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Könnte Finnland ein Vorbild für uns sein?

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Finnische Ministerpräsidentin - Könnte Finnland ein Vorbild für uns sein?

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Sanna Marin ist mit 34 Jahren die jüngste Regierungschefin der Welt. Im ZDF-Interview spricht sie über Kohleausstieg, Gleichberechtigung und Finnlands Vorreiterrolle.

"Wir müssen umstellen von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare", sagt die neue finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin im ZDF-Interview. Von der Atomenergie will sie sich später verabschieden.

Beitragslänge:
3 min
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ZDF: Finnland möchte bis 2035 klimaneutral werden. Wie wollen Sie das erreichen?

Sanna Marin: Ja, wir haben ehrgeizige Klimaziele. Bis 2035 möchte Finnland klimaneutral werden und wir setzen uns sehr dafür ein. Wir müssen in jedem Sektor eine Menge Dinge tun. Zum Beispiel im Bereich Wohnen und Heizen. Dort müssen wir mehr tun, um von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren zu kommen. Zum Beispiel Energie und Wärme aus der Erde oder Wärmepumpen.

Und wir brauchen neue Technologien beim Verkehr. Wir müssen bei Autos umschalten von fossilen Brennstoffen auf ökologisch nachhaltige Fahrzeuge. Und natürlich ist die Autoindustrie hier und bei den neuen Technologien ein Hauptakteur.

Aber schauen wir uns die zentralen Themen an. Es geht immer von fossilen Brennstoffen hin zu nachhaltigen, klimafreundlichen Energien. Es gibt eine Menge zu tun, aber wir sind entschlossen und werden es schaffen.   

ZDF: Warum halten Sie an der Atomenergie fest?

Marin: Atomenergie ist Teil unseres Energiemixes. Und natürlich müssen wir umstellen von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare. Ich denke, das ist eine große Veränderung. Und ich glaube, Atomenergie hilft uns auf dem Weg zu erneuerbaren Energien.

Wir haben in Finnland die Entscheidung getroffen, bis 2029 aus der Kohle auszusteigen, insofern trennen wir uns zunächst von fossilen Brennstoffen. Und dann von der Atomenergie. Und uns ist klar geworden, dass wir in der Zukunft, in den kommenden Jahrzehnten, Atomenergie nicht mehr unterstützen werden. Und in der Zeit vom Übergang zu erneuerbaren Energien ist es eine klimafreundliche Form von Energie.

ZDF: In Deutschland schaut man sehr gespannt auf Sie, weil Sie eine Frau sind, weil Sie jung sind und an der Spitze einer Regierung stehen. Wie gehen Sie damit um?

Marin: Auf diese Zuspitzung und das Interesse der Medien habe ich mich nicht so sehr konzentriert. Ich habe mich auf die Themen, die auf dem Tisch lagen, konzentriert. Wir haben eine Fünf-Parteien-Koalition, das heißt, es gibt einen Menge Dinge zu verhandeln und zu bearbeiten.

Ich denke, es ist der Job und es sind die Themen, warum ich hier stehe, nicht die Aufmerksamkeit. Deshalb fokussiere ich nicht so sehr darauf.

Es wundert mich, dass dies in Deutschland ein Thema ist, obwohl Sie seit etwa 15 Jahren eine Kanzlerin haben. In gewisser Weise ist Deutschland auch ein Pionier.

In gewisser Weise ist Deutschland auch ein Pionier.

ZDF: Könnte Finnland ein Vorbild sein für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen?

Marin: Selbstverständlich war Gleichberechtigung immer ein zentrales Thema für Finnland. Wir haben uns immer sehr bemüht, Gleichberechtigung zwischen den Menschen herzustellen. Zwischen Männern und Frauen,  aber auch in Bezug auf Minderheiten, sexuelle oder allgemeine Minderheiten. Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, dass wir Maßnahmen ergreifen, für Menschenrechte. Wir tun in meiner Regierung viel dafür, dass wir auch in der Zukunft mehr soziale Gerechtigkeit erreichen.  

Das Interview führte Heike Kruse, ZDF-Studio Kiel.

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