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Parlamentswahl in Russland - Duma-Wahl: Doppelgänger und Schwergewichte

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Vermeintliche Doppelgänger, berühmte Persönlichkeiten, heimliche Putin-Verbündete: Zur Parlamentswahl in Russland treten auch einige ungewöhnliche Kandidaten an. Ein Überblick.

Wahltafel mit Denis Prozenko, aufgenommen am 05.04.2020 in Moskau (Russland)
Der Kreml wirbt mit neuen Gesichtern, eines von ihnen: der Kandidat Denis Prozenko.
Quelle: dpa

Auf den Stimmzetteln für die anstehende Parlamentswahl in Russland stehen einige ungewöhnliche Kandidaten: Vermeintliche Doppelgänger, berühmte Persönlichkeiten und heimliche Putin-Verbündete. Echte Oppositionelle gibt es dank des monatelangen harten Vorgehens der Regierungspartei gegen ihre politischen Gegner hingegen kaum. Ein Wegweiser durch die Wirren der russischen Wahlunterlagen:

Die Neuen

Der Kreml weiß, dass die Regierungspartei Geeintes Russland bei vielen Russen unbeliebt ist. Er versucht daher, mit neuen Gesichtern zu werben. Als Paradebeispiel gilt der Fall von Denis Prozenko. Der Leiter eines großen Moskauer Krankenhauses hatte durch seinen kompetenten Umgang mit der Corona-Pandemie schlagartig an Beliebtheit gewonnen.

Als er von Geeintes Russland auf eine Kandidatur angesprochen wurde, lehnte er zunächst ab. Als ihn Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich anrief, willigte er schließlich ein.

Russland meldet für Juli so viele Corona-Todesfälle wie noch nie in einem Monat. Trotz eigenem Impfstoff sind bisher nur 20 Prozent der Einwohner vollständig geimpft.

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Eine weitere neue Kandidatin ist Maria Butina. Sie war im Juli 2018 in den USA verhaftet worden, weil sie versucht hatte, im Auftrag des russischen Geheimdienstes das Umfeld des damaligen Präsidenten Donald Trump zu infiltrieren. In Moskau brachte ihr das offenbar Sympathiepunkte ein: Nach ihrer Freilassung bekam sie eine TV-Sendung beim staatlichen russischen Sender RT.

Besonderes Aufsehen erregte ihr Bericht über den hungerstreikenden Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, dessen Haftbedingungen sie mit den Verhältnissen in einem Ferienlager verglich.

Wahlplakat mit Maria Butina, aufgenommen am 28.03.2021 in Moskau (Russland)
In den USA musste Maria Butina wegen illegaler Agententätigkeit hinter Gitter.
Quelle: picture alliance/dpa/TASS | Sergei Karpukhin

Die Doppelgänger

In Russland gibt es bei jeder Wahl Kandidaten, die nur dazu da sind, anderen Kandidaten ihre Wählerstimmen streitig zu machen, indem sie Verwirrung stiften. Das auffälligste Beispiel stammt bei der diesjährigen Wahl aus St. Petersburg: Dort hat es der Oppositionspolitiker Boris Wischnewski mit zwei weiteren Boris Wischnewskis zu tun, die nicht nur den gleichen Namen haben, sondern ebenfalls Glatze und Bart tragen.

Boris Wischnewski, aufgenommen am 26.02.2017 in Saint Petersburg (Russland)
Auf der Wahlliste stehen neben Boris Wischnewski - Kandidat der Oppositionspartei Jabloko - zwei weitere Boris Wischnewskis. Diese sehen ihm auch noch ähnlich - treten aber für andere Parteien an. (Archivfoto 2017)
Quelle: imago

Die mutmaßlichen Putin-Verbündeten

Im Wahlkreis Moskau-Zentrum, wo sich der Kreml, die Duma und viele Ministerien befinden, hat Geeintes Russland offiziell keinen Kandidaten. Die Regierungspartei ist bei den Wählern in dem Stadtviertel nicht besonders beliebt.

Die Opposition geht jedoch davon aus, dass ein heimlicher Putin-Verbündeter, Oleg Leonow, unter dem Deckmantel der Parteilosigkeit auf der Liste der Kandidaten steht. Leonow bestreitet dies.

Die Schwergewichte im Kabinett

Sie sind die Schlüsselfiguren in Putins Kabinett: Außenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu genießen im Land hohes Ansehen. Nach Angaben des regierungsnahen Meinungsforschungsinstituts WTSIOM kandidieren sie vor allem aufgrund ihres Ansehens und ihrer Zustimmungswerte von etwa 70 Prozent für das russische Parlament.

Sergej Schoigu, aufgenommen am 22.04.2021 auf der Krim
Sergej Schoigu ist Russlands Verteidigungsminister (Archivfoto von April 2021)
Quelle: dpa

Ihre Popularität soll die schlechten Umfragewerte von Geeintes Russland aufbessern, die bei weniger als 30 Prozent liegen. Ihre Aufgabe ist es auch, die Stammwählerschaft der Regierungspartei zu den Urnen zu locken, die versucht sein könnten, dieses Mal zu Nichtwählern zu werden.

Die Pro-Putin-Opposition

Es gibt drei Oppositionsparteien, gegen die der Kreml in den vergangenen 20 Jahren nicht vorgegangen ist: die Kommunisten, die Ultrarechten von der Liberaldemokratischen Partei (LDPR) und die Vertreter der kremlfreundlichen Partei Gerechtes Russland. Diese drei Parteien legen Putin in den meisten Fällen keine Steine in den Weg: So billigten sie etwa die Verfassungsänderung, die es dem Präsidenten ermöglichte, bis 2036 an der Macht zu bleiben.

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