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Massives Vorgehen der Polizei : Mehr als 1.000 Nawalny-Anhänger festgenommen

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Die russische Polizei geht massiv gegen Nawalny-Anhänger vor. Bei Protesten gegen die Inhaftierung des Kreml-Kritikers sind inzwischen mehr als 1.000 Menschen festgenommen worden.

Kräftemessen zwischen den Anhängern von Alexej Nawalny und den russischen Sicherheitskräften: Bei Demonstrationen für den inhaftierten Kreml-Kritiker sind bis zum Mittwochabend mehr als 1.000 Menschen festgenommen worden. Schon im Vorfeld gab es - laut Aktivisten - in fast 30 russischen Städten Razzien und Festnahmen.

Mitarbeiterinnen Nawalnys in Polizeigewahrsam

Das unabhängige Bürgerrechtsportal Owd-Info zählte am späten Mittwochnachmittag schon mehr als 300 Festnahmen - darunter in mehreren sibirischen Städten, wo die Menschen wegen der Zeitverschiebung schon Stunden früher auf die Straßen gingen als etwa in Moskau. Videos aus Irkutsk zeigten eine große Menschenmenge, die "Freiheit für Alexej Nawalny" rief. In Nowosibirsk gingen rund 4.000 Menschen auf die Straße.

Mindestens 6.000 Menschen fanden sich am Abend nach Polizeiangaben in Moskau zu den Solidaritätskundgebungen ein. Sie riefen "Freiheit" und "Putin ist ein Dieb", während sie in Richtung des Sitzes des Inlandsgeheimdienstes FSB marschierten. In St. Petersburg waren es laut Polizei mindestens 4.500 Demonstranten. Ein AFP-Reporter berichtete, wie Sicherheitskräfte nach einiger Zeit Demonstranten brutal festnahmen oder bis in die Metro-Stationen verfolgten.

Archiv: Beamte der Bereitschaftspolizei nehmen Ljubow Sobol (M), Juristin und Mitarbeiterin des Oppositionsführers Nawalny, am 23.012.2021 fest.
Die Polizei hat vor Beginn der Proteste die Juristin und Mitarbeiterin Nawalnys, Ljubow Sobol, festgenommen.
Quelle: dpa

Am Vormittag waren in Moskau bereits zwei führende Mitarbeiterinnen Nawalnys in Polizeigewahrsam genommen worden: seine Pressesprecherin Kira Jarmysch auf dem Weg zum Einkaufen und die Juristin Ljubow Sobol in einem Taxi.

Nawalny-Anhänger: Inzwischen gehe es um "sein Leben"

Zu den landesweiten Demonstrationen hatten Unterstützer des Kreml-Kritikers aufgerufen. Es gehe nicht mehr nur um dessen Freiheit, sondern "um sein Leben", schrieb der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow. Nawalnys Gesundheitszustand hat sich nach Angaben seiner Unterstützer massiv verschlechtert, Ende März trat er in der Haft im Straflager in einen Hungerstreik, um Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung zu erhalten.

Seine Ärzte warnten zuletzt vor der Gefahr eines Herzstillstandes bei dem 44-Jährigen. Auch UN-Menschenrechtsexperten fürchten um das Leben Nawalnys. Dessen Leben sei "in ernsthafter Gefahr", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung von vier von der UNO ernannten Experten, die aber nicht in ihrem Namen sprechen. Der Oppositionspolitiker müsse "für eine dringende medizinische Versorgung ins Ausland evakuiert" werden können.

Anwälte: Nawalny "sehr geschwächt"

Nawalny selber nenne sich inzwischen ein "wandelndes Skelett", berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa. Nawalnys Anwälte, die am Montag kurz zu ihm gelassen wurden, beschreiben Nawalny - laut Gaa - als "sehr geschwächt, er könne kaum sprechen oder sitzen". Er soll mittlerweile 20 Kilogramm verloren haben.

Nawalny bekomme jetzt eine Glukose-Infusion, berichtet Phoebe Gaa weiter. Seine Anwälte hätten sehr deutlich darauf hingewiesen, dass das keineswegs als adäquate medizinische Versorgung gelten könne für jemandem, der seit drei Wochen im Hungerstreik sei und der noch mit den Folgen eines Giftanschlags zu kämpfen habe.

Nawalny hatte im vergangenen August einen Giftanschlag überlebt, für den er den Kreml verantwortlich macht. Er wurde anschließend in der Berliner Charité behandelt. Nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er festgenommen und zu zweieinhalb Jahren Straflager verurteilt. Bei anschließenden Protesten seiner Unterstützer waren mehr als 11.000 Menschen festgenommen worden.

Putin: "Rote Linien nicht überschreiten"

Das Schicksal Nawalnys und das harte Vorgehen gegen seine Anhänger ist auf scharfe Kritik im Ausland gestoßen. Offenbar auch mit Blick darauf warnte Putin vor einer Eskalation: "Wir handeln immer mit Zurückhaltung und auf bescheidene Art", sagte er am Mittwoch in einer Rede zur Lage der Nation.

Er warnte davor, "die rote Linie zu überschreiten", sagte Putin. "Wir selbst entscheiden, wo diese verläuft." Und ein Überschreiten würde eine "harsche" Reaktion hervorrufen. Den Namen Nawalnys nannte er erwartungsgemäß in seiner Rede nicht - Putin hat sich bisher immer geweigert, diesen in den Mund zu nehmen.

Wladimir Putin am 21.04.2021 in Moskau (Russland)

Rede an die Nation - Putin warnt Ausland vor "roter Linie" 

Die Spannungen Russlands mit dem Westen wachsen. In einer Rede an die Nation hat Präsident Putin das Ausland vor Provokationen gewarnt. An die Bürger richtete er einen Impf-Appell.

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