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Alle Augen auf Iowa

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Erste Vorwahl in den USA - Alle Augen auf Iowa

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Mit dem "Iowa Caucus" beginnen in den USA am Montag die Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur. Das Verfahren ist extrem komplex - und wird kritisiert.

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur liegt bei den Demokraten der frühere US-Vizepräsident Joe Biden in den Umfragen im US-Bundesstaat Iowa vorne. Der dünn besiedelte Staat bildet den Auftakt der US-Vorwahlen.

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"In Iowa leben fast achtmal so viele Schweine wie Menschen" - meistens sind es solche Schlagzeilen, die aus dem Bauernstaat im Mittleren Westen kommen. Aber der eher unspektakuläre "Überflugstaat" kann mehr als Schweine, Sojabohnen, Mais: Alle vier Jahre wird Iowa zum Nabel des US-amerikanischen Politikbetriebs, wenn hier traditionell die ersten Vorwahlen stattfinden und damit die heiße Phase des Wahlkampfes eingeläutet wird. 

Karte: Iowa
Das ist Iowa mitten in den USA - weit enfernt von tatsächlichen demografischen Verhältnisse der USA: Drei Millionen Menschen leben hier, 90 Prozent der Bevölkerung sind weiß, jeder siebte ist christlichen Glaubens.
Quelle: ZDF

Die wichtigsten demokratischen Kandidaten

Wen die Republikaner in diesem Jahr als Präsidentschaftskandidat aufstellen werden, ist klar: Donald Trump soll wieder gewählt werden. Doch gegen wen er seinen Platz im Weißen Haus verteidigen muss, ist noch längst nicht ausgemacht: Zwölf Bewerber sind bislang noch im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten.

Zu den Frontrunnern gehören:

  • der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden,
  • die beiden progressiven Senatoren Bernie Sanders
  • und Elizabeth Warren,
  • der junge Bürgermeister Pete Buttigieg
  • und die Senatorin Amy Klobuchar.
Kandidaten der Demokraten bei der letzten Debatte vor Beginn der Vorwahlen
TV-Debatte vor Beginn der Vorwahlen mit sechs Kandidaten der Demokraten ( Archiv), von rechts nach links:Amy Klobuchar, Pete Buttigieg, Bernie Sanders, Joe Biden, Elizabeth Warren und Tom Steyer.
Quelle: Reuters/Brenna Norman

In Iowa geht es für sie um alles: Der Staat gilt als wichtiger Frühindikator. Wer hier gewinnt oder zumindest gut abschneidet, erhält Rückenwind für die folgenden Vorwahlen. Das große Bewerberfeld macht den "Iowa Caucus", die ersten Vorwahlen zur US-Wahl, besonders spannend. Unter den Wählern gibt es überdurchschnittlich viele Unentschlossene. Die werden sich möglicherweise erst in letzter Sekunde entscheiden, wem sie ihre Stimme geben.

Iowa Caucus: Ein kompliziertes Verfahren in zwei Runden

Runde eins:

  • Am Abend des 03. Februar versammeln sich die Einwohner, die sich für die Teilnahme an den Vorwahlen registriert haben, in den Turnhallen, Schulen oder Cafés ihrer Bezirke.
  • Dort ist dann die Überzeugungskraft der Wahlkampf-Teams gefragt. Oberstes Ziel: Möglichst viele Wähler auf die Seite ihres Kandidaten zu ziehen und sich mit ihnen in einer Ecke des Raums zu versammeln. Dabei sind fast alle Methoden erlaubt: Gute Argumente helfen manchmal genauso wie selbstgebackene Kekse. Im Anschluss wird gezählt.
  • Jeder Kandidat muss 15 Prozent der anwesenden Wähler erreichen, um weiterhin im Rennen zu bleiben. Runde eins ist damit beendet.

Runde zwei:

  • Die Einwohner, deren Kandidaten in Runde eins gescheitert sind, müssen sich auf die Gewinner aus Runde eins verteilen. Das hitzige Werben um die Wähler beginnt aufs Neue.
  • Nur die Kandidaten, die auch hier wieder 15 oder mehr Prozent erreicht haben, bekommen Delegierte zugeteilt. Je mehr Prozent, desto mehr Delegierte.

Die Kandidaten, die sich in Iowa durchgesetzt haben, müssen sich in weiteren Bundesstaaten in Vorwahlen durchsetzen und Delegierte sammeln.

Endgültig entscheidet ein großer Parteitag über den Kandidaten für die US-Wahl. Es gilt als sicher, dass diese Delegierten dann beim großen Parteitag auch treu für ihren Kandidaten stimmen werden.

Welche Lehren aus der Kritik gezogen worden sind

Der Agrar-Staat Iowa als Ort für den entscheidenden Auftakt im Wahljahr - dieses Konzept hat viele Gegner: Nur drei Millionen Menschen leben hier, 90 Prozent der Bevölkerung sind weiß, jeder siebte ist christlichen Glaubens. Damit ist der Bundesstaat weit davon entfernt, die tatsächlichen demografischen Verhältnisse der Vereinigten Staaten abzubilden.

Der Journalist David Ypsen hat eine andere Sicht darauf: "So ist es nun angestammte Tradition, dass Iowa, dann New Hampshire, South Carolina und Nevada als die ersten vier Staaten ihr Votum abgeben. Iowa ist definitiv kein typischer Staat, ist nicht repräsentativ für die USA. Aber die vier ersten Staaten zusammen genommen, reflektieren schon eher die Demographie der USA als Ganzes."

Doch in den vergangenen Jahren gab es noch mehr Kritik am System: Das hitzige Werben um Wähler während des Verfahrens ist häufig mit stundenlangem Stehen und langatmigen Diskussionen verbunden. Das schließe viele Berufstätige im Schichtdienst, Alte, Kranke oder Behinderte von einer Teilnahme aus, argumentieren viele.

Also gibt es ab diesem Jahr ein paar neue Regeln: So soll es unter anderem auch Abstimmungen in Seniorenheimen, Behinderteneinrichtungen oder Betriebsstätten geben. Außerdem ist es nun auch möglich, an Sammelstellen im Ausland an dem Wahlprozess teilzunehmen.

Biden und Sanders bei der Fernsehdebatte der Demokraten.
Joe Biden und Bernie Sanders bei einer Fernsehdebatte der Demokraten: Aktuelle Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Quelle: Chris Carlson/AP/dpa

Biden und Sanders sind die Favoriten

Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten werden sich bei den ersten Vorwahlen wohl ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen liefern: Drei von vier aktuellen Umfragen sehen den progressiven Bernie Sanders in dem Bundesstaat an der Spitze, der ehemalige Vizepräsident Joe Biden liegt dicht hinter ihm.

Der junge Pete Buttigieg rangiert mal auf dem zweiten, mal auf dem dritten Platz. Die linke Senatorin Elizabeth Warren ist Vierte. Insgesamt liegen die Kandidaten in den Zahlen extrem nah beieinander. Iowa wird spannend wie lange nicht.

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