Sie sind hier:

ZDF-Recherchen - Spionagevorwürfe gegen Saudi-Arabien

Datum:

Die Botschaft des Königreichs spioniert saudische Asylbewerberinnen in Deutschland aus und setzt sie unter Druck, belegen Recherchen des ZDF.

Angst vor Verfolgung in Deutschland

Beitragslänge:
8 min
Datum:

Saudische Frauen fliehen meist nach Deutschland, weil sie von ihren Familien misshandelt werden und der Staat sie nicht schützt. Die 29-jährige Loujain Sultan berichtet, sie sei in Saudi-Arabien von ihrem Ehemann und ihren Brüdern vergewaltigt worden.

Als sie von zu Hause weglief, habe die Polizei sie verhaftet und ihrer Familie übergeben. "Ich habe Saudi-Arabien verlassen, damit ich in Deutschland sicher leben kann, damit mein Leben nicht bedroht ist. Ich habe dort sehr gelitten."

Auch in Deutschland nicht sicher

Wie alle saudischen Asylbewerberinnen wohnt Loujain im Flüchtlingsheim Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Kurz nach ihrer Ankunft schickt ihr Bruder eine Textnachricht: "Glaub bloß nicht, dass du in Sicherheit bist. Ich zerstückele dich und hole dich zurück."

Loujain fürchtet, ihr Bruder werde sie in Halberstadt suchen. Die saudische Botschaft helfe Familien, geflüchtete Frauen zu finden und habe in Halberstadt sogar Spione. Das vermuten viele saudische Flüchtlinge. Beweise gab es dafür keine.

Erstmals Belege

Das ZDF hat eine Zeugin interviewt, die von einem Anwerbungsversuch auf dem Gelände der saudischen Botschaft in Berlin berichtet. "Da war ein Mann, der zuständig war für Saudis in Deutschland. Er verlangte, dass ich Informationen sammle über alle saudischen Asylbewerberinnen, die ich treffe. Ich sollte sie überreden, nach Hause zurückzukehren."

Danach schickt ein Botschaftsmitarbeiter ihr noch eine Nachricht: "Das Wichtigste, wie ich es dir schon gesagt habe: Überzeug die Mädchen, die du kennst, zurückzukehren. Dann werden alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen."

Bestätigung der Behörden

Dem ZDF bestätigt das sachsen-anhaltische Innenministerium, dass Maßnahmen zum Schutz saudischer Staatsbürger getroffen wurden. Die Botschaft gibt kein Interview, teilt aber dem ZDF schriftlich mit: "Die Anschuldigungen entbehren jeglicher Grundlage."

Es gibt einen weiteren dubiosen Fall. Auch die 21-jährige Hassa war vor ihrer Familie nach Deutschland geflohen, hatte Angst vor einer Rückkehr ins Königreich. Bei ihrer Asylanhörung sagte sie:

Meine Eltern werden mich schlagen und umbringen.
Hassa, Asylbewerberin aus Saudi-Arabien

Im Juli 2019 verschwand Hassa plötzlich, berichten ihre Freunde. Ihr Telefon sei aus gewesen, ihre Instagram-, Snapchat- und E-Mail-Accounts deaktiviert.

Ein Botschaftsmitarbeiter begleitet sie bei der Ausreise

Dem ZDF liegt ein Bundespolizeiprotokoll vor: Hassa ist zurück nach Saudi Arabien - begleitet von einem Botschaftsmitarbeiter und mit einem Reisedokument der Botschaft. Dabei hatte sie einen gültigen Pass. Die saudische Botschaft schreibt, es handle sich um eine begleitete Rückführung. Man habe sich an Recht und Gesetz gehalten. Hassa war nicht zu erreichen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.