G20-Gipfel: Putin sagt ab und spaltet trotzdem

    G20-Gipfel in Indonesien :Putin sagt ab und spaltet trotzdem

    Anne Gellinek - Leiterin des ZDF-Studios Brüssel
    von Anne Gellinek, Bali
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    Es ist keine Überraschung, dass Russlands Präsident Putin nicht zum G20- Gipfel nach Bali reist. Für ihn gilt es, Bilder eines isolierten Russlands zu vermeiden.

    Wladimir Putin am 28.10.2022 in Nowo-Ogarjowo
    Der russische Präsident Wladimir Putin reist nicht zum G-20-Gipfel nach Bali, Indonesien.
    Quelle: epa

    Zu gering ist die Lust von Wladimir Putin, noch einmal Bilder zu produzieren wie beim G20-Treffen 2014 in Australien: Nach der Krim-Annexion durch Russland wollte kein westlicher Regierungschef neben ihm sitzen - die Bilder von einem isolierten russischen Präsidenten am Katzentisch gingen um die Welt.

    G20-Gipfel: Boykott oder Klartext?

    Seit Russland die Ukraine überfallen hat, diskutieren die westlichen Mitglieder des G20-Clubs erneut, wie sie sich verhalten sollen.
    Der indonesische Präsident und turnusmäßige Gipfel-Ausrichter Joko Widodo stellte sofort klar, dass er Putin nicht ausladen werde: Indonesien versucht, sich neutral zu positionieren, wünscht sich einen harmonischen Gipfel und möchte das Thema Krieg in der Ukraine am liebsten gar nicht auf die Tagesordnung setzen.
    US-Präsident Joe Biden hingegen dachte öffentlich über einen Gipfel-Boykott nach, die Europäer aber konnten ihn offenbar überzeugen: Man werde sich das Treffen von Putin "nicht kaputtmachen" lassen. Wenn Putin komme, dann werde er sich der harten Kritik an seinem Angriff auf die Ukraine stellen müssen.

    Putin sagt ab und schickt Außenminister Lawrow

    Putin stellt sich nicht, sondern schickt seinen Außenminister, den bärbeißigen Sergej Lawrow. Für schlechte Stimmung am Gipfeltisch ist damit gesorgt, Lawrow hatte schon beim Treffen der südasiatischen Staatengemeinschaft Asean in Kambodscha am Wochenende eine gemeinsame Abschlusserklärung verhindert.
    Die USA und ihre westlichen Verbündeten hätten auf einer "absolut inakzeptablen Sprache" rund um die Lage in der Ukraine bestanden, so Lawrow.

    Russische Delegation aktiv beim Verhindern

    Den Versuch, den G20-Club zu spalten, wird Russland beim Treffen auf Bali munter fortsetzen. Die russische Delegation sei in den Verhandlungen über den Abschlusstext "sehr aktiv", so europäische Diplomaten, um eine scharfe Verurteilung des Ukraine-Kriegs zu verhindern.
    Unterstützt werden sie dabei von China, das überraschend klar an Russlands Seite steht. China ist zwar nicht begeistert von Russlands wenig erfolgreichem Feldzug in der Ukraine. Aber noch wichtiger ist es Präsident Xi Jinping, einen starken anti-westlichen Block innerhalb der G20 zu formieren und die "Unentschlossenen" wie Indien, Indonesien, Brasilien und Südafrika zu überzeugen, sich mindestens neutral zu verhalten.
    Auf Bali wolle Joe Biden "rote Linien definieren", so ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen. Xi Jinping gehe es um "bessere Handelsbeziehungen", sagt ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer.14.11.2022 | 5:55 min

    G20 als gespaltener Club

    Der Club der G20 zerfällt in drei Blöcke: Russland, China und Sympathisanten wie Indien und Indonesien, der "Westen" mit den USA, Kanada und den Europäern und die "neutralen Schwellenländer" wie Brasilien, Südafrika und Mexiko. Sie halten sich bedeckt, tragen aber die Sanktionen gegen Russland nicht mit.
    Die G20: gespalten wie selten zuvor. Das Forum, das zur Bewältigung der Weltfinanzkrise gegründet wurde, steckt selbst in der Krise. Eine gemeinsame Abschlusserklärung scheint kaum möglich, es wäre schon ein Erfolg, wenn es am Ende nur 19 zu 1 stünde.
    Russland hätte sein Ziel erreicht: Zwietracht zu säen und damit dem heimischen Publikum zu beweisen, dass die G20 handlungsunfähig sind, wenn Russland nicht mitspielt.

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