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SPD und Scholz im Umfragenhoch - Die Kirsche, die auf der Torte bleiben soll

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Vier Wochen sind es noch. Dann wird ein neuer Bundestag gewählt. Und damit eine neue Regierung. Und plötzlich hat die SPD wieder Chance auf das Kanzleramt. Das macht manche nervös.

Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl hat die SPD im Politbarometer zur Union aufgeschlossen. SPD-Kanzlerkandidat Scholz, der heute in Berlin auftrat, liegt deutlich vor Laschet und Baerbock.

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Allein steht er auf der Bühne, nur im Hemd, keine Jacke. Zum Ärmel hochkrempeln ist es an diesem Nachmittag in Berlin wirklich zu frisch. Außerdem wäre die Geste wohl zu abgedroschen. Dabei würde sie das momentane Gefühl der SPD recht gut symbolisieren: Hochkrempeln, weiter, es geht noch was.

Geht noch was? Vier Wochen vor der Bundestagswahl steht die SPD in den Umfragen so gut wie noch nie in diesem Wahlkampf da. Noch versucht die Partei, nicht abzuheben. Den Auftritt ihres Kanzlerkandidaten Olaf Scholz anzukündigen, jetzt komme die "Kirsche auf der Torte", ist vielleicht der größte Übermut, den sie sich leistet.

Die "Kirsche", also Scholz, ist allerdings auch heute wieder höchstens berührt von den Umfrageergebnissen:

Ein sehr bewegender Moment, auch für mich.
Olaf Scholz

Scholz derzeit überall vor Laschet und Baerbock

Lange war Scholz für den Satz "Ich will Bundeskanzler werden" belächelt worden, den er autosuggestiv und einem Mantra gleich bei jeder Gelegenheit wiederholte. Seit einigen Tagen lächelt nur noch die SPD. Denn statt der 15, 16, 17 Prozent, bei denen die Partei lange in den Umfragen dümpelte, liegt sie jetzt bei plus/minus 20. Und damit auf Augenhöhe mit Union und Grünen.

Exklusiv

ZDF-Politbarometer - Projektion: Union und SPD gleichauf 

Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl liegen CDU/CSU und SPD in der Projektion gleichauf. Das zeigt das aktuelle ZDF-Politbarometer.

Im aktuellen ZDF-Politbarometer liegen SPD und Union gleichauf bei 22 Prozent, die Grünen bei 20 Prozent, wenn am Sonntag schon Bundestagswahlen wäre. Scholz als Person hat nach wie vor bessere Werte als sein Konkurrent Armin Laschet (CDU) und seine Konkurrentin Annalena Baerbock (Grüne).

  • 65 Prozent der Befragten halten Scholz für kanzlertauglich. Laschet kommt auf 25, Baerbock auf 22 Prozent.
  • Könnte man einen Kandidaten, eine Kandidatin direkt ins Kanzleramt wählen, würden sich 49 Prozent der Befragten für Scholz aussprechen. 17 Prozent für Laschet, 16 für Baerbock.
  • In der Skala der beliebtesten Politikerinnen und Politiker ist Scholz jetzt auf Platz zwei, hinter Angela Merkel. Baerbock ist auf Platz neun, Laschet auf zehn.
  • Bei allen abgefragten Kategorien führt Scholz vor den anderen: Glaubwürdigkeit, Sympathie, Sachverstand.

Olav Scholz hat seine Gegner von Union und Grünen in Umfragen deutlich überholt. Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte sagt, das habe etwas mit Angela Merkel zu tun. Das bisherige Vertrauen in sie, widmen viele Wähler nun womöglich ihm.

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Vorteil: "Problemlösungskompetenz"

Bis zur Bundestagswahl sind es jedoch noch vier Wochen. Nur zehn Prozent der Befragten halten im Politbarometer die Wahl schon für gelaufen. Gut möglich, dass Laschet oder Baerbock das Ruder noch einmal so rumreißen, wie es Scholz in den vergangenen vier Wochen auch gelungen ist.

Allerdings: Wie die Stimmung gerade ist, ist nicht unerheblich. Die Briefwahl hat bereits begonnen. Und Scholz spricht sie als einziger gezielt an: Auf einem Wahlplakat mit dem Briefwahlumschlag in der Hand.

