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Falschmeldungen im Ukraine-Krieg : Wie mit Russlands Behauptungen umgehen?

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Immer wieder verbreitet Russland Desinformation zum Ukraine-Krieg. Trotzdem werden Verlautbarungen Moskaus medial aufgegriffen. So geht ZDFheute mit ungesicherten Informationen um.

Maj. Gen. Igor Kanashenkov
Der russische Militärsprecher Igor Konaschenkow verkündet jeden Tag in den sozialen Medien Moskaus Sicht auf den Krieg.
Quelle: Russisches Verteidigungsministerium/Twitter

Der Untergang des russischen Kreuzers Moskwa: schlechtes Wetter. Explosionen auf einer Krim-Militärbasis: Verletzung der Brandschutzregeln. Die Massaker von Butscha: von der Ukraine inszeniert. Immer wieder legen russische Regierungsstellen nach für sie peinlichen oder weltweit Empörung auslösenden Ereignissen Erklärungen vor, die sich nachträglich nicht nur als falsch, sondern als offensichtlich frei erfunden herausstellen.

Die erste Regel des Krieges: Glaube nichts, was Russland sagt, solange keine Bilder vorliegen.
Carlo Masala, Universität der Bundeswehr München, auf Twitter

Dennoch vermelden viele Medien, auch ZDFheute, weiterhin unbestätigte Verlautbarungen der russischen Regierung. Reicht da eine kritische Einordnung aus? Wie sollte man mit Meldungen der Kriegsparteien umgehen?

Die Ursache für die Explosionen auf der Krim ist offiziell nicht geklärt. Und für den Beschuss des AKWs Saporischschja geben sich Russland und die Ukraine gegenseitig die Schuld.

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Wie sollte man über unbestätigte russische Angaben berichten?

Pro-ukrainische Aktivisten fordern immer wieder den radikalen Schritt, unbestätigte Angaben Moskaus vollständig zu ignorieren - sie seien in jedem Fall Propaganda. Wäre das presseethisch vertretbar? "Auf keinen Fall!", sagt dazu Marlis Prinzing, Journalismus-Professorin an der Hochschule Macromedia in Köln.

Die russische Regierung und die staatlichen Stellen sind zentrale Akteure. Es gehört zu einem verantwortungsbewussten Berichten und zu dem ethisch gebotenen Prinzip, alle relevanten Seiten bzw. deren Darstellungen zur Geltung kommen zu lassen. Allerdings: eingeordnet und überprüft.
Marlis Prinzing, Hochschule Macromedia Köln

Dass die deutsche Öffentlichkeit gut in der Lage ist, Meldungen von Konfliktparteien selbstständig kritisch einzuordnen, glaubt Prinzing in dieser Pauschalität nicht. Teils erfordere es Profis und viel Fachwissen, um herauszufinden, ob Material richtig ist oder Desinformation. "Und manchmal können auch Profis keinen eindeutigen Befund herausfinden", so Prinzing zu ZDFheute.

Verbreitet nicht auch die Ukraine Falschinformationen?

Auch Angaben der Ukraine sind teils schwer überprüfbar. Die Motivation hinter unvollständigen oder fehlerhaften Aussagen ist aber oft eine andere als bei Russland. Teils werden Informationen zurückgehalten, um den Gegner im Unklaren zu lassen, teils kommunizieren Berater oder lokale Beamte auf Basis unvollständiger Informationen.

Wie wirkt Russlands Propaganda?

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Manche mehr oder weniger offensichtlich erfundene Geschichte verbreiten ukrainische Stellen in den sozialen Medien, um sich über Russland lustig zu machen. Gleichzeitig können internationale Journalisten in der Ukraine relativ frei recherchieren, haben Zugang zu den meisten Gebieten. Mit Einschränkungen kann so etwa auch Vorwürfen von Menschenrechtsorganisationen zu angeblichen ukrainischen Vergehen nachgegangen werden.

Vereinzelt mussten ukrainische Offizielle auch Konsequenzen für das Verbreiten zweifelhafter Informationen tragen. Lyudmyla Denisowa, die frühere Beauftragte des ukrainischen Parlaments für Menschenrechte, wurde Ende Mai entlassen, nachdem ihr vorgeworfen wurde, unbelegte oder übertriebene Berichte über Vergewaltigungen durch russische Soldaten verbreitet zu haben.

Machen deutsche Medien bislang gute Arbeit?

Den bisherigen Umgang deutscher Medien mit russischen und ukrainischen Regierungsangaben bewertet Expertin Prinzing als "ambivalent". "Es gibt sehr gute, reflektierte Berichterstattung, bei der mit Regierungsangaben beider Seiten sorgfältig und mit der für die Recherche nötigen Distanz umgegangen wird", sagt Prinzing. Sie würde Quellen benennen, Behauptungen mit speziellen Faktencheckteams nachgehen und Zweifel direkt thematisieren.

Das Team von ZDFheuteCheck kümmert sich um Faktenchecks, insbesondere bei Breaking News. Ein Blick hinter die Kulissen mit Faktenchecker Oliver Klein.

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"Einige Medien allerdings neigen zu einem über die zweifellos mit einem angegriffenen Land angebrachte Solidarität deutlich hinausgehenden, fast bedingungslosen Schulterschluss mit den Positionen der Ukraine", so Prinzing.

So weist ZDFheute auf unbestätigte Informationen hin

Bei Breaking News nutzt ZDFheute in fast allen Belangen ein Zweiquellenprinzip: Erst wenn mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen, meist Nachrichtenagenturen, über ein Ereignis berichten, wird es aufgegriffen. Parallel recherchieren Autoren eigene Informationen, die sie unter ihrem Namen veröffentlichen.

Auf die schwierige Überprüfbarkeit russischer und ukrainischer Regierungsangaben weist ZDFheute an mehreren Stellen hin, etwa in Form von Hinweiskästen im Ukraine-Liveblog. Das allein würde nicht immer ausreichen, betont Journalismus-Professorin Prinzing:

Bei den Lottozahlen heißt es jedes Mal, die Angaben seien 'ohne Gewähr'. Doch im Journalismus ist ein solcher genereller Kurzhinweis zu wenig.
Marlis Prinzing, Hochschule Macromedia Köln

Es sei abzuwägen, ob ein Wort wie "mutmaßlich" genüge, oder ob die schwierige Überprüfbarkeit selbst das Thema sei, so Prinzing. ZDFheute greift deshalb immer wieder besonders unklare und relevante Themen in Faktenchecks auf.

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29.09.2022
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