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"Leider stehengeblieben" beim Rassismus

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Ex-Nationalspieler Asamoah - "Leider stehengeblieben" beim Rassismus

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Ex-Fußballstar Gerald Asamoah hat mit Bundespräsident Steinmeier über Rassismus in Deutschland gesprochen. Das Ergebnis: Es gibt ihn noch immer - auch wenn sich viel getan hat.

Schwarze in Deutschland

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die deutsche Gesellschaft aufgefordert, aktiv gegen Rassismus einzutreten. "Es reicht nicht aus, 'kein Rassist' zu sein. Wir müssen Antirassisten sein!", sagte er bei einer Diskussionsrunde im Schloss Bellevue.

Dass das Versprechen von gleicher Würde und von Respekt noch nicht für alle gleichermaßen Realität sei, haben auch Steinmeiers Gäste erfahren müssen - bis heute: "Mein worst case (schlimmster Fall) war in Cottbus, wo ich mit Bananen beschmissen wurde", berichtete etwa der aus Ghana stammende, ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler Gerald Asamoah. Im Interview berichtet er von dem Gespräch mit dem Bundespräsidenten - und wie es um den Rassismus in Deutschland steht.

Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von eigenen Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland berichtet.

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ZDFheute: Herr Asamoah, Sie haben heute den Bundespräsidenten gesprochen, um über Rassismus-Erfahrungen zu sprechen, was haben Sie Herrn Steinmeier berichtet?

Gerald Asamoah: Erstmal finde ich es sehr, sehr schön, dass er mit uns redet. Es war in den letzten Jahren leider so, dass er oft über uns, aber nicht mit uns gesprochen hat. Er hat uns einfach zugehört und ich habe Sachen erzählt, was mir in Deutschland widerfahren ist. Zum Beispiel, wenn ich als Schwarzer ein großes Auto fahre und mich dann ein Polizist anhält und ich frage: "Was ist los?" und er antwortet: "Oh, tut mir leid, Herr Asamoah, ich hätte nicht gedacht, dass ein Schwarzer so ein großes Auto fährt..." Und das sind so Sachen, die tun wirklich weh und so etwas habe ich auch berichtet.

ZDFheute: Wie haben Sie das Gespräch empfunden? Wenn es ein konkretes Ergebnis gibt - sind Sie damit zufrieden?

Asamoah: Was heißt Ergebnis? Ich finde, das Wichtige war, dass er uns zugehört hat. Wir wünschen, dass öfter mit uns gesprochen wird und man nicht über uns redet. Das war jetzt ein Zeichen. Und ich denke, dass die Leute jetzt mal anfangen, sich mit der ganzen Sache zu beschäftigen. Es gibt viele Leute, die sagen: "Ihr übertreibt, es gibt gar keinen Rassismus." Leider gibt es 2020 immer noch Rassismus in Deutschland und dagegen müssen wir etwas tun. Da erwarte ich Zivilcourage. Steinmeier hat heute gezeigt, dass es geht, dass man mit den Leuten in einen Dialog kommen kann - und das war schön.

Asamoah lobt den Dialog mit Steinmeier und begrüßt die aktuelle Debatte.

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ZDFheute: Auch in der Bundesliga gibt es immer wieder rassistische Vorfälle wie überall in der Gesellschaft. Sie sind jetzt seit 25 Jahren im Profi-Geschäft. Was hat sich seitdem getan?

Asamoah: Es hat sich sehr viel getan. Aber es gibt Leute, die es einfach nicht verstehen und jemanden beleidigen, weil er anders aussieht. Das ist das Problem - wir haben das Jahr 2020 und der Rassismus ist immer noch aktiv. Deswegen sage ich: Ich dachte wir wären weiter, aber wir sind leider stehengeblieben.

Der Ex-Nationalspieler über Fortschritte beim Thema Rassismus.

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ZDFheute: Kann Fußball beim Thema Rassismus ein Vorbild sein für die Gesellschaft?

Asamoah: Ja, Fußball kann Vorbild sein. Denn egal, wo wir herkommen, wir versuchen, zusammen etwas zu erreichen. Wenn ich als Fußballer in einer Kabine sitze und da ist jemand aus der Türkei oder aus Brasilien, dann gehe ich auf den zu und rede mit ihm - warum? Weil wir ein Ziel haben: Wir wollen eine schöne Zeit in der Mannschaft erleben. Und das erwarte ich einfach auch in der Gesellschaft. Dass wir ein buntes Deutschland haben und dass wir sagen: Es ist egal, wo man herkommt, wir sind alle gleich, wir haben alle ein Ziel - nämlich, dass es uns in Deutschland sehr, sehr gut geht. Und da hoffe ich, dass der Fußball ein Vorbild sein kann für die Gesellschaft.

Wie der Fußball beim Thema Rassismus ein Vorbild sein kann.

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Das Interview führte Astrid Randerath von Frontal 21.

Grafische Darstellung Rassismus

Nachrichten | Panorama -
Was man über Rassismus wissen sollte
 

Unsere interaktive Story zeigt einige Beispiele, wie Rassismus in bewussten - aber auch häufig unbewussten - Formen vorkommt.

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