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Volle Verantwortung übernommen - Kommandeur: Abschuss wegen Defekt in Kommunikationssystem

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Irans Revolutionsgarden übernehmen die Verantwortung für den "versehentlichen" Abschuss des Passagierflugzeugs. Ihr Kommandeur erklärt sich bereit, die Konsequenzen zu tragen.

Trümmer des Flugzeugs In Shahedshar
Trümmer des Flugzeugs In Shahedshar
Quelle: ap

Ein Defekt im militärischen Kommunikationssystem hat nach Angaben eines Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden zu dem fatalen Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran geführt. "Das Unglück ereignete sich nach einem Kommunikationsdefekt, was jedoch trotzdem keine Rechtfertigung und unverzeihlich ist", sagte der Kommandeur der Luft- und Weltraumabteilung der Revolutionsgarden, Amir Ali Hadschisadeh.

Hadschisadeh berichtete, am Tag des Unglücks seien alle Streitkräfte wegen der Drohungen der USA, 52 Ziele im Iran anzugreifen, in höchster Alarmbereitschaft gewesen, darunter die Militärbasen in Teheran.

Hadschisadeh verteidigt zivile Luftfahrtbehörde

Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks.
Amir Ali Hadschisadeh, Revolutionsgarden

Die ukrainische Maschine wurde nach seinen Worten als potenzielle Gefahr eingestuft, man habe sie fälschlicherweise für einen Marschflugkörper im Anflug auf eine strategisch wichtige Militärbasis in Teheran gehalten. Der zuständige Offizier wollte demnach der Zentrale die Gefahr melden, aber genau zu dem Zeitpunkt habe es einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben. Der Offizier hatte laut Hadschisadeh dann nur wenige Sekunden zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. "Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte", sagte der Kommandeur. "Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks", sagte Hadschisadeh. Als Chef der Abteilung für Luft- und Weltraumabteilung trage er die volle Verantwortung und sei bereit, alle Konsequenzen zu tragen.

Hadschisadeh verteidigte die zivile Luftfahrtbehörde, die tagelang den Abschuss geleugnet hatte. "Sie trifft keine Schuld, weil sie das Ganze aus technischer Sicht gesehen haben und nichts über den Ablauf wussten", sagte der Kommandeur. Seiner Einschätzung nach hätte es aber an dem Tag landesweit ein Flugverbot geben sollen, weil sich das Land in einer Art Kriegssituation befunden habe.

Chamenei drückt "tiefes Beileid" aus

Der Oberste Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Chamenei, hatte zuvor angeordnet, "mögliche Fehler und Schuld bei diesem schrecklichen Ereignis" zu klären. Chamenei hat in allen Belangen im Iran das letzte Wort. Die Revolutionsgarde ist ihm direkt unterstellt.

Chamenei drückte den Familien der 176 Insassen - darunter viele Iraner und iranischstämmige Kanadier - der ukrainischen Passagiermaschine sein "tiefes Beileid" aus. Zuvor hatten die Streitkräfte nach Berichten staatlicher iranischer Medien am Samstag nach tagelangen Dementis zugegeben, dass das Passagierflugzeug von einer iranischen Luftabwehrrakete getroffen worden sei.

Kurz vor dem Abschuss am Mittwoch hatte der Iran von den USA genutzte Stützpunkte im Irak beschossen und dies als Vergeltung für die von US-Präsident Donald Trump angeordnete Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani bezeichnet. Bei diesem Raketenbeschuss wurde niemand verletzt.

Außenminister Dschawad Sarif gibt USA Mitschuld

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verlangte, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Iran sollte zudem die Familien der Opfer entschädigen und offiziell "über diplomatische Kanäle" um Entschuldigung bitten. Der ukrainische Ministerpräsident Oleksyj Hontscharuk erklärte auf Facebook, mit dem iranischen Eingeständnis sei der Fall noch nicht abgeschlossen. "Unsere Experten setzen am Ort der Tragödie ihre Arbeit mit dem Ziel einer detaillierten Untersuchung der Ursache und der endgültigen Klärung der Wahrheit fort", schrieb er.

Ein menschlicher Fehler in einer Zeit der Krise - ausgelöst durch das Abenteurertum der USA - führte zu einer Katastrophe.
Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif

Das iranische Militär entschuldigte sich in seiner Stellungnahme für den Abschuss und kündigte eine Verbesserung seiner Systeme an, um solche "Fehler" in Zukunft zu verhindern.

"Ein trauriger Tag", schrieb Außenminister Mohammed Dschawad Sarif auf Twitter. "Ein menschlicher Fehler in einer Zeit der Krise - ausgelöst durch das Abenteurertum der USA - führte zu einer Katastrophe. Unser tiefes Bedauern, Entschuldigungen und Beileid an unser Volk, an die Familien aller Opfer und an andere betroffene Nationen."

Verantwortung bis zuletzt abgestritten

Nach der gezielten Tötung von General Soleimani waren Hunderttausende bei Trauerprozessionen für den Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden auf die Straße gegangen und hatten der iranischen Führung im Konflikt mit den USA den Rücken gestärkt.

Sofort nach dem Absturz am Mittwoch wurden Vermutungen laut, dass das Flugzeug abgeschossen worden sein könnte. Die USA und Kanada bestätigten das schließlich unter Berufung auf Erkenntnisse ihrer Geheimdienste. Auch Videoaufnahmen von dem Unglück legten einen Abschuss nahe. Doch der Iran stritt eine Verantwortung ab - bis Samstag.

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