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Rechtsextremismus: Kommandeur warnt KSK

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Spezialkräfte der Bundeswehr - Rechtsextremismus: Kommandeur warnt KSK

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Brigadegeneral Markus Kreitmayr, Kommandeur des KSK, warnt in einem Schreiben an die Truppe vor Rechtsextremismus. Zuvor war bei einem KSK-Soldaten ein Waffenlager entdeckt worden.

Spezialisierte Kräfte Heer nach einer Vorführung am Tag der Bundeswehr 2019 in Pfullendorf.
Die Spezialeinheit der Bundeswehr (KSK): Seit 2017 gibt es rechtsextreme Verdachtsfälle in der Truppe.
Quelle: Imago

Brigadegeneral Markus Kreitmayr spricht in seinem Appell an die Soldatinnen und Soldaten des KSK von einer "alarmierenden Qualität" des Falles von Oberstabsfeldwebel Philipp S. In dessen Garten wurden Mitte Mai bei einer Durchsuchung ein Waffenversteck und nationalsozialistische Devotionalien entdeckt. Der Kommandeur wendet sich direkt an Rechtsextremisten in der Bundeswehr und fordert sie auf, "aus eigenem Antrieb" die Truppe zu verlassen:

Tun Sie es nicht, werden Sie feststellen, dass wir Sie finden und entfernen werden!
Brigadegeneral Markus Kreitmayr

Waffenlager auf Grundstück von Philipp S.

Nach einem vertraulichen Bericht des Bundesverteidigungsministeriums, der Frontal 21 vorliegt, habe der KSK-Soldat S. ein Kalaschnikow-Sturmgewehr, zwei Kilogramm Nitropenta-Sprengstoff, zehn Shocktube-Sprengzünder sowie weitere Waffen, Munition und Zubehör in einem Erdversteck gehortet.

Der 47-jährige Philipp S., der seit 2001 beim KSK diente, war bereits 2017 ins Visier des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) geraten, weil er auf einer Abschiedsparty eines KSK-Kommandeurs den Hitlergruß gezeigt haben soll. Hinweise auf eine rechtsextremistische Einstellung des Soldaten lägen seit Jahresanfang 2020 vor, heißt es in dem Papier.

Doch S. wurde erst nach dem Waffenfund im Mai 2019 aus der Truppe entfernt und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Aus den Ermittlungen ergebe sich, dass einige der im Erddepot entdeckten Patronen und Sprengstoffpakete "aus Beständen der Bundeswehr" stammen, so der Bericht des Verteidigungsministeriums. Das Ministerium hat nun eine Überprüfung der Bestandsnachweise von Waffen und Munition bei der Bundeswehr veranlasst.

MAD überprüft KSK: Mehrere Soldaten vor Entlassung

Neben Philipp S. gäbe es rund 20 Verdachtspersonen im KSK, die vom Nachrichtendienst MAD überprüft würden, so der Bericht des Ministeriums. Vier Soldaten seien mittlerweile wegen rechtsextremer Gesinnung entlassen worden. In fünf Fällen sei die Versetzung aus dem KSK geplant oder erfolgt. In einem Fall stehe eine Anschuldigung vor dem Truppendienstgericht bevor.

Rechtsextreme Soldaten innerhalb des Kommandos Spezialkräfte haben in Chatrooms einen Sturz des Staates geplant.

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"Es ist kein Zufall, dass im KSK signifikant überproportional rechtsextreme Vorfälle zu Tage treten", sagte Alexander Neu, Mitglied im Verteidigungsausschuss für die Linke, gegenüber dem ZDF.

Die politischen Entscheider sowie die militärische Führung haben in Kauf genommen, dass sich mit hoher Wahrscheinlichkeit rechte Netzwerke gebildet haben
Alexander Neu (Linke), Mitglied im Verteidigungsausschuss

KSK: Bereits 2017 Hinweise auf rechte Gesinnung

Die rechtsextreme Gesinnung von KSK-Soldaten war im Sommer 2017 bekannt geworden. Bei der Verabschiedung des KSK-Kommandeurs Pascal D. auf der Standortschießanlage Bernet soll Musik der Rechtsrockband "Sturmwehr" gespielt worden sein. Soldaten hätten mitgesungen und den Hitlergruß gezeigt, auch Philipp S. Das hatte eine bei der Feier anwesende Zeugin berichtet. Nach Informationen von Frontal 21 hat der Militärische Abschirmdienst (MAD) dem Verteidigungsausschuss mitgeteilt, dass die Zeugin ihre Aussage mittlerweile zurückgezogen habe.

Ulrich Stoll arbeitet für das investigative ZDF-Magazin Frontal 21.

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