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New Hampshire nur Etappensieg für Sanders

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Vorwahlen der US-Demokraten - New Hampshire nur Etappensieg für Sanders

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Die Vorwahl in New Hampshire ist ein Etappensieg für Sanders, für Joe Biden wird's eng. Wenn aber die Demokraten ihre Flügelkämpfe nicht beenden, profitiert einer: Trump.

Bei der zweiten Vorwahl der US-Demokraten setzte sich der linke Bernie Sanders vor dem gemäßigten Peter Buttigieg durch. Die beiden hatten sich bereits in Iowa ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.

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New Hampshire hat gewählt, und nach dem technischen Wo-bleiben-die-Ergebnisse-Desaster von Iowa war es geradezu erstaunlich, wie schnell die ersten Resultate diesmal vorlagen. Nicht einmal eine Stunde war vergangen, als klar wurde, dass die Institute mit ihren Umfragen Recht behalten sollten und Bernie Sanders als Sieger aufs Podest steigen sollte.

26 Prozent für den ganz linken Demokraten, der nicht nur Donald Trump besiegen will, sondern gleich eine politische Revolution möchte. Er will eine gesetzliche Krankenversicherung für alle, Studiengebühren abschaffen und wettert ganz offen gegen die in seinen Augen gierigen Pharmakonzerne und die Wall Street.

"Demokratischer Sozialist" nennt der 78-Jährige sich selbst, zu radikal, zu ausgrenzend finden ihn seine Kritiker. Natürlich hat Bernie Sanders bewiesen, dass mit ihm bei den weiteren Vorwahlen zu rechnen ist. Die Frage allerdings ist, ob er mit seinen Positionen das gespaltene Land tatsächlich wieder vereinen kann. Denn Sanders - quasi das linke Gegenstück zu Donald Trump - teilt die Welt ein in die Guten hier und die Bösen da.

Für Bernie Sanders oder gegen ihn

Dazu gehört dann konsequenterweise auch, dass man sich eben nur für eine Seite entscheiden kann. Entweder man ist für seine politische Revolution oder man ist für die Beibehaltung des Status Quo. Wie er all die Menschen dazwischen gewinnen will, lässt er offen.

Das hat auch Pete Buttigieg erkannt, der Sanders' Strategie genau an dem Punkt anzweifelt und sich damit selbst in Stellung bringt, als Mann der Mitte, der alle im Land wieder zusammenführen will. Auch er konnte sich in New Hampshire mit einem zweiten Platz - nach Platz eins in Iowa - gut im Rennen halten.

Die Aufsteigerin des Abends ist ohne Zweifel Amy Klobuchar. Ihr dritter Platz in New Hampshire kommt nicht für alle überraschend. Denn diese Frau gilt schon länger als Geheimtipp unter den demokratischen Bewerbern. Die Senatorin will Brücken bauen, will den parteiübergreifenden Konsens und steht damit bei vielen für eine moderate und gleichzeitig moderne Politik.

Großer Verlierer von New Hampshire: Joe Biden

Womit wir beim großen Verlierer dieser Vorwahl wären: Joe Biden. Es spricht Bände, dass er schon vor der Bekanntgabe der Ergebnisse in sein Flugzeug stieg und davonflog. Nach dem vierten Platz in Iowa hatte er eine Niederlage in New Hampshire erwartet. Aber hatte er mit einem noch schlechteren Abschneiden gerechnet, mit Platz fünf?

Natürlich gibt er sich im Laufe des Abends noch siegessicher und lacht selbstbewusst in die Kameras. Es hätten ja nur zwei kleine Bundesstaaten abgestimmt, nicht das ganze Land, nicht die Hälfte, nicht ein Viertel, nein, zwei Staaten. Trotzdem weiß auch er, dass die Luft allmählich dünner für ihn wird.

Zumindest bislang schafft er es nicht, dass der Funke überspringt. Biden erzählt von Trauer, vom Verlust von Angehörigen, von seinen Erfahrungen als Vizepräsident unter Barack Obama. Allein, das reicht nicht. Die Zuhörerinnen und Zuhörer mögen ihn, finden ihn wählbar, aber sie vermissen seine eigene Visionen, sie wollen mehr eigene Vorschläge, wie er das Land voranbringen will.

Reihen der Demokraten lichten sich

Das Verweilen in der Vergangenheit erscheint da nicht wirklich zielführend. Sicherlich ist er noch nicht aus dem Rennen, aber er muss, ja, er muss bei den beiden folgenden Wahlen in Nevada und South Carolina die wichtigen Stimmen der Latinos und der Afroamerikaner holen. Ansonsten ist der Vorwahlkampf für ihn schneller beendet, als er das jetzt öffentlich zugeben will.

Die Reihen der Demokraten lichten sich inzwischen. Zwei Kandidaten, die ohnehin als Außenseiter gestartet sind, haben nach ihrem Abschneiden in New Hampshire das Handtuch geschmissen. Die Namen Sanders, Buttigieg, Klobuchar, aber auch die linke Elizabeth Warren (recht nah an Sanders) und eben auch Joe Biden, sollten wir noch nicht voreilig abschreiben. Zumal die Mehrheit im demokratischen Lager auch bereit wäre, einen Kandidaten zu akzeptieren, der am ehesten Donald Trump besiegen kann, auch wenn er den eigenen politischen Einstellungen nicht entspricht.

Zerstrittene Demokraten nutzen Trump

Wie die Demokraten sich gegenüber dem amtierenden Präsidenten positionieren können, müssen sie in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Sie sollten sich sehr davor hüten, sich gegenseitig zu demütigen, so wie es zuletzt Joe Biden mit seinem Konkurrenten Pete Buttigieg versucht hat. In einem Video hatte Biden seine eigenen Erfolge mit denen von Buttigieg als Bürgermeister verglichen. Biden habe als Vizepräsident den Atomdeal mit Iran ausgehandelt und die Autoindustrie gerettet, Buttigieg habe währenddessen die Gehwege seiner Stadt mit dekorativen Steinen verschönert.

Genutzt hat es Biden nichts, so wie es keinem der Demokraten nutzen wird, wenn sich die Partei in Flügelkämpfen zwischen gemäßigt und linksaußen verliert. Zerstrittene Demokraten, die sich nicht einmal untereinander grün sind, spielen am Ende nämlich nur einem in die Hände: dem Mann, den sie eigentlich gerne loswerden möchten und der einen chaotischen Demokratenhaufen ganz bestimmt für seine eigene Wiederwahl nutzen wird. Donald Trump.

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