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Umweltministerin: "Klimawandel wartet nicht"

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Nachhaltiger Start nach Corona - Umweltministerin: "Klimawandel wartet nicht"

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Umweltministerin Svenja Schulze wirbt für einen grünen Neustart nach der Krise - und wendet sich energisch gegen Forderungen, die Wirtschaft von weiteren Belastungen zu verschonen.

Svenja Schulze soll das neue Klimakabinett leiten. Archivbild.
Drängt auf einen nachhaltigen Neustart nach der Corona-Krise: Umweltministerin Schulze
Quelle: Kay Nietfeld/dpa

ZDFheute: Frau Schulze, das deutsche Klimaziel für 2020 ist plötzlich wieder erreichbar. Eine gute Nachricht für Sie als Umweltministerin?

Svenja Schulze: Das ist eine Frage, die ich sehr ungern beantworte. Ja, wir erreichen das Ziel. Aber das, was wir im Moment erleben, ist eine ernste Krise - und die kann ja nicht der Dauerzustand sein.

Ich möchte, dass wir CO2-Emissionen nachhaltig reduzieren. Und dafür haben wir ja im letzten Jahr dieses Riesen-Klimaprogramm verabschiedet.

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ZDFheute: Verglichen mit Corona, wird der Klimawandel eine noch größere Herausforderung?

Schulze: Ich finde, das sind beides große Herausforderungen. Der Unterschied ist: Corona muss jetzt sehr schnell, sehr kurzfristig, mit sehr drastischen Maßnahmen bekämpft werden.

Die Klimakrise wird länger andauern - und sie verlangt Veränderungen, die wirklich grundlegend sind. Aber eben Veränderungen, mit denen wir dauerhaft leben können.

ZDFheute: Sie haben selbst einen Aufruf mit unterzeichnet für eine "Green recovery", einen grünen Neustart der Wirtschaft nach der Krise. Der Aufruf richtet sich an die Entscheidungsträger - Sie selbst sind ja auch einer davon. Mussten Sie sich etwa selbst Mut zusprechen?

Schulze: Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir zeigen, dass wir international zusammenarbeiten. Corona zeigt uns ja, wie verletzlich wir sind. Das Virus betrifft uns alle, macht an keiner Grenze halt.

Dieses Gemeinsame wollen wir auch in der Klimapolitik nach vorn stellen. Und deshalb haben wir mit diesem Aufruf zusammen gesagt:

Wir wollen, dass der Neustart nachhaltig wird.

ZDFheute: Mancher, etwa aus dem Wirtschaftsflügel der Union, fordert nun: man müsse zum Beispiel den "European Green Deal" grundsätzlich überprüfen. Und die Wirtschaft von weiteren Belastungen verschonen. Was sagen Sie dazu?

Schulze: Wir haben das Pariser Klimaschutzabkommen. Wir haben uns auf der ganzen Welt miteinander verständigt, dass wir den Klimawandel bekämpfen wollen. Dass wir nicht warten wollen, bis es so schlimm ist, dass gar nichts mehr sich ändern lässt.

Und der Klimawandel wartet nicht. Deswegen muss dieser Neustart genutzt werden, die Wirtschaft wieder so aufzubauen, dass sie CO2 reduziert. Da kann man nicht einfach warten.

ZDFheute: Aus der Autobranche gibt es die Forderung nach einer Kaufprämie für neue Autos, egal mit welchem Antrieb. Unterstützen Sie diese Forderung?

Schulze: Erstmal ist vollkommen klar, dass die Automobilwirtschaft für Deutschland ganz wichtig ist. Und deswegen ist es auch mir wichtig, dass die Automobilindustrie eine Perspektive hat. Ich kann mir daher vorstellen, dass man einen Umstieg auf andere Antriebe unterstützt.

Wenn man jetzt aber ein Auto mit einem Verbrennungsmotor kauft, mit einem hohen CO2-Ausstoß, dann fährt man das Auto zehn, 15 Jahre. Wir wollen aber schon 2030 deutlich weniger CO2 ausstoßen, als wir das heute tun. Dieses Ziel müssen wir im Blick behalten.

Das Interview führte Florian Neuhann. Er ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.

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