Rückeroberungen: Ukraine muss priorisieren

    Begrenzte Ressourcen:Rückeroberungen: Ukraine muss priorisieren

    von Christian Mölling, András Rácz
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    Der Kampfeswille der Ukrainer ist ungebrochen. Wegen begrenzter Ressourcen muss die Regierung in Kiew aber Prioritäten setzen. Sie kann weiter auf westliche Militärhilfe zählen.

    Ukrainischer Soldat mit einer Waffe in der Region Donezk
    Die ukrainische Regierung will alle besetzten Gebiete befreien, doch die Ressourcen sind begrenzt.

    Aus Sicht der Ukraine steht das Jahr 2023 im Zeichen der Rückeroberung der besetzten Gebiete. Die ukrainische Führung zeigt sich kompromisslos und drängt auf die Befreiung aller besetzten Gebiete, einschließlich der Krim.

    Die Ressourcen der Ukraine setzen Grenzen

    Tatsächlich wird die Ukraine jedoch Prioritäten setzen müssen, um ihre begrenzten Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen. Am einfachsten zu befreien sind die Gebiete, die seit Februar 2022 besetzt sind.
    Der Donbass, der seit 2014 besetzt ist, wäre bereits eine deutlich größere Herausforderung, während die Befreiung der Krim, die de facto in die Russische Föderation integriert und seit 2014 stark militarisiert ist, kaum realistisch erscheint.

    Offensiven in den nächsten Wochen

    Nichtsdestotrotz dürfte die Ukraine zu Beginn des Jahres die strategische Initiative ergreifen und diese nutzen, um im Januar und Februar, wenn der Boden gefroren ist, weitere Gegenangriffe gegen die russischen Besatzer zu starten. Die wahrscheinlichsten Frontlinien dafür sind die Region Saporischschja und der nördliche Teil der Region Luhansk.



    Im Donbass werden die ukrainischen Verteidiger wahrscheinlich in ihren defensiven Positionen bleiben und sich auf die schweren Befestigungen in der Region stützen, um die russische Armee am Vorankommen zu hindern und so langsam ausbluten zu lassen.
    Die weitere Perspektive hängt davon ab, ob und wann Russland in der Lage sein wird, eine neue Offensive zu starten, einschließlich der Frage, ob Moskau eine weitere Mobilisierungswelle anordnen wird.

    Kampfeswille und Glaube an Sieg in der Ukraine stark

    Nichtsdestotrotz sind der Kampfeswille und der Glaube an den Sieg in der ukrainischen Gesellschaft nach wie vor äußerst stark.
    Je nach Umfrageinstitut schwankt die Unterstützung für die Fortsetzung des Kampfes zwischen etwa 80 und 97 Prozent, was nach fast einem Jahr schwerer Kämpfe ein sehr hoher Wert ist.

    Westen wird Hilfe verstärken

    Die politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe des Westens wird wahrscheinlich anhalten; in bestimmten Bereichen wird sie sogar noch verstärkt werden. Mittlerweile wurde eine wichtige Schwelle überschritten: Frankreich hat die Lieferung von "leichten Kampfpanzern" des Typs AMX-10 RC an die Ukraine zugesagt. Dies werden die ersten leichten Panzer westlicher Produktion sein, die an die Ukraine geliefert werden.
    Zusammen mit den insgesamt 90 modernisierten T-72-Panzern, die Marokko im Rahmen eines von den USA unterstützten Abkommens angeboten hat, ist die Ukraine auf dem besten Weg, von ihren westlichen Unterstützern schwer bewaffnete Fahrzeuge zu erhalten, die die Fähigkeit Kiews zur Befreiung weiterer Gebiete verbessern werden.
    In der Zwischenzeit bleibt abzuwarten, wie der Westen in der Lage sein wird, den immer größer werdenden Mangel an 155-Millimeter-Artilleriemunition, die an die Ukraine geliefert werden soll, zu beheben. Zwar werden die Produktionskapazitäten bereits erhöht, doch wird es mehrere Monate dauern, bis die Ergebnisse an der Front sichtbar werden.
    Aber auch Russland leidet zunehmend unter den Engpässen bei Artilleriemunition. Die russische Überlegenheit in diesem Bereich wird zwar bestehen bleiben, könnte aber mit der Zeit abnehmen.

    Ukraine verfügt über Artillerie mit großer Reichweite

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ukraine weiterhin Präzisionsschläge sowohl in Russland als auch in den besetzten Gebieten durchführen wird. Die nachrichtendienstlichen Fähigkeiten der Ukraine haben sich stark verbessert. Außerdem verfügt Kiew mit Hilfe der vom Westen gelieferten Artillerie mit großer Reichweite und der unbemannten Fahrzeuge aus ukrainischer Produktion zunehmend über die erforderlichen Waffen.
    Der Artillerieangriff auf ein Hotel in Donezk Ende Dezember, bei dem die Ukraine den ehemaligen stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten und jetzigen Milizenführer Dmitri Rogosin schwer verletzte, sowie der Beschuss von Makijiwka in der Silvesternacht, bei dem nach ukrainischen Angaben Hunderte russische Soldaten gestorben sein sollen, sind die jüngsten Belege für die Präzisionsschlagkraft der Ukraine.
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