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Bürger fragen Kremlchef - Der "direkte Draht" zu Putin

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Millionen Fragen, Beschwerden, Hinweise: In der TV-Bürgerfragestunde "Der direkte Draht" hat sich Kremlchef Putin geduldig die Sorgen der Russen angehört und Besserung versprochen.

Wladimir Putin am 30.06.2021 in Moskau
Wladimir Putin
Quelle: Reuters

Inmitten massiver Unzufriedenheit in der russischen Gesellschaft hat Präsident Wladimir Putin seine politische Führung als großes Erfolgsmodell verteidigt. Bei einer Live-Sendung im Staatsfernsehen namens "Der direkte Draht" hatten Bürger am Mittwoch fast vier Stunden lang die Möglichkeit, Putin persönlich ihre Sorgen zu schildern - von Corona über Umweltverschmutzung bis hin zu Sanktionen.

Mehr als zwei Millionen Fragen kamen zusammen - 70 beantwortete er. Immer wieder versprach der 68-Jährige, der seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Macht ist: "Wir regeln das."

Niedrige Löhne, Probleme bei Versorgung

Rund drei Monate vor der Parlamentswahl rief der Staatschef dazu auf, am 19. September für die von ihm gegründete Kremlpartei Geeintes Russland zu stimmen. Die in der Staatsduma mit absoluter Mehrheit regierende politische Kraft habe das Land sicher durch die Corona-Krise geführt. Russland stehe besser da als andere, sagte Putin - trotz Rekorden bei Todes- und Infektionszahlen.

Präsident Putin hat die arbeitsfreie Zeit bei voller Lohfortzahlung bis 11. Mai verlängert. Das Überbringen schlechter Nachrichten überlässt er lieber den Provinz-Gouverneuren.

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Dagegen macht die Opposition vor allem den Kreml für die vielen Missstände verantwortlich. Stundenlang hörte sich Putin bei dem inzwischen 18. "direkten Draht" geduldig die Klagen seiner Landsleute an: über extrem niedrige Löhne, fehlende Arbeitsplätze und Probleme bei der Versorgung mit Gas. Besonders in den Regionen klagen Bürger der Energiegroßmacht darüber, dass große Leitungen nach Westen und China verlegt werden, aber nicht vor ihre Haustür.

Nawalny-Team: System von Machtmissbrauch

Auch auf die fast schon traditionell gestellte Frage nach seinem möglichen Abschied aus der Politik musste Putin antworten. "Natürlich kommt die Zeit. Und ich hoffe, dass ich sagen kann, dass dieser oder jener Mensch meiner Meinung nach würdig ist, solch ein wunderbares Land wie unsere Heimat Russland zu führen." Er sehe es als seine Verantwortung, eine Empfehlung zu geben. Ob er danach noch weiter arbeiten wolle? Nein. Er werde sich dann an den Ofen setzen. Der Kremlchef hatte im vergangenen Jahr durch eine Verfassungsänderung den Weg freigemacht, dass er bis 2036 regieren kann.

Drei Monate vor der Parlamentswahl in Russland geht der Kreml weiter massiv gegen seine Gegner vor, mit Razzien, Strafverfahren und Betätigungsverboten. Manche Oppositionelle werden sogar genötigt, Russland zu verlassen.

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Das Team des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny machte dagegen Putin für ein System von Machtmissbrauch und Korruption verantwortlich. Zahlreiche Politologen wundern sich, dass Putin noch immer in die durchaus unangenehme Fragerunde geht. Die Show zeige die Hilflosigkeit des Apparats und Putins selbst, meinte die Politologin Tatjana Stanowaja. "Putin wird immer mehr zum Analysten", meinte sie.

Dabei sollte er Probleme lösen. Die Sendung sei eine künstliche Inszenierung, in der leidenschaftslos Probleme benannt würden - ohne Aussicht auf Lösung. Vergangenes Jahr fiel die Sendung wegen der Corona-Pandemie aus.


Putin wirbt für Impfung

Diesmal nutzte Putin die Show auch, um einmal mehr für Impfungen zu werben. Die Bevölkerung traut den im Land entwickelten Impfstoffen nicht. Dabei lüftete Putin nun auch ein seit Monaten vom Kreml gehütetes Geheimnis um seine eigene Impfung. Er habe sich mit Sputnik V immunisieren lassen und bis auf eine erhöhte Temperatur von 37,2 Grad keine Nebenwirkungen gehabt. "Die Impfung ist ungefährlich."

Russland ist flächenmäßig der größte Staat der Erde – die Impfstoffverteilung ist daher eine besonders große Herausforderung. Wie schafft man es also Menschen zu impfen, die in abgeschiedenen Dörfern leben? Die Antwort: ein Impfzug.

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Zugleich behauptete er, dass das Vakzin besser sei als andere Impfstoffe. "Gott sei Dank, gibt es bei uns keine solchen tragischen Situationen nach der Impfung - wie nach der Verabreichung von Astrazeneca und Pfizer." Russland steht im Westen immer wieder in der Kritik, dort entwickelte Vakzine schlecht zu reden.

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