Ramelow will engere Zusammenarbeit mit Chile

    Nach Besuch in Südamerika:Ramelow will engere Zusammenarbeit mit Chile

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    Zum Ende seiner Bundesratspräsidentschaft ist Bodo Ramelow nach Chile gereist. Sehr bewegt habe ihn der Besuch der einstigen Colonia Dignidad, sagte der Linken-Politiker.

    Bodo Ramelow beim Rundgang mit Opferverbänden durch die "Colonia Dignidad"
    Bodo Ramelow beim Rundgang mit Opferverbänden durch die einstige Colonia Dignidad in Chile.
    Quelle: dpa

    Der scheidende Bundesratspräsident, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), hat für eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Chile geworben. In Chile werde an Zukunftsthemen wie der künftigen Energieversorgung gearbeitet, sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur.
    Das Land sei nicht nur reich an Ressourcen für erneuerbare Energien wie Sonne und Wind, sondern auch an Lithium-Vorkommen. Diese böten deutschen Firmen, auch in Thüringen, eine sehr große Chance auf Zusammenarbeit. Lithium spielt unter anderem für Akkus, etwa in Mobiltelefonen, eine große Rolle.

    Ramelow bewegt von Besuch bei Colonia Dignidad

    Zum Abschluss seiner Bundesratspräsidentschaft war  Ramelow - begleitet von einer Wirtschaftsdelegation - knapp eine Woche in dem südamerikanischen Land. Als eine der stärksten Eindrücke der Reise nannte Ramelow den Besuch der einstigen Colonia Dignidad.
    Die Siedlung war unter ihrem Gründer Paul Schäfer ein befestigtes Lager mit sektenähnlichen Strukturen. Es kam dort zu systematischem Kindesmissbrauch. Während der Militärdiktatur in Chile war die Kolonie ein Folterzentrum der Geheimpolizei. Er habe Gespräche mit verschiedenen Opfergruppen geführt, sagte Ramelow.

    Das ist mir sehr nahe gegangen.

    Bodo Ramelow über seinen Besuch in der Colonia Dignidad

    Dem chilenisch-deutschen Expertenteam, das an einer Gedenkstättenkonzeption arbeitet, gehöre auch der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, an. "Die Opfer setzen große Hoffnungen in uns, dass wir das weiter begleiten", sagte Ramelow.

    Vereinbarungen für Studierenden-Austausch unterzeichnet

    Für ihn sei der Zeitpunkt der Reise, 61 Jahre nach Gründung der Colonia Dignidad und fast 50 Jahre nach dem Militärputsch, bedeutsam gewesen. Im September 1973 hatte das chilenische Militär unter Führung des Generals Augusto Pinochet gegen den demokratisch gewählten linken Präsidenten Salvador Allende geputscht und dessen Regierung gestürzt. Allende beging kurz nach Putschbeginn Suizid. Politische Gefangene wurden in Haft- und Folterzentren eingesperrt, Tausende gelten als vermisst.
    Ramelow hatte sich in Chile unter anderem mit Vertretern des dortigen Senats und mit dem Wirtschaftsminister des Andenlandes, Nicolás Andrés Grau, getroffen. Nach Angaben des Thüringer Wirtschafts- und Wissenschaftsministeriums wurden drei Hochschulvereinbarungen mit chilenischen Partnern unterzeichnet.
    So sollten der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern intensiviert, gemeinsame Studiengänge mit Doppelabschlüssen entwickelt und konkrete Forschungsprojekte definiert werden, teilte das Ministerium mit.
    Die Reise habe ein "Doppelplus für Thüringen und einen wichtigen Punkt für Deutschland" gebracht, sagte Ramelow. Am Sonntag wurde die Delegation zurück in Deutschland erwartet.
    Quelle: dpa

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