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China: Streik und Unruhen in Innerer Mongolei

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Protest gegen Schulsprache - China: Streik und Unruhen in Innerer Mongolei

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Sie treibt die Angst an. Angst, ihre kuturelle Identität zu verlieren. Die Proteste gegen zu viel Chinesisch in der Schule sind die größten in der Inneren Mongolei seit langem.

Schüler einer Grundschule in der Inneren Mongolei. Archivbild
Schüler einer Grundschule in der Inneren Mongolei. Archivbild
Quelle: Wang Zheng/XinHua/dpa/Archivbild

Die Ausweitung des Unterrichts auf Chinesisch für mongolische Kinder hat Schulboykotte und die schwersten Proteste seit Jahren in Chinas Innerer Mongolei ausgelöst. Mit harter Hand gehen Behörden gegen Eltern vor, die an Demonstrationen teilgenommen haben.

Mit Fotos von öffentlichen Überwachungskameras fahndet die Polizei nach ihnen und verspricht Belohnungen für ihre Ergreifung.

Mongolen fürchten Verlust ihrer Identität                                                                        

Die Zeitung "Global Times", die von der Kommunistischen Partei herausgegeben wird, sprach von "Desinformationen", die "Verdrehungen in der zweisprachigen Bildung" ausgelöst hätten. Neue Vorschriften zum Schulbeginn diese Woche, wonach mehr Fächer als bisher in chinesischer Sprache unterrichtet werden, seien den Eltern "nicht ausreichend erklärt worden", schrieb das Blatt. Die Vizeparteichefin der Region, Bu Xiaolin, berief sich auf Staats- und Parteichef Xi Jinping und nannte die genaue Umsetzung der neuen Regeln eine "große politische Aufgabe, die wir erfüllen müssen".

Hintergrund der Unruhen sind Sorgen unter den vier Millionen Mongolen in der Inneren Mongolei, dass die Kinder durch verstärkten Unterricht auf Chinesisch ihre kulturelle Identität verlieren könnten. Kritiker sehen den Versuch der kommunistischen Führung, die Mongolen - wie zuvor schon die Tibeter und Uiguren - stärker zu assimilieren. Die Volksgruppe verteilt sich auf die Autonome Region Innere Mongolei in China und den im Norden angrenzenden demokratischen Staat Mongolei, wo weitere drei Millionen Mongolen leben.

Internierungslager in China -
Was steckt hinter der Uiguren-Unterdrückung?
 

Auch deutsche Konzerne produzieren in der chinesischen Region Xinjiang. Vertreter der unterdrückten Uiguren protestieren heute vor der Siemens-Zentrale in München.

von Stefanie Schoeneborn
Videolänge
1 min

Eltern schicken Kinder zum Schulstart nicht zum Unterricht

Als Minderheit in China können Mongolen aussuchen, ob sie ihre Kinder auf vornehmlich mongolische oder chinesische Schulen schicken. Die Änderung betrifft die ethnisch mongolischen Schulen, in denen die Fächer Literatur, Politik und Geschichte jetzt nicht mehr auf Mongolisch, sondern auf Chinesisch unterrichtet werden sollen. Aus Protest hatten viele Eltern ihre Kinder zum Schulstart nicht zum Unterricht geschickt und waren zu Tausenden auf die Straße gegangen.

Die Behörden reagierten laut Augenzeugenberichten mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen, einer stärkeren Polizeipräsenz auf den Straßen, der Errichtung von Kontrollpunkten oder auch der teilweisen Unterbrechung von Kommunikationsverbindungen.

Peking pocht auf gemeinsame Sprache

Außenamtssprecherin Hua Chunying sagte vor der Presse in Peking:

Eine gemeinsam gesprochene und geschriebene Sprache ist ein Symbol der nationalen Souveränität.

Es sei "das Recht und die Pflicht eines jeden Bürgers", diese Sprache zu benutzen. Das sei nicht nur in China so, sondern auch im Rest der Welt. Die chinesische Regierung fördere den Einsatz von Chinesisch in Gebieten mit ethnischen Minderheiten.

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