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Rassismus - ein Problem auch in Europa

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Ungleichbehandlung von Schwarzen - Rassismus - ein Problem auch in Europa

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Nicht nur in den USA, auch in Europa protestieren Menschen gegen die Ungleichbehandlung von Schwarzen. Wie groß ist das Problem vor der europäischen und der eigenen Haustür?

Protestkundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt in Barcelona
Wie hier in Barcelona gingen am Wochenende in ganz Europa Menschen für mehr Gleichberechtigung von Schwarzen auf die Straße.
Quelle: dpa

In vielen europäischen Städten haben in den vergangenen Tagen Tausende Menschen gegen Polizeigewalt und Rassismus protestiert. In ihren Gesichtern sind Trauer und Frust zu sehen, auf ihren Plakaten stehen Sätze wie "Stop killing us" und "Black lives matter".

Doch ihr Protest richtet sich nicht mehr allein gegen das Unrecht, das George Floyd in den USA widerfahren ist. Sein Tod ist zum Symbol für strukturellen Rassismus weltweit geworden. Und so machen die wütenden Gesichter der Demonstranten von Barcelona bis Berlin deutlich: Auch in Europa erfahren viele Schwarze Menschen Diskriminierung und Rassismus im Alltag.

Rassismus als alltägliche Realität

Grafik: In Europa erfahren vor allem junge Schwarze Rassismus
Grafik: In Europa erfahren vor allem junge Schwarze Rassismus
Quelle: ZDF

"Rassendiskriminierung und rassistisch motivierte Belästigung sind für Menschen afrikanischer Abstammung in der EU an der Tagesordnung", stellt die aktuellste Erhebung der europäischen Agentur für Grundrechte (FRA) aus dem Jahr 2018 fest. Sie wertet die Antworten von fast 6.000 Schwarzen Menschen aus 12 EU-Ländern aus.

  • Fast jeder dritte Befragte hat demnach in den fünf Jahren vor der Umfrage rassistische Belästigungen erfahren. 
  • Etwa ein Viertel fühlten sich in den davorliegenden zwölf Monaten diskriminiert - zum Beispiel bei der Wohnungs- oder Jobsuche.

Während sich die Befragten aus Deutschland noch öfter (48 Prozent) rassistischer Belästigung ausgesetzt sehen als im übrigen Europa (30 Prozent), finden sich bei dieser Frage in Malta und Großbritannien die niedrigsten Werte (20 Prozent).

Grafik: Rassistisch motivierte Belästigung
Grafik: Rassistisch motivierte Belästigung
Quelle: ZDF

"Das bedeutet nicht, dass diese Länder kein Rassismus-Problem haben", sagt Sami Nevala, der für die Auswertung der FRA-Umfrage zuständig war. Die Auswirkungen von Rassismus seien nicht nur für das Opfer groß, "sie beeinflussen auch sein Umfeld, das sich als Folge in Acht nimmt und nicht willkommen fühlt."

Die Unterschiede zwischen den Ländern ließen sich auch auf den Umgang der jeweiligen Behörden mit Rassismus zurückführen, sagt Karen Taylor vom Europäischen Netzwerk gegen Rassismus. In Großbritannien gibt es beispielsweise den sogenannten "Macpherson Report", der 1999 institutionellen Rassismus in der Londoner Polizei zum ersten Mal offiziell benannt hat und seit dem zu großen Veränderungen geführt habe, so die Expertin.

Mit Blick auf den EU-Bericht stellt Taylor fest: "Das Bild, das die FRA hat, ist sehr lückenhaft und kann nur eine Ahnung davon geben, wie tief struktureller Rassismus in Europa verankert ist." So ist nicht mal bekannt, wie viele Schwarze Menschen in der EU leben, weil die meisten Mitgliedsländer die dort geborenen Menschen nicht nach entsprechenden Zuschreibungen erfassen.

Zu wenig politische Aufmerksamkeit für Schwarze Menschen

Dabei wäre eine flächendeckende, repräsentative Erhebung über die Lebenswirklichkeiten von Schwarzen Menschen in Europa wichtig, um zu Politik und Gesellschaft durchdringen zu können, sagt Taylor. "Viel zu oft werden Erfahrungen über rassistische Gewalt als Einzelfälle abgetan und nicht als Teil einer Struktur." 

In Deutschland startet deshalb nun die bundesweite Umfrage "Afrozensus", eine erste systematische Erfassung, die Auskunft über die Lebenswirklichkeit und den Alltagsrassismus von Schwarzen Menschen geben soll.

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Und auch in der EU scheinen die Proteste bereits etwas Bewegung gebracht zu haben. Vergangenen Freitag bekam Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Post von 118 EU-Abgeordneten.

Sie fordern die EU-Mitgliedsstaaten auf, einen Anti-Rassismus-Gipfel zur Bekämpfung struktureller Diskriminierung in Europa einzuberufen und ein Antidiskriminierungsgesetz voranzubringen. Das wird seit zwölf Jahren im Rat blockiert.

Der Autorin auf Twitter folgen @JohannaSagt

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