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Russland und der Fall Nawalny - "Wir haben nichts Schlimmes gemacht"

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Für die ZDF-Doku "Der Fall Nawalny" konnte Autor Florian Huber mit der Sprecherin des russischen Außenministeriums reden. Ein seltener und klarer Einblick in die russische Haltung.

20. August 2020. Kreml-Gegner Alexej Nawalny besteigt ein Flugzeug. Ziel: Moskau. Kurz nach dem Start bricht er zusammen, fällt ins Koma. Ein internationaler Polit-Krimi beginnt.

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Für das Interview mit Marija Sacharowa im russischen Außenministerium war von ihrer Seite vorab ein Interview von maximal 15 Minuten vereinbart worden. Am Ende dauerte es zweieinhalb Stunden. Lesen Sie hier Auszüge aus dem Gespräch.

ZDF: Von Alexej Nawalny, aber auch von vielen westlichen Regierungen wird Russland für dessen Vergiftung verantwortlich gemacht. Wie steht die russische Regierung zu diesem Vorwurf?

Maria Sacharowa: Hier sehen wir uns wieder einmal mit einer Situation konfrontiert, in der Russland etwas vorgeworfen wird, in der der Staat Russland, die Führung und Bürger unseres Landes für etwas beschuldigt werden - dabei wurden uns zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Beweise dafür vorgelegt.

Es gab viele Beispiele für solche (deutsche, Anm. d. Redaktion) gut organisierten Informationskampagnen. Es wurden viele Ressourcen eingesetzt, jedoch keine Beweise vorgelegt. Das war seltsam zu beobachten.

Warum etwa war es notwendig, so etwas Theatralisches zu veranstalten, wie Nawalnys groß inszenierte politische Begleitung seiner Ankunft in Berlin? Das ist unmöglich zu verstehen.

Korrigieren Sie mich, aber ich meine, es waren etwa 14 Autos in dieser Autokolonne! Ich kann es nur mit einem Empfang von Staatsoberhäuptern vergleichen.

Im August 2020 ist Alexej Nawalny nach Berlin geflogen und in der Charité behandelt worden.

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ZDFheute: Berlin fordert von Russland Aufklärung - warum wird in Russland nicht ermittelt im Fall Nawalny?

Sacharowa: Weder ich noch Sergej Lawrow noch sehr viele Menschen in der Russischen Föderation verstehen, warum Berlin uns keine Daten übermitteln kann, in denen die klaren Ergebnisse von Nawalnys Untersuchungen enthalten sind. Und auf deren Grundlage Berlin gefolgert hat, dass er angeblich mit chemischen Waffen vergiftet worden ist.

Warum ist das so? Wenn sie in Berlin konkrete Daten haben wie die Formel des Kampfstoffes, mit dem Nawalny nach Auffassung Berlins vergiftet wurde, dann sollten sie diese Daten doch an die russische Seite übermitteln! Das wäre ein Grund, diese Sache näher zu untersuchen und eine Antwort auf die Vorwürfe zu suchen. Aber nein, diese Daten geben sie uns nicht.

ZDFheute: Welche Rolle spielt Alexej Nawalny in der Opposition in Russland?

Sacharowa: Zur Opposition zählen Menschen und Strukturen, die die Interessen der Bürger Ihres Landes widerspiegeln und auch durch diese finanziert werden. Wenn aber Organisationen und Personen aus dem Ausland finanziert und unterstützt werden, dann ist es keine Opposition.

Ich weiß nur, dass sich um Nawalny herum sehr einflussreiche Leute versammelt haben, die direkt mit dem Westen verbunden sind. Er wird politisch von allen unterstützt, die Russland entweder als Feind oder als Rivalen bezeichnen oder Russland etwas vorwerfen.

Deswegen hat die Situation mit Nawalny nichts mit den Menschenrechten, der Freiheit, der Demokratie zu tun. Es ist ein Instrument des politischen Drucks auf unser Land.

ZDF: Wie stehen Sie zu Alexej Nawalny als Politiker?

Sacharowa: Wofür ich Nawalny nicht mag, ist, dass er den Menschen die Hoffnung nimmt. Er sagt immer, alles sei schlecht, und besser wird es niemals werden. Niemand liebt euch, niemand kümmert sich um euch. Euch braucht niemand, und für euch wird es nie etwas Gutes geben. Alle haben euch verlassen und vergessen.

ZDF: Warum ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland mit dem Fall Nawalny auf einem solchen Tiefpunkt angekommen?

Sacharowa: Wir haben nichts dafür getan, dass die russisch-deutschen Beziehungen leiden. Als erstes haben wir dazu die Aussagen von Herrn Maas gehört, sie waren unhöflich, sie waren unwahr, sie waren überhaupt außerhalb der diplomatischen Praxis. Darüber haben wir unsere Irritation geäußert, gegenüber der deutschen Botschaft in Moskau und dem Außenministerium in Berlin.

Niemand sollte in diesem Ton mit unserem Land reden. Wir haben nichts falsch gemacht. Wir haben uns immer für die Entwicklung bilateraler Beziehungen eingesetzt. Aber wenn Berlin Fragen an uns hat, dann müssen sie auf für beide Seiten respektvolle Weise gelöst werden.

ZDFheute: Wie lässt sich aus der Sicht Russlands die Situation klären und die Beziehungen zu Deutschland wieder verbessern?

Sacharowa: Wir haben nichts davon, wenn sich unsere Beziehungen verschlechtern. Gleichzeitig werden wir uns nicht einfach solche böswilligen Aussagen anhören, weil wir schließlich nichts falsch gemacht haben.

Historisch gesehen werden wir ständig wegen irgendetwas beschuldigt. Ich werde Ihnen sagen, warum das so ist: Weil wir ein Land haben mit großem Territorium, vielen Menschen, und einer entwickelten Wirtschaft, das eine unabhängige Außenpolitik verfolgt. Und das auf der Weltbühne eine eigene Stimme hat.

Das Interview führte Florian Huber. Übersetzung: Natalia Vitovtov und Janel Osmankulova.

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