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Scholz steht vor politischer Rutschbahn

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Kommentar zu Kanzlerkanditatur - Scholz steht vor politischer Rutschbahn

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Die Kür von Olaf Scholz zum SPD-Kanzlerkandidaten kommt früher als erwartet - das birgt hohe Risiken. Als Minister und Kanzlerkandidat ist er nun auf einer politischen Rutschbahn.

Kommentar: Theo Koll zu Olaf Scholz (SPD)
ZDF-Hauptstadtstudioleiter Theo Koll kommentiert die Nominierung von Olaf Scholz zum SPD-Kanzlerkandidaten.
Quelle: ZDF/dpa

Heute ist also Spätsommer, denn für Spätsommer hatte die SPD gerade erst die Kandidatenkür der Partei angekündigt. Nun ist es also doch schon raus und der Spätsommer bleibt übrig als symbolische Begrifflichkeit für den Zustand einer Partei, die aktuell von nur 14 Prozent der Menschen gewählt würde, die es aber eilig hat als erste einen Kandidaten aufzustellen fürs Kanzleramt.

SPD ab sofort Regierungs- und Oppositionspartei

Gewählt wird erst im Spätsommer kommenden Jahres. Aber ab sofort ist die SPD zugleich Regierungs- und Oppositionspartei - und Olaf Scholz begibt sich als Finanzminister und zugleich konkurrierender Kanzlerkandidat auf eine politische Rutschbahn, die ihn immer mehr vom einen ins andere Lager befördern wird.

Und das wird eine bemerkenswert schiefe Ebene, da die SPD am Wochenende klar gemacht hat, dass sie ein Regierungsbündnis mit den Linken nicht ausschließt, auch - falls nötig - unter Führung der Grünen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird für die SPD als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen. Präsidium und Vorstand nominierten ihn einstimmig. Die Personalie war lange vermutet worden, war aber auch umstritten in der Partei.

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Blinken nach Links

Nun also wird Olaf Scholz auf den Schild der SPD gehoben - und damit just der Mann, den die Partei noch vor gut einem halben Jahr nach einem monatelangen Auswahlverfahren bewusst hat durchfallen lassen. Die Unterstützung für das Vorsitzenden-Team Saskia Esken / Norbert Walter-Borjans speiste sich zu einem nicht geringen Teil aus der Ablehnung von Olaf Scholz als Repräsentanten der GroKo-Beteiligung der Partei. 

Und jetzt steht er eingerahmt von den beiden neuen Vorsitzenden und wird von ihnen als der einzig richtige Spitzenmann angepriesen. Der Preis, den er wohl für diese Nominierung zu zahlen hat, ist die Zustimmung zum Blinken nach Links.

Frühe Nominierung birgt hohes Risiko

Die frühe Nominierung birgt Gefahren für Scholz: ab sofort steht er als Zielscheibe auf der politischen Bühne. Ein Kandidat zieht ganz andere Pfeile an als ein Nur-Finanzminister. Aber auch die exekutive Verantwortung - Stichwort Wirecard - bringt Verwundbarkeiten, die dann auf die Kanzlerkandidatur durchschlagen.

Der vermeintliche Vorteil einer frühen Nominierung birgt ein hohes Risiko. Jede Woche in der Politik ist lang - und bis zur Bundestagswahl sind es noch sehr viele Wochen, von diesem vorfrühen Spätsommer bis zu dem 2021.

Theo Koll ist Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin.

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