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Khashoggi-Söhne vergeben Mord an ihrem Vater

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Todesstrafe womöglich verhindert - Khashoggi-Söhne vergeben Mord an ihrem Vater

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Rund anderthalb Jahre nach der Ermordung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi haben dessen Söhne erklärt, dass sie den Mördern "verzeihen".

Archiv: Jamal Khashoggi am 01.02.2015 in Bahrain
Jamal Khashoggi
Quelle: dpa

Rund anderthalb Jahre nach der Ermordung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi haben dessen Söhne erklärt, dass sie den Mördern "verzeihen" - und damit vermutlich deren Hinrichtung verhindert.

Anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan schrieb Kashoggis Sohn Salah am Freitag auf Twitter:

In dieser heiligen Nacht dieses gesegneten Monats (...) verkünden wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Kashoggi, dass wir denjenigen, die unseren Vater getötet haben, vergeben und verzeihen.

Für die Täter könnte dieser Schritt bedeuten, dass ihnen die Todesstrafe erspart bleibt. Die saudiarabischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu den Folgen der Erklärung von Kashoggis Söhnen.

Welche Rolle spielte Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz MBS, bei diesem spektakulären Mordfall, der die Welt schockierte?

Beitragslänge:
103 min
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Kritik von Khashoggis Verlobter und Menschenrechtlern

Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz und Menschenrechtler reagierten mit scharfer Kritik, weil sie befürchten, dass die wahren Schuldigen straffrei ausgehen. Hatice Cengiz schrieb am Freitag auf Twitter, dieser abscheuliche Mord habe keine Verjährungsfrist. Niemand besitze das Recht, seinen Mördern zu vergeben.

Der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, twitterte, man könne sich nur ausmalen, welche"Kombination aus Bestechungen und Drohungen" die Söhne dazu gebracht habe, den brutalen Mördern ihres Vaters zu vergeben.

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Die UN-Sonderberichterstatterin für den Fall, Agnès Callamard, erklärte, Saudi-Arabien habe wiederholt bewiesen, dass das Land im Falle Khashoggis keine Gerechtigkeit walten lassen wolle. "Das ist das letzte Teil des Straffreiheitspuzzles, der letzte Akt einer Justizparodie, die vor der Weltöffentlichkeit gespielt wird."

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Callamard war in einem Untersuchungsbericht zu dem Schluss gekommen, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen Mohammed und anderer ranghoher Vertreter Saudi-Arabiens gebe.

Urteil des saudischen Strafgerichtes

In Saudi-Arabien waren elf Verdächtige vor Gericht gestellt worden. Ein Strafgericht hatte im Dezember fünf Männer in einem international kritisierten Verfahren zum Tode verurteilt, drei weitere Angeklagte erhielten hohe Haftstrafen. Die Namen der Angeklagten blieben unter Verschluss.

Khashoggis Sohn dementiert finanzielle Vereinbarung

Salah Kashoggi hatte erklärt, er habe "volles Vertrauen" in das Justizsystem Saudi-Arabiens. Er hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach er mit der Regierung eine finanzielle Vereinbarung getroffen habe.

Die "Washington Post", für die Jamal Kashoggi gearbeitet hatte, hatte im April 2019 berichtet, Salah Kashoggi und seine Geschwister hätten Häuser im Wert von mehreren Millionen Dollar erhalten und bekämen von den saudiarabischen Behörden monatlich tausende Dollar.

Leiche bis heute nicht gefunden

Der 59-jährige Regierungskritiker Khashoggi war im Oktober 2018 im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul von einem entsandten Kommando aus 15 saudiarabischen Agenten ermordet worden. Seine Leiche wurde zerstückelt und bis heute nicht gefunden.

Unter internationalem Druck gab Riad nach wochenlangen Dementis schließlich zu, dass der Regierungskritiker "bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme" getötet worden sei.

Kronprinz Mohammed bin Salman unter Druck

Der Fall hatte Saudi-Arabiens De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman international massiv unter Druck gebracht. Sowohl ein Sondergesandter der UNO als auch der US-Geheimdienst CIA kamen zu dem Schluss, dass der Kronprinz direkt in Kashoggis Ermordung verwickelt war. Aus Riad wird dies vehement zurückgewiesen.

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