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Das "kleine gallische Dorf" der Republikaner

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Widerstand gegen Trumpismus - Das "kleine gallische Dorf" der Republikaner

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Jubel vs. Widerstand: Während bei einer Konservativen-Tagung Trump-Fans ihren Präsidenten feiern, versammeln sich namhafte Republikaner gegen prinzipienlosen Trumpismus.

US-Präsident Trump bei CPAC-Tagung in Washington
US-Präsident Trump bei CPAC-Tagung in Washington
Quelle: epa

"Unser Glaube diktiert, dass wir alle gleichwertig sind in den Augen unseres Schöpfers und deshalb auch in unseren Augen untereinander." Diese Worte von Evan McMullin klingen feierlich und düster zugleich, denn er fährt fort: "Wenn wir nicht alle gleich sind, dann wäre keiner von uns frei. Dann wäre unsere Freiheit den Launen von Tyrannen und des Mobs überlassen, die dann entscheiden, wer mehr oder weniger wert ist, wer endlose Privilegien genießt statt angeborener Rechte".

Viele ehemalige Reagan- und Bush-Anhänger sorgen sich um Seele der Partei

Wir sind zu Besuch beim Widerstand in der republikanischen Partei, gewissermaßen dem 'kleinen gallischen Dorf', das sich gegen den überwältigenden Trumpismus wehrt. Einige Dutzend namhafter Republikaner haben sich im Nationalen Presseclub der amerikanischen Hauptstadt versammelt, um dem aus ihrer Sicht prinzipienlosen Trumpismus einen prinzipientreuen Konservatismus entgegenzusetzen.

Evan McMullin ist einer der Organisatoren der Konferenz. Die Teilnehmer, darunter viele ehemalige Unterstützer der Reagan- und der Bush-Regierungen, sorgen sich um Amerika und die Seele ihrer Partei, denn sie halten Donald Trump für eine existentielle Bedrohung.

Wütende Republikaner werben für Demokraten - bis auf Bernie Sanders

Bill Kristol, einer der Vordenker der rechtskonservativen Bewegung in den 90er Jahren, vergleicht die wachsende Demagogie im linken und rechten politischen Spektrum mit dem Europa der 30er und 40er Jahre. Amerika befinde sich an einer Weggabelung zum Autoritarismus: "Eine zweite Amtszeit von Trump ist gefährlich", so Kristol im ZDF-Interview.

In Bezug auf Amerikas Führungsrolle in der Welt und Amerikas Innenpolitik wäre ein Sieg Trumps schlimm, denn es würde den Trumpismus zementieren
Bill Kristol

Evan McMullin pflichtet ihm bei: "Trumpismus ist eine Philosophie, die nur einem Mann dient. Es ist keine wirklich politische Ideologie oder ein Regierungskonzept. Der Trump-Administration geht es nur um Trump: Ihn zu ermächtigen, ihn und seine Familie zu bereichern, wie bei jedem aufstrebenden, autoritären Regime in der Welt. Aber darin spiegeln sich eben nicht unsere Werte."

McMullin, Kristol und andere republikanische Gleichgesinnte sind so wütend auf ihre Partei, dass sie offen für die Wahl eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten werben, solange dieser nicht Bernie Sanders heißt. Nur durch die Abwahl Trumps, so ihre Überzeugung, könnten die Republikaner wieder zu einem prinzipiengeleiteten Konservatismus zurückfinden.

CPAC-Tagung: Von Breitbart bis Epoch Times

"Welchen Rattenschwanz interessiert schon, was Bill Kristol und die anderen Witzfiguren denken", poltert John Fredericks, als wir ihn bei CPAC-Tagung nach dem republikanischen Widerstand gegen Donald Trump fragen. Fredericks ist ein Radiomoderator, der mit seiner Talkshow durchs Land reist und deshalb, wie er sagt, bestens wisse, was das amerikanische Volk wirklich wolle. Die Mainstream-Medien verbreiteten ja eh nur Lügen.

Elmar Theveßen beim Interview mit John Fredericks
John Fredericks (rechts) im Gespräch mit Elmar Theveßen
Quelle: ZDF

Wir sind bei der Conservative Political Action Conference (CPAC), der Tagung von konservativen Organisationen, Verbänden und Vereinen, die alljährlich rund 20.000 Menschen nach Washington bringt. Jeder Teilnehmer zahlt eine Gebühr zwischen 300 und 6.000 Dollar, je nachdem, wie nah er bei der dreitägigen Konferenz an seine politischen Vorbilder, darunter Kongressabgeordnete und Regierungsmitglieder herankommen will.

