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Radverkehrsplan 2030 - "Ein Tropfen auf den heißen Stein"

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Deutschland wird Fahrradland - so will es der Nationale Radverkehrsplan NRVP 3.0, den Verkehrsminister Scheuer heute beim 7. Nationalen Radverkehrskongress vorstellt. Nur wie?

In Hamburg findet derzeit der Nationale Radverkehrskongress statt. Deutschland soll in den nächsten Jahren zum "Fahrradland" werden. Doch wie fahrradfreundlich sind Deutschlands Städte? Unsere ZDF-Reporter berichten aus Karlsruhe und Köln.

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Es sind ambitionierte Ziele, die das Bundesverkehrsministerium der Bevölkerung Deutschlands bis zum Jahr 2030 auf den Weg gibt. Wir alle sollen mehr mit dem Rad fahren: 180 statt 120 Wege pro Jahr, sechs statt 3,7 Kilometer pro Fahrt.

Zudem soll die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 sinken. Damit das gelingt, sollen Kommunen, Länder und der Bund jährlich pro Kopf und Jahr 30 Euro investieren.

Vom Fahrradland Deutschland "noch Lichtjahre entfernt"

Nach Verabschiedung des NRVP 3.0 durchs Bundeskabinett vergangene Woche hatte sich ADFC-Vize Rebecca Peters positiv geäußert: Der Plan setze die richtigen Schwerpunkte durch die Schaffung lückenloser Radwegenetze, geschützter Radwege an stark befahrenen Straßen, Radschnellwegen für Pendler, durch sichere Kreuzungen, moderne Fahrrad-Abstellanlagen und eine Verknüpfung mit dem ÖPNV.

Gleichzeitig mahnte Peters aber auch:

Vom Fahrradland Deutschland sind wir Stand heute noch Lichtjahre entfernt. Der Ausbau der Radwege und Radschnellwege kommt kaum voran.
Rebecca Peters, ADFC-Vizepräsidentin

Im Gegensatz zu den Ministern Ramsauer und Dobrindt habe Scheuer sich zumindest klar pro Radverkehr positioniert. Aber nun müsse man "noch wesentlich mutiger und schneller sein, damit die Vision vom Fahrradland Deutschland bis 2030 Wirklichkeit wird".

Seit der Pandemie ist es auf den Radwegen deutlich voller geworden. Über eine fahrradgerechte Verkehrsplanung in der Stadt wird nun auch auf dem Radverkehrskongress in Hamburg beraten.

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Investitionen "ein Tropfen auf den heißen Stein"

Dass wir im Jahr 2030 über bessere Zahlen bei der Fahrradnutzung sprechen als heute, kann sich der Verkehrsforscher Prof. Andreas Knie gut vorstellen - doch bis dahin sieht auch er noch eine Menge Steine, die aus dem Weg geräumt werden müssen:

Eine runde Milliarde Euro Investitionen innerhalb von jeweils drei Jahren hört sich natürlich erst mal gut an, aber tatsächlich bekommt man dafür gerade mal ein paar Meter Autobahn.
Prof. Andreas Knie, Verkehrsforscher

Und: "Im Vergleich ist das also viel zu wenig Geld für eine bessere Fahrradinfrastruktur, gerade mal ein Tropfen auf den heißen Stein", so Knie.

Aber nicht nur am Geld hake es, sondern auch am konkreten Willen zur Umsetzung: "Wir haben seit 14 Tagen eine neue Straßenverkehrsordnung, die weiterhin alleine dem Auto Vorfahrt gibt", sagt der Verkehrsforscher. Mehr Raum für Fahrräder bedeute, dass man Raum und Rechte vor allem dem Autoverkehr wegnehmen müsse.

Infrastruktur fehlt für Umsetzung Radverkehrsplan

Stephanie Krone, Verkehrsexpertin beim ADFC, sieht immerhin leichte Verbesserungen in der neuen Straßenverkehrsordnung - den Mindestabstand von 1,5 Metern beim Überholen von Fahrrädern und höhere Geldbußen beim Zuparken von Radwegen. Und auch wenn "Deutschland den Radverkehr beschämend lange als Nischenthema behandelt" habe, wehe nun ein neuer Wind:

"Die Bundesregierung sagt im Nationalen Radverkehrsplan etwas, das sie noch nie gesagt hat: Nämlich dass der Radverkehr mehr Platz bekommen muss, und zwar auch zulasten des Autoverkehrs. Das ist tatsächlich eine kleine Revolution", sagt die Verkehrsexpertin.

Doch weil Deutschland viel zu spät angefangen habe, den Radverkehr ernst zu nehmen, fehle es jetzt an allen Ecken und Enden: an spezialisierten Planerinnen und Planern, Forschung, Strukturen der überregionalen Zusammenarbeit, geeigneten Regelwerken. Vor allem fehle es an "Mut zur Veränderung", so Stefanie Krone.

Wir müssen jetzt in zehn Jahren nachholen, woran die Niederlande seit den 1970-ern arbeiten.
Stephanie Krone, ADFC-Verkehrsexpertin

Fahrradfahrer müssen sich oft einem täglichen Verkehrskampf mit Autofahrern stellen. Neue Pop-Up-Radwege sollen helfen, das Problem zu lösen.

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Handlungsbedarf vor allem in den Kommunen

Der größte Stolperstein, wenn nicht gar ein Riesenbrocken, lauert schließlich dort, wo Radverkehr vor allem stattfindet: in den Kommunen. "Bund und Länder müssen kräftig unterstützen, aber gemacht wird die Verkehrswende in den Städten und Gemeinden. Hier müssen die Netzpläne für den Radverkehr entwickelt werden, und in den meisten Kommunen gibt es solche Pläne gar nicht", sagt die ADFC-Expertin.

Da wirkt die Laufzeit des Nationalen Radverkehrsplans bis 2030 plötzlich schon wieder recht kurz.

Verkehr auf einer Autobahn.

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