Sie sind hier:

IT-Protektionismus in Russland - Vorinstallierte russische Apps werden Pflicht

Datum:

Ab dem 1. April dürfen in Russland Smartphones und Co. nicht mehr ohne vorinstallierte russische Apps verkauft werden. Für den Staat bedeutet das: mehr Kontrolle.

Yandex-Browser auf eimem Smartphone am 04.03.2020 in Moskau
Bestimmte Apps von russischen IT-Firmen müssen auf Handys, Tablets und Computern vorinstalliert sein.
Quelle: picture alliance / AA

Ab dem 1. April tritt ein Gesetz in Kraft, das vorschreibt, dass auf jedem in Russland verkauften Smartphone bestimmte Anwendungen von russischen IT-Firmen vorinstalliert sein müssen. Die Regelung gilt auch für Tablets, Computer und Smart-TVs.

Zu dem Programmpaket gehören diverse Anwendungen des IT-Giganten Yandex, der E-Mail-Anbieter mail.ru, das soziale Netzwerk "ВКонтакте", die Antivirussoftware Kaspersky sowie einige weitere. Bestraft werden Regelverstöße erst zwei Monate nach Eintritt des Gesetzes, ab dem 1. Juli, mit Geldstrafen bis zu 200.000 Rubel (etwa 2.350 Euro).

Kreml will Monopol westlicher Konzerne brechen

Die Abgeordneten, die das Gesetz entwickelt haben, begründen es damit, dass russische Programme für russische Verbraucher attraktiver seien und somit die Benutzerfreundlichkeit der Geräte erhöht werde. Zudem will der Kreml das Monopol von Apple, Microsoft und anderen Konzernen brechen und inländische IT-Firmen fördern.

Es wird allerdings auch vermutet, dass das Gesetz die russische Autonomie stärken und westliche Einflüsse verringern soll. Ob die Deinstallation der Programme im Nachhinein möglich sein muss, ist nicht gesetzlich festgelegt und hängt somit vom Anbieter ab.

"Wir haben kaum noch unabhängige Medien", so Sergej Sokolow von der Zeitung "Nowaja Gaseta".

Beitragslänge:
7 min
Datum:

Apple-Nutzer können sich gegen App-Download entscheiden

Russische Verbraucher beschweren sich seit Montag dieser Woche, dass sie nach einem Systemupdate auf ihren Samsung-Geräten bestimmte Anwendungen von Yandex nicht wieder löschen können. Während Hersteller von Android- und Windows-Geräten ihre Produkte des Öfteren vor dem Kauf mit Anwendungen anderer Firmen versehen, hatten Apple-Produkte bislang lediglich hauseigene Anwendungen vorinstalliert. Da es der Unternehmenspolitik widerspreche, äußerte Apple deshalb Vorbehalte gegen das neue Gesetz.

Daraufhin drohte die russische Regierung dem amerikanischen IT-Unternehmen den russischen Markt verlassen zu müssen, weshalb das Gesetz auch das "Gesetz gegen Apple" genannt wurde. Schließlich konnten sich beide Parteien auf einen Kompromiss einigen. Beim ersten Anschalten eines Apple-Geräts in Russland werden dem Nutzer jetzt die im Gesetz vorgeschriebenen Apps vorgeschlagen. Er kann sich jedoch auch gegen ihren Download entscheiden.

Zugriff der russischen Regierung auf Nutzerdaten

Unabhängig davon, ob die Deinstallation der Anwendungen auf den meisten Geräten möglich sein wird, ist jedoch zu erwarten, dass die Nutzerzahlen der russischen Anwendungen sichtbar ansteigen werden. Dies erleichtert auch der russischen Regierung den Zugriff auf die Nutzerdaten, da sie deutlich mehr Kontrolle über inländische als über ausländische Firmen hat.

Beispielsweise wird Russlands führender IT-Konzern Yandex von einer Stiftung öffentlichen Interesses überwacht und unterliegt somit indirekt staatlicher Kontrolle. In den letzten Jahren versuchte die russische Regierung immer wieder, das Internet und insbesondere die sozialen Netzwerke zu kontrollieren und die dort verbreiteten Informationen zu zensieren.

Nawalny-Proteste über soziale Netzwerke organisiert

So auch bei den Protesten rund um den Regierungskritiker Alexej Nawalny, die zu großen Teilen über soziale Netzwerke koordiniert werden. Der Kreml rief zwar Anbieter wie TikTok und Twitter dazu auf, entsprechende Inhalte zu löschen, die Plattformen kamen dieser Forderung allerdings nur teilweise nach.

Angesichts den anstehenden Duma-Wahlen im September und der Tatsache, dass Nawalnys Team derzeit zu neuen Protesten aufruft, liegt es nahe, dass Putin mehr Kontrolle über das Internet gewinnen möchte. Das neue Gesetz könnte ihm dabei durch die Verbreitung inländischer und damit kontrollierbarerer Anwendungen und Netzwerke behilflich sein.

20. August 2020. Kreml-Gegner Alexej Nawalny besteigt ein Flugzeug. Ziel: Moskau. Kurz nach dem Start bricht er zusammen, fällt ins Koma. Ein internationaler Polit-Krimi beginnt.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.