Sie sind hier:

Auftakt UN-Geberkonferenz - Warum Sahel mehr Hilfe gegen Terror braucht

Datum:

In der Sahel-Region kämpfen die Menschen zunehmend gegen Gewalt und Terror. Die UN-Geberkonferenz fordert daher nicht nur neue Gelder für Nothilfe und Entwicklung. Ein Überblick.

In der Sahel-Zone im Norden Afrikas herrschen schon lange Hunger und Elend. Auf einer virtuellen Geberkonferenz wurde nun Geld für Hilfen gesammelt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

1. Worum geht es?

Drastischer geht es kaum: Millionen Menschen stünden in einem Epizentrum von Konflikt, Armut, Gewalt, Klimawandel, Unterentwicklung und starkem Bevölkerungswachstum, sagt der höchste Krisenmanager der Vereinten Nationen über die Lage in der Sahel-Region in Afrika. Eine Hungerkrise zeichne sich ab, und der Abgrund sei noch schneller erreicht worden als noch vor ein paar Monaten gedacht, erklärt der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock.

Die Zahl der Menschen, die Hilfe brauchen, ist seit März 2019 um 50 Prozent auf 13 Millionen gestiegen. In diesem Jahr sind 2,5 Milliarden Dollar (2,1 Mrd Euro) nötig, um die Bedürftigsten zu unterstützen - aber es sind bislang weniger als 40 Prozent davon zusammengekommen.

2. Was ist zu tun?

Den Hungernden zu helfen sei das humanitäre Gebot der Stunde, sagt Lowcock, aber nicht nur das. Nothilfe sei ein zu kleines Pflaster für eine ständig tiefer werdende Wunde. Menschen gerieten in die Fänge von marodierenden Banden, Extremisten und Terroristen. Lowcock: "Sobald solche Leute Gebiete kontrollieren, fangen sie an, ihre nihilistische Agenda und ihre zerstörerischen Ideen zu verbreiten, zu exportieren und Anschläge zu planen." Mit Hunderten Millionen Dollar sollen mehr Nothilfe und Projekte für langfristige Entwicklung jetzt verstärkt werden.

3. Warum reicht die Nothilfe nicht aus?

Unter den sieben Sahel-Staaten ist die Lage in Burkina Faso, Niger und Mali besonders prekär. In dem an die Sahara grenzenden Staat Burkina Faso wachsen die Flüchtlingszahlen so schnell wie in keiner anderen Region der Welt, so das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht vor blinder Gewalt, die wahllos Männer, Frauen und Kinder trifft.

Die Sahel-Zone
Die Sahelzone in Afrika ist die in Ost-West-Richtung langgestreckte Übergangszone zwischen der Wüste Sahara im Norden und der Feuchtsavanne im Süden.
Quelle: ZDF

4. Wodurch wird die Krise verschärft?

Bergab geht es in der Region seit etwa 2010. Ein Bürgerkrieg in Libyen läutet den Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes ein. Zwei Jahre später kommt es zum Militärputsch in Mali. Über die wenig geschützten Grenzen werden Waffen frei verschoben, und die Terrorgruppe Boko Haram, die lange im Verborgenen wuchs, erstarkt und terrorisiert die Region mit Anschlägen. International bekannt wird sie durch die Entführung hunderter Schulmädchen 2014 in Nordosten Nigerias.

Die Gesellschaftsstrukturen brechen zusammen, auch durch die Klimakrise. Sie schürt Konflikte zwischen Bauern und Hirten, die um schwindendes fruchtbares Land streiten. Extremisten fachen Konflikte zwischen ethnischen Gruppen an, kriminelle Gangs locken Kinder mit falschen Versprechungen an und terrorisieren Nachbarschaften.

5. Welche Lösungsansätze gibt es?

Um die Wurzeln des Übels zu packen, müssten Regierungen die Kontrolle über ihr Territorium zurückgewinnen, sagt Lowcock. Nicht leicht, denn: "Zu oft regieren dort Leute, die meinen, der Sinn öffentlicher Ämter sei es, sich zu bereichern statt der Bevölkerung zu dienen", sagte er gerade unverblümt bei einer Vorlesung in Paris. Oft seien Sicherheitskräfte überfordert und reagierten selbst mit Gewalt.

Hier könnten andere Länder zum Beispiel mit Menschenrechtstrainings helfen und Sicherheitskräfte sensibilisieren, damit die Bevölkerung im Kampf gegen die Bedrohung hinter ihnen steht. Er ist überzeugt, dass es auch in der Sahel-Region vorwärts gehen kann. Ganz wichtig wäre neben der Hungerhilfe die Etablierung alternativer Einkommensquellen, etwa die Solarenergie oder die Film- und Videoindustrie.

6. Wie kann Deutschland helfen?

Lowcock lobt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, weil sie sich bei der Zukunftsentwicklung engagiere. Deutschland unterstützt etwa ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes, der mit 10.000 Menschen in Mali, Burkina Faso und Niger Saatlöcher in karge Wüstenflächen gräbt, die nach der nächsten Regenzeit Vegetation sprießen lassen sollen. "Die Sahel-Region hat keine Probleme, die nicht gelöst werden könnten", sagt Lowcock.

Stimmabgabe in einem Wahllokal in Bamako

Anti-Terror-Kampf in Afrika - Mali: Wie Corona alles noch schwieriger macht 

Die Bundeswehr ist an mehreren Missionen in Mali beteiligt. Bald enden die Mandate - aber Corona verschärft viele Probleme. Experten fordern einen Strategiewechsel.

von Lucia Weiss
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.