Auf den Fluren haben die rechten Talkradios und Internetplattformen von Breitbart bis zur Epoch Times ihre Stände aufgebaut. "Trucking the Truth" – die Wahrheit anliefern, so nennt John Fredericks seine Show, mit der er möglichst viele Menschen für Donald Trump begeistern will, auch wenn es einigen in der Partei nicht passt: "Wen kümmert das schon. Die stehen für 1-2 Prozent. Es gibt keine Spaltung. Die sind lächerlich. Die lagen von Beginn an falsch bei Trump, diese verwöhnten Heulbabies." Die Republikaner seien jetzt "die Partei Trumps und seiner Politik des 'America first'".

Fast ausschließlich Fans von Donald Trump - Amerika gegen Sozialismus

Ein paar Meter weiter begegnet uns Sean Spicer, der ehemalige Sprecher des Weißen Hauses. Auch er hält die "prinzipientreuen Konservativen" für "Schaut Euch hier um, alles ausverkauft", so Spicer, "die Veranstaltung wird größer und größer. Soviel Energie im Raum und Vielfalt. Da müssen wir uns über die keine Sorgen machen.

Nein, die haben uns auch beim letzten Mal nicht unterstützt und wir werden wieder ohne sie erfolgreich sein.
Sean Spicer
Gäste kommen zur CPAC-Tagung in Washington, 27.02.2020
CPAC: Tagung konservativer Organisationen, Verbände und Vereine

An jeder Ecke erinnern Plakate und Schilder an den vermeintlich guten Zweck dieser Zusammenkunft: "America vs. Socialism" steht da, dem Kampfruf für das Wahljahr 2020, in dem angeblich die Zukunft des Landes auf dem Spiel steht, wenn die Demokraten mit linken Kandidaten wie Bernie Sanders ihren geliebten Präsidenten aus dem Amt werfen könnten.

Tatsächlich tummeln sich auf den Fluren des Hotels fast ausschließlich die Fans von Donald Trump, der vier Jahre zuvor bei einem CPAC-Auftritt hier noch ausgebuht wurde.

Jetzt jubeln sie ihm zu, es hat fast etwas von Anbetung, als er an diesem Samstag vor der Menge spricht und dabei seine politischen Gegner wieder einmal wüst beschimpft. Senator Mitt Romney, der einzige Republikaner, der im Kongress für eine Amtsenthebung Trumps gestimmt hatte, bezeichnet er als "Abschaum". Seine Fans lieben ihn dafür.

Für Trump Mitbauen an der Mauer zu Mexiko

"Präsident Trump ist ein echter Mann, er hat großartige Arbeit geleistet", so sagt uns Mike im Brustton der Überzeugung und fügt hinzu, "er ist ein Mensch und wir machen auch mal Fehler, manchmal sind wir ein wenig rauh, aber ich liebe diesen Kerl." Kein Zweifel, Mike ist ein glühender Anhänger von Donald Trump, und genau deshalb unternimmt er selbst etwas.

Elmar Theveßen trifft Mike beim CPAC
"Trump ist ein echter Mann" - CPAC-Teilnehmer Mike

Mike baut mit an der Mauer zu Mexiko. Mit seinem Bauhelm auf dem Kopf und der grellen Signalweste wirkt er ein wenig deplatziert in diesem Luxushotel vor den Toren Washingtons. Stolz zeigt uns Mike Fotos von den Mauerabschnitten, die er mit seinen Leuten auf Privatgrundstücken in Texas und New Mexiko errichtet hat - alles bezahlt aus Spenden, wie er sagt, 30 Millionen Dollar insgesamt.

Bill Kristol: Demagoge Trump darf nicht nochmal die US-Wahl gewinnen

Für den selbsternannten Widerstand in der republikanischen Partei sind Menschen wie Mike Opfer der Demagogie von Donald Trump: "Es ist schlimm, wenn so ein Demagoge einmal gewinnt, aber beim zweiten Mal ist es dann gefährlich", meint Bill Kristol. Und Evan McMullin verspricht: "Wir setzen unseren Kampf fort, egal, was passiert". Es klingt wie das Pfeifen im Walde, aber sie sind dennoch zuversichtlich, die prinzipientreuen Konservativen in ihrem 'kleinen gallischen Dorf'.

Wann finden in welchem Bundesstaat Vorwahlen statt? Hier finden Sie eine grafische Übersicht über den zeitlichen Verlauf der US-Vorwahlen bis zum Wahltag.

Teaser - Infografik Ablauf US-Wahl

US-Wahlen -
Zeitplan bis zum Wahltag
 

von Corinna Zander
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