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"Unmöglich, Regeln durchzusetzen"

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Massen-Demo und Corona-Gefahr - "Unmöglich, Regeln durchzusetzen"

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Massendemos gegen Rassismus trotz Corona? In Berlin ist einiges falsch gemacht worden, sagt der Autor Olaf Sundermeyer. Trotzdem sei das Anliegen der Demonstranten berechtigt.

Weltweit protestieren derzeit Menschen gegen Rassismus - auch in Deutschland. Die Corona-Schutzmaßnahmen sollten jedoch auch auf Demonstrationen weiterhin eingehalten werden.

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ZDFheute: Sie haben über die Anti-Rassismus-Demo getwittert, es sei ein unkontrollierter, verantwortungsloser Massenprotest gewesen, der sie beängstigt habe. Warum?

Olaf Sundermeyer: Das war ein persönliches Gefühl. In dieser Masse auf dem Alexanderplatz als Berichterstatter zu stehen, in einem Land, das seit Monaten gegen diese Pandemie kämpft, inmitten von zehntausenden Menschen ohne jeglichen Schutz und Abstand in dieser unkontrollierten Massenveranstaltung, das hat mich beängstigt.

ZDFheute: Hätte die Polizei eingreifen müssen und auf das Tragen der Masken und Abstand dringen müssen?

Sundermeyer: Das war nicht mehr möglich. Wenn die Polizei eingegriffen hätte, hätte das zu Chaos und einer Massenpanik geführt. Die entscheidenden Fragen stellen sich jetzt: Ursprünglich war die Demo für den Potsdamer Platz angemeldet und wurde kurzfristig verlegt. Warum? Die Veranstaltung wurde mit einer Teilnehmerzahl von 1.500 geschätzt. Viel zu niedrig! Wir hatten ja schon vorher in Berlin und in Hamburg Demonstrationen mit sehr viel mehr Menschen. Hätte man das also vorher anders einschätzen müssen und können?

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ZDFheute: Von der AfD kommt der Vorwurf, man messe mit zweierlei Maß. Für die Anti-Corona-Demos müssten die Regularien eingehalten werden, bei den Anti-Rassismus-Demos nicht.

Sundermeyer: Ich bin bei vielen Hygiene-Demos in ganz Deutschland gewesen. Die Teilnehmer wurden wirklich gezählt und zugesehen, ob die Polizei die Abstandsregeln durchsetzt. Das, was am Samstag auf dem Alexanderplatz passiert ist, das konterkariert das in Gänze. Am Samstag war es für die Polizei unmöglich, irgendwelche Regeln durchzusetzen.

Sylvie Nantcha ("The African Network of Germany") fordert eine unabhängige Beschwerdestelle, die sich mit rassistischen Übergriffen beschäftigt. "Rassismus in Deutschland gegen Schwarze muss benannt, erkannt und bekämpft werden", so Nantcha.

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ZDFheute: Regierungssprecher Steffen Seibert hat heute gesagt, es müsse beides möglich sein: Gegen Rassismus zu demonstrieren und die Abstandsregeln einzuhalten. Wie realistisch ist das?

Sundermeyer: Grundsätzlich stimme ich ihm zu. Hundertausende demonstrieren in Deutschland, weil sie ein Anliegen haben. Da geht es nicht nur um den Tod von George Floyd, sondern es geht um Rassismus in unserer deutschen Gesellschaft. Das sollte man ermöglichen.

Demonstrieren muss möglich sein, ohne diese Partystimmung, wie sie auf dem Alexanderplatz war.
Olaf Sundermeyer

Da war Karneval der Kulturen, da war 1. Mai, das mischte sich alles. Eine junge Generation, die von Rassismus betroffen ist, aber auch den großen Wunsch hat, in diesem Sommer gemeinschaftliche Ereignisse auf der Straße zu erleben. Das geht nur, wenn es klare Absprachen mit dem Veranstalter gibt. Und ich stelle infrage, dass es diese auf dem Alexanderplatz gab.

ZDFheute: Warum bringt das Thema Rassismus so viele Menschen auf die Straße? Nach den NSU-Morden gab es nicht so große Demonstrationen.

Teilnehmer einer Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt

Risiko von Corona-Infektionen -
Wie gefährlich sind die Proteste?
 

Tausende protestierten am Samstag gegen Rassismus und Polizeigewalt - oft ohne Masken und ausreichend Abstand zueinander. Experten warnen vor steigenden Infektionszahlen.

von Oliver Klein

Sundermeyer: Auch nach dem Anschlag von Hanau nicht, der klar rassistisch motiviert war. Es kommt jetzt einiges zusammen. Wir haben ganz starke Bilder vom Tod von George Floyd. Wir haben einen amerikanischen Präsidenten, der mit seinem aggressiven Populismus und seiner Fremdenfeindlichkeit triggert. Wir haben kulturelle Impulse, von der Musikszene, von Sportlern, die den Kniefall zeigen.

Und wir haben eine sehr große Betroffenheit einer jungen, multikulturellen Generation. Die haben kein Verständnis für die Abwertung von Gruppen, ob das jetzt people of color oder Migranten sind. Sie gehen auf die Straße, nicht um gegen Polizeigewalt in den USA, sondern gegen Rassismus zu demonstrieren. Und das Problem haben wir auch ganz massiv in Deutschland.

Hunderttausende Demonstranten zeigen sich entschlossen, sich friedlich für eine Veränderung in den USA einzusetzen: Gegen US-Präsident Trump und gegen das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte. Gewaltsame Auseinandersetzungen bleiben die Ausnahme.

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ZDFheute: Stehen wir am Anfang einer Demonstrationswelle gegen Rassismus?

Sundermeyer: Es gibt seit langem harte interne Auseinandersetzungen über Rassismus in der Polizei. Nordrhein-Westfalen etwa hat Rassismusbeauftragte in den Kreispolizeibehörden benannt. Auch die Bundeswehr und die Justiz führen intern diese Auseinandersetzungen. Dieser Prozess wird durch die aktuellen Proteste beschleunigt werden. Ob die Demonstrationen anhalten werden, muss man abwarten. Aber die Diskussion um Rassismus wird uns weiter begleiten.

ZDFheute: Und die Hygienedemos nicht mehr?

Sundermeyer: Die sind längst Geschichte. Der Zweifel an den Corona-Maßnahmen wird bleiben, aber eine Riesenwelle an Demos wird es auf dieser Seite nicht geben.

Das Interview führte Kristina Hofmann.

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