ZDFheute

Samstag ist Koks-Tag

Sie sind hier:

Rauschgiftkriminalität gestiegen - Samstag ist Koks-Tag

Datum:

Jahr für Jahr steigt die Drogenkriminalität, besonders wenn es um Kokain geht. Eine Yuppie-Droge ist Kokain schon lange nicht mehr. Dafür genügt ein Blick ins Wasser.

"Kokain-Kick: Lieblingsdroge der Leistungsgesellschaft": Mehrere Kokain-Portionen werden auf dem Display eines Handys mit einer Karte aufgeteilt.
Das "weiße Gold": Ein Gramm Kokain kostet je nach Reinheit zwischen 70 und 110 Euro.
Quelle: ZDF/NZZ Format

Mitten in Berlins Mitte, unweit der Zionskirche, verkauft ein Mann aus dem Fenster seines Smart gegen 19 Uhr Drogen. Zivilfahnder der Polizei beobachten das. Sie finden beim 25-jährigen Verkäufer "mehrere Verkaufseinheiten" Kokain und Marihuana, wie es im Polizeibericht heißt. In seiner Wohnung hat er weitere gelagert.

Berlins Mitte an einem gewöhnlichen Wochentag im September 2020. Dass der Kokain-Konsum steigt, ist nicht nur in Statistiken zu sehen.

28.000 Lines Koks am Tag

Im Abwasser lässt sich nachweisen, wie hoch der Drogen-Konsum ist. 70 Städte untersuchen Wissenschaftler in einer europäischen Studie regelmäßig. Sie können nachweisen: Gekokst wird von Jahr zu Jahr mehr und vor allem am Wochenende. Zwischen Samstag und Sonntag steigt etwa regelmäßig die Konzentration von Stoffen, die nach Drogen ausgeschieden werden, im Abwasser an.

2018 fanden die Wissenschaftler in Berlin 417,43 Milligramm Kokain pro 1.000 Einwohner. Also gingen etwa 28.000 Lines durch diverse Nasen.

Das Geschäft mit den Drogen

Beitragslänge:
11 min
Datum:

Kokain, sagt Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, ist mittlerweile in der Gesellschaft weit verbreitet. "Kokain ist keine Elitedroge mehr", sagt er. Und mit der Verbreitung steigt die Kriminalität.

Mehr Delikte bei Kokain, weniger bei Crystal Meth

Um mehr als zwölf Prozent und mit Abstand am höchsten sind im vergangenen Jahr die Delikte rund um Kokain gestiegen. So steht es im neuen Lagebericht zur Rauschgiftkriminalität. Münch sagt:

Die Verfügbarkeit wie auch die Nachfrage nach Rauschgiftmitteln ist unverändert hoch.
Holger Münch

Insgesamt sind die Straftaten zum neunten Mal in Folge gestiegen, bei Crystal Meth als einzige um 3,3 Prozent gesunken.

Grafisch dargestellt: Zahl der Rauschgiftdelikte in Deutschland im Jahr 2019: 359.747 (+2,6% im Vergleich zu 2018); Zahl der Drogentoten in Deutschland im Jahr 2019: 1.398 (+9,6%); so genannte "Handelsdelikte": 53.375 (+/- 0%)

Meistens kommen die Drogen aus dem Ausland, oft über die Seehäfen Hamburg, Bremen, auch Rotterdam und Antwerpen. Zunehmend werden synthetische Drogen aber auch in Deutschland produziert: 31 illegale Labore hat die Polizei voriges Jahr entdeckt. 2018 waren es nur 19. Das Kontrollniveau, sagt Münch, sei in beiden Jahren aber gleich gewesen.

Ihr größter Coup: Im Hamburger Hafen steckten in einem Container neben den offiziell deklarierten Sojabohnen aus Uruguay auch noch 4,5 Tonnen Kokain - schon handelsfertig in 4.200 Päckchen in 211 Sporttaschen. Eine Milliarde Euro hätte der Verkauf gebracht.

"Lieferkette" funktionieren trotz Corona

"Drogenhandel ist ein einträgliches Geschäft, nach wie vor", sagt Daniel Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Der Straßenverkauf, wie aus dem Autofenster in Berlins Mitte, verlagert sich allerdings mittlerweile zunehmen ins Internet, auch ins Darknet. Verschickt werden den Drogen dann häufig in kleinen Mengen per Post oder Versandhändler. Auch während der Corona-Pandemie, sagt BKA-Chef Münch, haben diese "Lieferketten" funktioniert. Knapp wurden die Drogen nie.

Dunkle Silhouetten vor dem Instagram-Logo.

Funk-Investigativteam "STRG_F" -
Drogenumschlagplatz Instagram
 

Auf Instagram werden illegale Drogen und verschreibungspflichtige Medikamente gehandelt. Ein Reporterteam hat unter anderem Ketamin, Ecstasy und Morphin zugeschickt bekommen.

Nur der Schmuggel per Flugzeug habe etwas abgenommen. Im ersten Halbjahr 2020 seien insgesamt die Fallzahlen in der Drogen-Kriminalstatistik nicht angestiegen. Wie in anderen Branchen boomte aber auch dort der Onlinehandel: 30 Prozent mehr Bestellungen bei sinkenden Preisen bei 16 Onlinemarktplätzen, so Münch.

Cannabis: "Wir sind im Gespräch"

Dem Trend zum steigenden Drogenkonsum zuschauen, will die Drogenbeauftragte nicht. Ludwig fordert:

Wir müssen bei der Prävention eine Schippe drauflegen
Daniela Ludwig

Vor allem bei der Kokain-Prävention. Mit Wir meint sie auch die Bundesregierung selbst. Und das heißt: mehr Geld für die Prävention.

Von einer Liberalisierung des Cannabis-Konsums hält sie genau so wenig wie Münch. "Aber wir sind im Gespräch", sagt Münch. "Es gibt kein Dogma, über Dinge nicht zu reden." Allerdings glaube er nicht, dass die völlige Straffreiheit bei Cannabis den Drogen-Konsum senkt. Selbst wenn solche Delikte von den Gerichten kaum noch bestraft würden. "Strukturen werden die Liberalisierung von Teilen der Betäubungsmittel nicht trocken legen, das glaube ich nicht."

Der Kampf gegen die Drogen sei verloren – das hört man immer häufiger von Politikern, Ärzten, sogar von der Polizei. Trotzdem bleibt die "Kriegserklärung" gegen Koks, Speed und Co. bestehen.

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.