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Ringer Afkari im Iran hingerichtet

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Trotz weltweitem Protest - Ringer Afkari im Iran hingerichtet

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Der 27-jährige Navid Afkari hat einen Mord gestanden, doch könnte das Geständnis unter Folter erzwungen worden sein. Nun ist der iranische Ringer hingerichtet worden.

Der bekannte iranische Ringer Navid Afkari wurde angeklagt, verurteilt und hingerichtet, weil er einen Sicherheitsbeamten getötet haben soll. Bis zuletzt hatten Sportverbände und Ringerkollegen auf der ganzen Welt gefordert, dass er verschont werde.

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Der iranische Ringer Navid Afkari ist trotz einer internationalen Solidaritäts-Kampagne in seiner Heimat hingerichtet worden. Die Todesstrafe gegen den 27-Jährigen sei am Samstag in einem Gefängnis in Schiras vollstreckt worden, sagte Staatsanwalt Kazem Mousavi dem staatlichen Fernsehen. Die Hinrichtung fand nach Behördenangaben in Anwesenheit der Opferfamilie statt.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, zeigte sich "zutiefst bestürzt". Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte mit, es sei "geschockt" über die "sehr traurige Nachricht". 

IOC-Chef Bach schrieb Gnadengesuch

IOC-Präsident Thomas Bach habe zuvor per Brief Gnadengesuche an die politische Führung des Iran gerichtet, auch wenn er die Souveränität des Landes respektiere. Es sei "zutiefst verstörend", dass alle Proteste von Sportlern und die Bemühungen internationaler Verbände nicht zum Ziel geführt hätten. "Wir sind am Boden zerstört", hieß es in einer Mitteilung der IOC-Athletenkommission.

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Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagierte "schockiert und sehr betroffen" auf die Nachricht. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Strafe vollzogen wurde, ohne dem Angeklagten einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte zu gewähren", sagte Präsident Alfons Hörmann. Wie IOC und DOSB hatte auch der Verein Athleten Deutschland die iranische Justiz aufgefordert, die Hinrichtung auszusetzen.

Weltweit hatte die angekündigte Hinrichtung für Entrüstung gesorgt, in der Kampagne "Rettet Navid Afkari" wurde diese kanalisiert. Selbst US-Präsident Donald Trump forderte den Iran in einem Tweet dazu auf, die Hinrichtung nicht zu vollziehen.

Geständnis offenbar unter Folter

Afkari soll im Rahmen einer Demonstration 2018 in Schiras gegen die wirtschaftliche und politische Lage im Land einen Sicherheitsbeamten getötet und die Tat auch gestanden haben. Das Geständnis soll jedoch unter Folter erzwungen worden sein, erklärten Menschenrechtsorganisationen zuletzt.

Das iranische Fernsehen hatte in der vergangenen Woche ein Geständnis von Afkari ausgestrahlt. Es ähnelte Hunderten anderen erzwungenen Geständnissen, die im vergangenen Jahrzehnt in der Islamischen Republik gesendet wurden.

Afkaris Brüder Vahid und Habib waren zu 54 und 27 Jahren Gefängnis und je 74 Peitschenhieben verurteilt worden.

Afkari-Anwalt kritisiert plötzlichen Vollzug

Kritik aus dem Ausland hatte die iranische Justiz zurückgewiesen. Das Urteil gegen Navid Afkari im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern "Ghissas", hatte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili gesagt. "Ghissas" ist im islamischen Recht das Prinzip der Vergeltung, Blutrache oder Auge um Auge, worüber die Familie der Opfer entscheiden können.

Die Strafe sei nun "auf Beharren der Familie des Opfers" vollstreckt worden, sagte Staatsanwalt Mousavi. Laut Afkaris Anwalt Hassan Younessi war für Sonntag eigentlich ein Treffen zwischen den Angehörigen des Opfers und Menschen aus Schiras geplant, die Spenden für die Familie des getöteten Beamten gesammelt worden. Mit diesem Blutgeld sollte die Familie dazu gebracht werden, von der Todesstrafe abzusehen.

Zudem habe auch ein Verurteilter laut Gesetzt das Recht, vor der Hinrichtung seine Familie zu sehen, kritisierte Afkaris Anwalt:

Wart ihr so sehr in Eile, dass ihr Navid seinen letzten Besuch verwehren musstet?
Anwalt Hassan Younessi

In den sozialen Netzwerken verurteilten tausende Iraner die Hinrichtung. Viele Nutzer forderten die Außenminister Deutschlands, Großbritanniens und Italiens auf, ihre für nächste Woche geplanten Treffen mit dem iranischen Chefdiplomaten Mohamed Dschawad Sarif abzusagen und ihn gar nicht in ihre Länder zu lassen. Mariam Radschawi, Vertreterin der Exil-Iranerin, forderte die internationale Gemeinschaft zu "konkreten Maßnahmen" gegen den Iran auf.

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