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Corona-Shutdown für Prostitution - Der Anfang vom Ende der Sexarbeit?

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Wegen Corona waren Bordelle monatelang dicht. Die Zwangspause brachte viele Prostituierte in Existenznot. Prostitutionsgegner sehen sie als Probelauf für ein Sexkaufverbot.

Bordelle waren geschlossen, Prostitution während des Lockdowns vielerorts verboten. Doch viele Frauen tauchten ab, schafften auf dem Straßenstrich oder in Appartements an.

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Während des Shutdowns war Prostitution verboten, Bordelle wurden geschlossen, eine Art Probelauf für Prostitutionsgegner. Geht doch, sagen sie und fordern ein Sexkaufverbot und Freierbestrafung, wie in einigen Ländern Nordeuropas

Doch Corona zeigte, was ein Sexkaufverbot bedeuten würde: Frauen, die dringend Geld verdienen mussten, weil sie ganze Familien im Heimatland ernähren, tauchten ab, schafften heimlich auf dem Straßenstrich oder in Appartements an, immer mit der Angst, erwischt zu werden.

Corona verschärft Druck auf Prostituierte

Manche Frauen wurden gnadenlos unter Druck gesetzt. Antonia besuchte Freier zu Hause und musste sich anhören "Du bist viel zu teuer", und "Jetzt kannst du doch auch ohne Kondom arbeiten". Auch Vermieter nutzten die Situation schamlos aus, verlangten ungeniert für winzige Buden 1.600 Euro Miete im Monat. 

Prostitution in Corona-Zeiten: Das Geschäft geht trotz Verbots weiter.

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Polizisten berichten, wie schwierig es war, Frauen zu kontrollieren, aber auch Hilfe anzubieten. Vor Corona gingen sie in Puffs und kontrollierten 20 Frauen in einer Stunde, prüften, ob die Prostituierten angemeldet waren, fragten, ob sie wirklich freiwillig anschafften, wiesen auf Hilfsangebote hin.

Jetzt mussten sie im Internet Anzeigen studieren, sich als Freier ausgeben, in Terminwohnungen oder auf den Straßenstrich fahren und klären: Sind die Frauen minderjährig, stehen sie unter Zwang, sitzt im Nebenzimmer der Zuhälter?

Sexarbeiterin: "Ich hätte Angst um meinen Schutz"

2017 wurde das Prostituiertenschutzgesetz verabschiedet. Es soll Frauen vor Gewalt, Menschenhandel und Zuhälterei schützen. Bordellbetreiber klagten: "Wir haben alle Auflagen des Gesetzes erfüllt, Notfallknöpfe installiert, Duschen eingebaut, Sicherheitspersonal eingestellt, das hilft, wenn ein Freier gewalttätig wird, und jetzt stehen die Frauen auf der Straße". Brandgefährlich sei das.

Ähnlich sehen es die Prostituierten selbst. "Ich hätte Angst um meinen Schutz", sagt Nicole, die im Laufhaus anschafft. "Hier kann ich jeden Freier erstmal durch die Fensterscheibe begucken und die Konditionen aushandeln. Gefällt er mir, nehme ich ihn mit aufs Zimmer, wenn nicht, sage ich, ich bin nicht die Richtige für dich."

"Was hat der Staat bei der freiwilligen Sexualität von zwei Erwachsenen denn eigentlich zu suchen", empört sich Salome und betont, sie arbeite selbstbestimmt. Jana ist seit über zwanzig Jahren im Geschäft. Sie sei lieber Sexarbeiterin, als im Supermarkt an der Kasse zu sitzen. "Im Bordell verdiene ich besser, kann als Soloselbständige meine Arbeitszeit einteilen und: Nein, abgeben muss ich mein Geld niemandem."

Polizei: Beurteilung der Lage oft schwierig

Ob das immer stimmt, ist selbst für erfahrene Polizisten schwer herauszufinden. Polizeihauptkommissar Patrick K. sagt, oft sei der Übergang zwischen Lebensgefährte, Freund und Zuhälter fließend. "Es ist schwer, von außen zu beurteilen: Wo fängt Zuhälterei an, wo fängt die Ausbeutung an, wenn die Frauen sagen, es ist alles ok." 

Bei "13 Fragen" geht es darum, einen Konsens zu finden. Nicht einfach, wenn das Thema polarisiert, wie die Debatte um Sexarbeit und Feminismus.

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Auch Ex-Prostituierte zweifeln, ob Frauen nicht doch Hintermännern einen Großteil ihres Geldes abgeben müssen. Sandra N. wurde Opfer eines Loverboys, der ihr Liebe vorspielte, sie benutzte und auspresste. "Alle Frauen, die ich kennengelernt habe, haben gesagt, sie machen es freiwillig. Ich habe auch, sogar als die Polizei mich aufgesucht hat, gesagt: Ich mach das alles nur für mich, aber hinten rum läuft ein ganz anderes Spiel, wo Milliarden mit der Ausbeutung von Frauen gemacht werden." 

Prostituiertenschutzgesetz verschärft

Doch würde ein Sexkaufverbot diesen Frauen wirklich helfen? Ende Juni wurde das Prostituiertenschutzgesetz noch einmal verschärft: Freier sollen bestraft werden, wenn sie die Zwangslage einer Frau bewusst ausnützen. 20 Millionen Euro soll es für Ausstiegsprogramme, etwa alternative Jobangebote geben.

Das klingt erstmal gut. Doch für Frauen, die kaum Deutsch sprechen, kaum Schulbildung und keine Berufserfahrung haben, kommen oft nur Jobs im Niedriglohnsektor in Frage. Helfen solche Jobs Frauen, die eine bessere Zukunft für ihre Kinder wollen, von deren Geld die ganze Familie abhängig ist? Hätten es Menschenhändler durch ein Prostitutionsverbot nicht noch leichter, weil die Frauen im Untergrund arbeiten würden?

Das Prostitutionsverbot in Corona-Zeiten, war eine Blaupause, die zeigte, was geschieht, wenn käuflicher Sex per Gesetz verboten würde.

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