Der Kanzler-Kandidat der Union, Armin Laschet, verliert immer mehr Unterstützung. Die Parteibasis wünscht sich, dass auf Inhalte statt auf den Kandidaten gesetzt wird, denn - laut Umfragewerten liegen Union und SPD erstmals gleich auf.

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Natürlich, sagt Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele von der Hertie School of Gouvernance, profitiere Scholz von den Fehlern, die Laschet und Baerbock bislang in ihrem Wahlkampf gemacht hätten. "Aber das alleine ist es nicht", sagt Römmele.

Scholz strahle Ruhe aus, ihm traue man eher eine "Problemlösungskompetenz" zu. Als Bundesfinanzminister habe er sowohl in der Corona-Krise als auch in der Flutkatastrophe punkten können. Römmele:

Gerade in der Krise, während den wirklich großen Herausforderungen, spielt Regierungserfahrung eine ganz zentrale Rolle. Und diesen Trumpf kann er jetzt voll ausspielen.
Andrea Römmele

Suche nach "merkeligem Sicherheitsgefühl"

So macht Scholz es dann auch bei seinem Wahlkampfauftritt. Spricht erst über die große Außenpolitik in Afghanistan, über die großen Krisen Corona und Hochwasser, um dann mit dem Kampf gegen Kinderarmut und für stabile Renten und Löhne die SPD-Kernwähler zu bedienen und schließlich auf die Herausforderung Klimawandel zu kommen.

Kein Wort davon, dass das Desaster in Afghanistan und alles, was in der Corona-Krise schiefgelaufen ist, die SPD mitzuverantworten hat.

Momentan, sagt Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen, drehe sich viel darum: "Wer kann Krise?" Wer könne das "merkelige Sicherheitsgefühl" übertragen, so Korte. Gerade Scholz fällt damit auf, dass er oft Merkels Kanzlerschaft lobt und ihr eine "sehr erfolgreiche Regierungsbilanz" bescheinigt.

Vieles deute laut Korte aber jetzt auf einen Countdown der bestehenden Bundesregierung hin, auf einen Machtwechsel:

Wir haben die Startlinie für drei Kanzlerkandidaten, die alle die gleichen Chancen haben.
Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler

Zwar wisse man, so Politikwissenschaftlerin Römmele, "dass gerade die Union gut mobilisieren kann und auch die Unionswählerinnen und -wähler eine gewisse Disziplin beim Wählen haben." Trotzdem könne man von einem Momentum sprechen. "Trends verstärken sich. Und es wird immer schwieriger, hier das Ruder wieder rumzureißen."

Union wird zunehmend nervös

Das scheint auch die Union zu wissen. Bundestags-Fraktionschef Ralph Brinkhaus forderte an diesem Freitag per "Spiegel"-Interview CDU und CSU auf: "Kämpfen. Wir müssen alle kämpfen." Und: Laschet "muss den politischen Gegner inhaltlich stellen", riet er.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans forderte von Laschet, ein Führungsteam zu präsentieren. "Wir müssen endlich zeigen, wofür die Union steht und mit wem wir neben dem Kanzlerkandidaten die Zukunft des Landes prägen wollen", sagte er der "Rheinischen Post".

"Wir werden kämpfen... Am Ende geht es um ein Gesamtpaket", so Markus Blume, CSU-Generalsekretär zu den aktuellen Umfragewerten. "Ein Linksbündnis wäre ein Risiko für Deutschland".

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Friedrich Merz lehnte das prompt bei "Bild TV" für Laschet ab, kritisierte aber trotzdem den Wahlkampf: "Wir dürfen uns nicht ständig Themen von anderen vorgeben lassen, sondern wir müssen eigene Themen besetzen."

Die Umfrageergebnisse eine "Momentaufnahme", wie CSU-Generalsekretär Markus Blume sagt? So wollen es viele in der Union sehen. Am Sonntag gibt es das erste TV-Triell der drei Kandidaten, weitere folgen. Das werde eine neue Phase des Wahlkampfes einläuten, heißt es.

Gewählt wird in 30 Tagen.

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