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#blackouttuesday auf Instagram - "Ein schwarzes Bild posten hilft niemandem"

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Tausende Nutzer posten schwarze Bilder auf Instagram als Protest gegen Rassismus. Dem schwarzen Journalisten Felix Edeha ist dabei nicht ganz wohl. "Das hilft niemandem", sagt er.

Die US-Musikindustrie hat als Reaktion auf den Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz den "Blackout Tuesday" ausgerufen.

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ZDFheute: Sie sind nicht ganz glücklich mit den schwarzen Bildern bei Instagram und dem Hashtag #blackouttuesday. Warum nicht?

Felix Edeha: Erst einmal ist es natürlich schön, dass sich so viele Menschen mit dem Thema beschäftigen. Aber andererseits wirkt es teilweise wie ein Trend. Viele Menschen machen das gerade, von denen man vorher nicht gesehen hat, dass sie sich um das Thema kümmern würden. Ich habe die Befürchtung, dass viele das gerade posten, weil es in ist.

ZDFheute: "Ein schwarzes Bild zu posten hilft niemandem", schreiben Sie selber bei Instagram. Sie wünschen sich stattdessen, dass sich Menschen auch im Alltag mehr gegen Rassismus engagieren.

Felix Edeha
Felix Edeha ist Journalist in Berlin und Hamburg.
Quelle: privat

Edeha: Wenn Menschen im Alltag, auf der Arbeit oder in der Familie mitbekommen, eine Person mit schwarzer Hautfarbe kriegt einen Spruch gedrückt, dann lacht man vielleicht darüber. Oder man schweigt. Aber in den wenigsten Fällen greifen Zuschauerinnen und Zuschauer ein und sagen: "Hey das geht nicht". Es wäre schön, wenn bei Leuten, die sich gerade in den sozialen Medien mit Postings solidarisieren, diese Solidarität im Alltag genau so präsent wäre.

ZDFheute: Sie haben als Journalist darüber berichtet, dass Sie nicht in Clubs reingekommen sind und von Türstehern ausgeschlossen wurden, weil Sie schwarz sind. Hat Ihnen in solchen Situationen Solidarität von Weißen gefehlt?

Edeha: Auf jeden Fall. Ich war öfter mit Freunden unterwegs und bin als einziger nicht reingekommen. Oftmals habe ich es leider erlebt, dass meine Freunde reingegangen sind und sich einen schönen Abend gemacht haben. Und ich bin dann alleine mit dem Taxi nach Hause gefahren und das ist ein scheiß Gefühl. Das ist nur eine von vielen Situationen, in der ich mir mehr Solidarität gewünscht hätte.

Der Fall Floyd hat in den USA Unruhen ausgelöst. Auch in Deutschland gibt es Protest gegen Rassismus. Wie ist groß ist das Problem hierzulande?

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ZDFheute: Sie kritisieren, dass in den Medien noch zu selten schwarze Menschen zu sehen sind. Warum ist das problematisch?

Edeha: Weil man die Perspektive von schwarzen Menschen nicht aus erster Hand erfährt. Man spricht über sie aber nicht mit ihnen. Das ist Teil des Problems Rassismus. Wenn man das Problem verstehen möchte, wäre es sinnvoll, Expertinnen und Experten einzuladen, die diese Erfahrungen, über die man spricht, selbst gemacht haben.

ZDFheute: Sie haben vor ein paar Wochen auf einen rassistischen Werbespot von VW hingewiesen. VW hat sich dafür entschuldigt. Wie bewerten Sie diese Reaktion?

Edeha: Die erste Reaktion in den Kommentaren bei Instagram war voll für den Ofen. Zuerst hatte VW dort gepostet, man verstehe gar nicht, wie man den Spot missverstehen könne. Die zweite, offizielle Reaktion bewerte ich aber als angemessen. Aber das darf einem Weltkonzern trotzdem nicht passieren, das war eine große Schweinerei - auch, dass Menschen bei VW so ein Gedankengut haben. Ich frage mich immer noch, wie dieser Spot veröffentlicht werden konnte. Das geht doch durch viele Instanzen. Ist das wirklich niemandem aufgefallen, dass das problematisch ist?

ZDFheute: Was wünschen Sie sich in Bezug auf Rassismus in Deutschland?

Edeha: Ich würde mir wünschen, dass ich ernst genommen werde, wenn ich von Rassismus erzähle. Ich habe oft zu hören bekommen: Naja, komm, das war nicht so schlimm, nimm dich nicht so wichtig. Und ich würde mir Empathie und Solidarität wünschen. Es gibt zum Beispiel viele Menschen, die immer noch darauf bestehen, das Wort "Negerkuss" zu verwenden. Dabei tut es doch nicht weh, auf ein Wort zu verzichten, wenn Leute einem sagen, das Wort verletzt mich. Warum pocht man darauf? Da würde ich mir wirklich mehr Empathie wünschen.

Das Interview führte Dominik Rzepka. Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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