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AfD-Spendenaffäre - Ehemaliger AfD-Landeschef Pretzell packt aus

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Marcus Pretzell war Chef der AfD in NRW, bevor er die Partei im Streit verließ. Nun spricht er erstmals über seine Kontakte, die er zur Schweizer PR-Agentur Goal AG pflegte.

Marcus Pretzell am 26.09.2017 in Düsseldorf
Der ehemalige NRW-Landeschef der AfD, Marcus Pretzell, äußert sich erstmals zur AfD-Spendenaffäre.
Quelle: dpa

Die PR-Firma steht im Zentrum der AfD-Spendenaffäre, die die Partei bisher rund 900.000 Euro kostete. Der frühere AfD-Landesvorsitzende in NRW, Marcus Pretzell, bestätigt gegenüber Frontal21 und dem Recherchezentrum CORRECTIV, dass er ab 2015 Kontakte zur Schweizer PR-Firma Goal AG und deren Inhaber Alexander Segert hatte. Segert habe ihm Geld für eine Veranstaltung gezahlt.

Seit Mai 2015 hatte ich Kontakt zu einer Werbeagentur in der Schweiz.
Marcus Pretzell, ehemaliger AfD-Chef in NRW

"Und diese Werbeagentur aus der Schweiz, die mir zum damaligen Zeitpunkt nichts sagte, war die Goal AG", sagt Pretzell. Bei einem ersten Treffen im Mai 2015 habe Segert dem AfD-Politiker Pretzell sogar ein Konzept überreicht: "Für erfolgreiche und nachhaltige Wahlen" - ein Angebot an die AfD in Nordrhein-Westfalen.

Pretzell bricht Schweigen ehemaliger Spitzenfunktionäre

Die Schweizer Werbeagentur spielt eine Schlüsselrolle bei den illegalen Parteispenden, für die die AfD auf Anordnung der Bundestagsverwaltung rund 900.000 Euro an Bußgeldern zahlen soll. Es ist das erste Mal, dass ein ehemaliger Spitzenfunktionär der AfD die Kontakte zur Goal AG zugibt.

Pretzell war bis 2017 Landeschef der nordrhein-westfälischen AfD und ist verheiratet mit der ehemaligen AfD-Parteichefin Frauke Petry. Die Goal AG unterstützte AfD-Politiker wie Jörg Meuthen und den Europaabgeordneten Guido Reil mit Wahlanzeigen und Plakaten. Das hatten Frontal21 und CORRECTIV bereits 2017 aufgedeckt und damit die Spendenaffäre ins Rollen gebracht.

Meuthen streitet Zusammenarbeit ab

Die AfD behauptet bislang, nichts von aktiver Wahlkampfunterstützung durch Segert und seine Firma gewusst zu haben. "Mir ist keine Zusammenarbeit mit denen in irgendeiner Form bekannt", behauptete etwa Parteichef Meuthen noch 2018 gegenüber dem NDR.

Frontal 21 berichtete über einen Verein, der für die AfD Wahlwerbung sowie über fragwürdige Geldzuwendungen. Inzwischen prüft die Bundestagsverwaltung die umstrittenen Wahlkampfhilfen für die AfD.

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Marcus Pretzell hingegen beteuert, er habe sich mehrfach mit dem Chef der Goal AG getroffen. "Herr Segert hat sich mir damals vorgestellt und im Prinzip erboten als ein Dienstleister, der dieses doch sehr spezielle Geschäft für eine Partei in dem politischen Spektrum, in dem wir unterwegs waren, versteht", sagt Pretzell.

Ich habe mich deshalb auch mit Herrn Segert immer mal wieder in Straßburg getroffen.
Marcus Pretzell

Pretzell war 2014 für die AfD ins Europäische Parlament eingezogen.

Wie komplex die Gemengelage in der Spendenaffäre ist, zeigt auch die Finanzierung eines Kongresses in Düsseldorf im Jahr 2016. Pretzell gibt an, die Goal AG habe die Veranstaltung nachträglich bezahlt. Ob es sich um eine illegale Parteispende handelt, hängt davon ab, ob der Kongress eine Parteiveranstaltung war. So bewertet es die Bundestagsverwaltung. Die AfD bestreitet das. Pretzell hatte den Kongress organisiert.

Goal AG zahlte für gescheiterten Kongress

Als Europapolitiker wollte er die rechten Parteien in den einzelnen Ländern besser vernetzen und plante im Namen der EKR-Fraktion des EU-Parlaments das Event auf dem Messegelände in Düsseldorf. Aber die EKR-Fraktion zog sich kurz vor Beginn als Veranstalter zurück. Hinter den Kulissen entbrannte nach der Tagung ein Streit um die Kosten von knapp 36.000 Euro.

Schließlich beglich die Schweizer Goal AG auf Bitte von Pretzell die Rechnung der Messe Düsseldorf, wie der "Spiegel" 2017 berichtete. Pretzell sagt, er befürchtete damals, dass sich die EKR-Fraktion von ihm das Geld holen wolle. Tatsächlich zog die Fraktion Anfang März 2017 von Pretzells Diäten 4.050 Euro ab, wie Lohnabrechnungen zeigen, die CORRECTIV und Frontal21 vorliegen. Über einen Wirtschaftsprüfer habe Pretzell absichern wollen, dass die Zahlung von Segert nicht als Parteispende gilt.

Strafbescheid an die AfD im November 2020

Das sah die Bundestagsverwaltung anders. Sie bewertete den Düsseldorfer Kongress als Parteiveranstaltung, somit gelten die beglichenen Kosten als Parteieinnahme und damit als illegale Spende. Der Strafbescheid an die AfD in Höhe von 108.000 Euro erging an die AfD im November 2020. Bisher war die AfD sehr klagefreudig.

Im Falle der Veranstaltung in Düsseldorf gibt es noch keine Entscheidung. Die AfD hat nur noch bis kommenden Montag Zeit, gegen den Bescheid Klage einzureichen. Wenn sie das nicht tut, wird ihr das Geld abgezogen.

Pretzell fürchtet um sein Geld

Pretzell befürchtet, dass sich jetzt die AfD das Geld von ihm zurückholen wolle: "Zum einen lenkt es davon ab, dass Herr Meuthen und Frau Weidel in Größenordnungen Spenden illegal angenommen haben, und zum anderen ist es dem einen oder anderen vielleicht auch ganz recht, Druck auszuüben auf jemanden, der der Partei nicht mehr angehört."

Fest steht: Auch nach ihrem Parteitag in Kalkar wird die AfD die Spendenaffäre nicht los.

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