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LGBTQ in Ost-Europa - Der queere Balkan kämpft für gleiche Rechte

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Ungarns LGBT-Gesetz hat in ganz Europa für Empörung gesorgt. Für Homosexuelle ein Rückschritt: Denn auf dem Balkan kämpfen sie um Sichtbarkeit und Sicherheit.

Hass und Ablehnung sind für viele LGBTQ auf dem Balkan immer noch ein echtes Problem, manchmal sogar eine Bedrohung. Viele Künstler*innen treiben als Role-Models den Wandel voran.

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Azis ist ein Phänomen: Er ist schwul, er ist Roma, und er ist der größte Popstar auf dem Balkan. Eine Region, wo nur wenige Prominente öffentlich über ihre Homosexualität reden. Aktuell unterstützt Azis eine Kampagne, in der es darum geht, homosexuellen Jugendlichen Mut für ihr Coming-out zu machen. Fotografiert von Kostadin Krastev, einem der gefragtesten Modefotografen in Bulgarien.

"Zu sagen 'Ich bin schwul', ist in den kleinen Orten in Bulgarien längst nicht selbstverständlich", erinnert der Fotograf. Und Azis ergänzt, es sei in Bulgarien immerhin inzwischen einfacher zu sagen "Ich bin schwul" als "Ich bin Roma".

Pride-Parades in vielen Balkan-Ländern

In der Tat: Im Juni hat in der bulgarischen Hauptstadt Sofia eine große Pride-Parade mit Konzerten stattgefunden. Zuvor allerdings waren kleinere Veranstaltungen in Sofia, Plovdiv und Burgas angegriffen worden.

Die Pride-Paraden finden weltweit im Juni statt: Sie erinnern an das öffentliche Aufbegehren Homosexueller in New York im Juni 1969. Pride (englisch für Stolz) deshalb, weil man sich nicht mehr verstecken wollte, sondern öffentlich für gleiche Rechte und Akzeptanz auf die Straße ging.

Auf den Pride-Paraden dieser Tage in Kosovo, in Nordmazedonien oder in Bulgarien, fordern queere Menschen Sicherheit im Alltag, gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz. Queer beschreibt Menschen, die nicht ausschließlich heterosexuell empfinden.

Patriarchales Familienbild und die Erfahrungen des Krieges

Homosexuelle Pärchen in seiner Heimat würden zum Beispiel aus Angst vor Gewalt nicht öffentlich Händchen halten, erzählt Branko Ćulibrk. Er engagiert sich in Prijedor in Bosnien-Herzegowina für queere Jugendliche. Die Ablehnung hängt einerseits damit zusammen, dass die großen Religionsgemeinschaften auf dem Balkan das patriarchale Familienbild propagieren.

LGBT-Demonstration am 08.09.2019 in Sarajevo
LGBT-Demonstration in Sarajevo (Archivbild)
Quelle: AP

Sie hängt aber auch mit dem Krieg in Ex-Jugoslawien zusammen: Nach dem Krieg galt es, sich auf eine Seite zu schlagen. Dazuzugehören statt anders zu sein. Dazu kommen Gewalt-Erfahrungen des Krieges, die in manchen Regionen bis heute für ein aggressives Klima sorgen.

Der serbische Offizier, der zur Frau wurde

Dennoch ändern sich die Dinge langsam. Zum Beispiel in Serbiens Hauptstadt Belgrad. Hier finden Transsexuelle weltweit eines der bekanntesten Zentren für geschlechtsanpassende Operationen. Eine solche Operation war vor sechs Jahren der wichtigste Moment im Leben von Helena Vuković. Sie war früher Offizier in der serbischen Armee.

Ich wollte die Frau in mir töten,

erklärt sie ihre Karriere im Militär. "Ich wollte mich maskuliner machen. Ein Mann werden. Aber egal, wie sehr du das versuchst, deine Natur kannst du nicht ändern. Ich bin einfach so geboren."

Helena Vuković ist die wahrscheinlich berühmteste Transsexuelle auf dem Balkan. Nach einer Karriere im Militär unterzieht sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation. Heute setzt sie sich für die Aufklärung über Transsexualität ein.

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Helena wurde deshalb aus der Armee entlassen. Doch die Geschichte vom Offizier, der zur Frau wurde, hat in Serbien enorme Wellen geschlagen. Jetzt setzt sie sich für die Belange von Transsexuellen in Serbien ein. Wegen ihrer Karriere in der Armee hört man ihr heute zu. Für viele andere Frauen, die diesen Weg gegangen sind, ist die Situation allerdings immer noch schwer.

Euro-Pride in Belgrad: Schritt Richtung Sichtbarkeit

Immerhin: In Belgrad hängt die einzige Regenbogen-Fahne, die auf dem Balkan ständig zu sehen ist. Und zwar vor dem Büro, das die Euro-Pride 2022 in Belgrad vorbereitet. Als wir dort drehen, spucken einige Passanten an die Scheiben. Ein junger Sicherheitsmann wischt es sofort weg. Ein paar komische Leute gibt es immer, sagt er.

Dass Serbien im kommenden Jahr die europäische Hauptparade ausrichten soll, ist für queere Menschen auf dem gesamten Balkan ein wichtiger Schritt: Richtung Sichtbarkeit.

Zwei Menschen sind von einer Pride-Flagge umhüllt. Archivbild

Pride-Land Deutschland? - So steht es um die LGBTQ-Community  

Münchens Stadion in Regenbogenfarben wäre ein Zeichen für ein tolerantes Land gewesen. Doch die Lage der LGBTQ-Community in Deutschland ist von buntem Glück teils weit entfernt.

von Lukas Wilhelm
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