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Zu 41 Monaten Haft verurteilt - "QAnon-Schamane": Der Geist, den Trump rief

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Jacob Chansley ist das Gesicht, das die Welt mit dem Sturm auf das US-Kapitol verbindet. Am Mittwoch fiel das Urteil gegen ihn. Doch die Aufarbeitung ist noch lange nicht beendet.

Jacob Chansley am 09.03.2021 in Washington
Als "Qanon-Schamane" wurde Jacob Chansley weltbekannt.
Quelle: picture alliance / zz/STRF/STAR MAX/IPx

"Danke, dass du den Vereinigten Staaten erlaubt hast, wiedergeboren zu werden. Danke, dass du uns erlaubt hast, uns der Kommunisten, der Globalisten und der Verräter in unserer Regierung zu entledigen. Wir lieben dich und wir danken dir. Wir beten in Christi heiligem Namen."

Inmitten des Angriffs auf Amerikas Demokratie an jenem 6. Januar 2021 machten diese Worte in den Sozialen Medien die Runde. Es ist ein Lobes-Gebet auf Donald Trump. Mittlerweile weiß man: Der Verfasser heißt Jacob Chansley. Die wenigen Zeilen sagen viel aus über die religiöse Rechte in den USA und ihr Verhältnis zu dem Mann, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, was Anfang des Jahres im Herzen Washingtons passierte.

Viele Fragen zu Sturm auf Kapitol

Einem, der sich als Trumps Jünger sieht, wurde also nun der Prozess gemacht. Das Urteil: 41 Monate Haft wegen der Behinderung von US-Kongressabläufen. Der Tag der Verurteilung stellt zwar einen der bisherigen Höhepunkte der Aufarbeitung des 6. Januars dar. Der Prozess ist aber damit noch lange nicht beendet. Wahrscheinlich wird er es auch nie sein.

Was waren die wesentlichen Antriebskräfte hinter den Ereignissen? Welche Rolle spielt christlicher Nationalismus? Wie tief in die amerikanische Gesellschaft reicht die radikale Bewegung, deren Speerspitze – unter anderem verkleidet als Büffelhorn-Schamane – Anfang des Jahres zeigte, wozu sie fähig ist. All das sind Fragen, die bisher, wenn überhaupt, nur teilweise beantwortet werden können.

Ex-US-Präsident Donald Trump geht gerichtlich gegen die Herausgabe von Dokumenten an einen Kongressausschuss vor. Es geht dabei um die Untersuchung der Kapitol-Attacke im Januar.

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Trump will keine Aufklärung

Hinzu kommt, dass mächtige Kräfte kein Interesse daran haben, die Vorgänge weiter zu beleuchten, allen voran Ex-Präsident Donald Trump. Er bediente nicht nur jahrelang das tiefsitzende Gefühl vieler Fundamentalisten, sich in einer Art Unterdrückungszustand zu befinden. Im Wahlkampf 2016 gerierte er sich als Anführer im Krieg gegen das moderne, säkulare Amerika. 

Und auch heute noch hängen große Teile der "Grand Old Party" an seinen Lippen. Sei es nun aus Angst oder Überzeugung. Ein Beleg dafür lieferte beispielsweise die überwältigende Mehrheit der republikanischen Senatoren, die gegen einen parteiübergreifenden Untersuchungsausschuss zur Stürmung des Kapitols stimmten. Außerdem glauben laut Umfragen noch immer rund Zweidrittel der Republikaner an Trumps "Große Lüge", die Wahl 2020 sei ihm "gestohlen" worden.

Nächster Kapitol-Prozess steht an

Während der eine Prozess also am Mittwoch sein Ende fand, blickt Amerika schon auf den nächsten, der sich mit Trumps ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon befasst. Wie Chansley ist auch der Rechtpopulist der Missachtung des Kongresses angeklagt. Er hatte eine Vorladung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ignoriert und verweigert zudem die Übergabe von Dokumenten an das Gremium.

Die Ausschuss-Mitglieder halten Bannon für eine Schlüsselfigur der Kapitol-Erstürmung. Der 67-Jährige soll bereits im Vorfeld gewusst haben, dass es zu Gewalt kommen werde. Das legt unter anderem eine seiner Aussagen in seinem Podcast am 5. Januar 2021 nahe. Darin hieß es, dass die "Hölle ausbrechen wird". Zudem soll sich Bannon am Folgetag mit anderen Trump-Vertrauten in einer Art informeller Kommandozentrale im Willard-Hotel nahe des Weißen Hauses aufgehalten haben. Bei einer Verurteilung droht ihm ebenfalls eine Haftstrafe.

Im Januar stürmten radikale Anhänger des damaligen US-Präsidenten Trump das Kapitol in Washington. Fünf Menschen starben. Welche Rolle hat Trump bei diesem Angriff gespielt? Auch darum geht es in einem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses.

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Sturm zeigt Amerikas Spaltung

Trotz alledem wissen Trumps Anhänger, dass es sich lohnen könnte, weiter an seine radikalen, rassistischen und demokratiefeindlichen Vorstellungen zu glauben. Viele sehen sich als Teil einer konservativen Revolution und haben wenig Interesse daran, die Vorgänge rund um den Angriff auf das Kapitol aufzuarbeiten.

Der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 war kein zufälliges Ereignis, sondern auch Ausdruck eines System-Kampfes zwischen demokratischen Werten und nationalem Autoritarismus. Wenn Amerika heute in den Spiegel schaut, sieht es zwei Gesichter.

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