direkt gefragt 'Kannst du mir helfen oder nicht?'"

… zur Unterstützung nach den neuen Raketenangriffen auf Kiew und andere Städte

"Unter den ersten, die sich gemeldet haben bei mir, war entweder Duda oder Bundeskanzler Scholz und Emmanuel Macron. Ich weiß nicht, in welcher Reihenfolge das genau war, weil ich nach diesem Raketenangriff ungefähr zehn, elf Anrufe von anderen Präsidenten Staatsoberhäuptern hatte, von Justin Trudeau, von Präsident Biden. Ich hatte hintereinander weg zehn, elf oder mehr Anrufer gehabt. Aber sie reagieren sehr schnell und das ist ein wichtiger Faktor."

ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf berichtet über das Interview mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

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5 min
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… zum Risiko, dass Putin Atomwaffen einsetzt

"Ja, das Risiko besteht. Aber das Risiko wird durch eine schwache Position Deutschlands überhaupt nicht erhöht. Verstehen Sie, was ich meine? Dieses Risiko kann Europa insgesamt durch seinen Standpunkt gar nicht beeinflussen." Europa dürfe sich nicht erpressen lassen. Im Interview sagt Selenskyj weiter: "Man darf keine Schwäche zeigen gegenüber der russischen Führung."

Putin werde Atomwaffen nur dann einsetzen, "wenn er ganz genau weiß, dass es nach dem Einsatz keine Folgen für ihn geben wird".

… zum russischen Raketenangriff

"Warum hat er 100 Mal geschossen? Weil ihn die Folgen noch nicht schmerzen." Putin spüre aber, dass er das Vertrauen in seiner eigenen Gesellschaft verliere. "Er kann keine Erfolge auf dem Schlachtfeld vorweisen. Er muss sich rechtfertigen." Deshalb habe er so oft auf die Ukraine geschossen.

Die deutsche Politik habe keine langfristige Planung im Ukraine-Konflikt, analysiert ZDF-Korrespondent Neuhann, man reagiere meist nur auf Putins Eskalationen.

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2 min
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Es sei nun die Aufgabe ganz Europas, Putin zu zeigen, dass niemand mit ihm sprechen werde und dass er isoliert bleibe, sagt Selenskyj weiter. "Dann würde auch die russische Gesellschaft verstehen, dass sie einen Menschen zum Präsidenten gewählt hat, der allen mit Atomwaffen droht."

… über Gespräche mit Russland

Vor der Invasion habe Selenskyj mehrfach versucht, mit Putin zu sprechen. "Mit mir wollten die Russen nicht sprechen. Sie haben gesagt: Wir werden in das Land einmarschieren und Schluss. Und jetzt sind sie bei uns einmarschiert und verkünden, dass sie mit mir sprechen wollen."

Putin sei für ihn ein "Inbegriff eines Terroristen". Die Ukraine betone immer wieder, dass sie mit Russland sprechen wolle - nur nicht mit Putin. "Irgendeiner wird für ihn kommen."

Katrin Eigendorf berichtet seit Kriegsbeginn am 24. Februar kontinuierlich aus der Ukraine, unter anderem in der Doku "Überleben in der Ukraine - Notizen einer Kriegsreporterin".

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