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FAQ

Mehrfachraketenwerfer und Drohne : Welche Rolle spielen die neuen Waffen?

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Die USA und Deutschland wollen weitere schwere Waffen an die Ukraine liefern. Darunter Flugabwehrsysteme, Raketenwerfer und Drohnen. Welchen Einfluss hat das auf den Krieg?

Lenkflugkörper des Systems IRIS-T
Lenkflugkörper des Flugabwehrsystems Iris-T, das Kanzler Scholz der Ukraine zugesagt hat.
Quelle: dpa

Lange wurde in Deutschland über das Pro und Contra der Lieferungen von schweren Waffen an die Ukraine debattiert und gestritten. Nun scheint die Bundesregierung ihren Kurs gefunden zu haben.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte am Mittwoch im Bundestag, dass Deutschland das moderne Luftverteidigungssystem Iris-T-SLM des Rüstungskonzerns Diehl sowie ein Ortungsradar an die Ukraine liefern will. Außerdem sollen auch vier Mehrfachraketenwerfer abgegeben werden.

Scholz folgt damit dem Kurs der US-Regierung, die ebenfalls weitere Lieferungen angekündigt hat, darunter ebenfalls vier Mehrfachraketenwerfer, 1.000 Javelin-Panzerabwehrraketen und vier Mi-17-Hubschrauber.

Russland wirft den USA vor, mit ihrer angekündigten Lieferung neuer Raketensysteme Öl ins Feuer zu gießen.

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Um welche Waffen geht es genau?

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters plant die US-Regierung außerdem, der Ukraine vier MQ-1C Grey Eagle-Drohnen zu verkaufen, die mit Hellfire-Raketen für den Einsatz auf dem Schlachtfeld gegen Russland bewaffnet werden können.

Die MQ-1C Gray Eagle ist eine bewaffnete US-amerikanische Drohne, also ein ferngesteuerter, unbemannter Flugkörper. Sie ist eine Weiterentwicklung der MQ-1 Predator, die die US-Streitkräfte ab Mitte der 90er Jahre für ca. 25 Jahre eingesetzt haben. Die Predator kann 24 Stunden lang in der Luft bleiben und Aufklärung betreiben. Dafür nutzt sie neben optischen Kameras auch Wärmebild-Technik und Radar. Die Predator flog mehrere hundert Einsätze unter anderem in Afghanistan, Pakistan, Bosnien, Serbien, Irak, Libyen, Jemen und Syrien. In Deutschland flog eine solche Drohne im Jahr 2017 anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg Aufklärungseinsätze.

Seit 2008 ist die Gray Eagle bei den US-Streitkräften aktiv. Sie hat einen stärkeren Antrieb als die Predator, was ihr bessere Flugleitungen und mehr Nutzlast bringt. Sie wird vor allem für eine verbesserte Luftnahunterstützung eingesetzt. Das bedeutet, dass die Drohne mit ihren Luft-Boden-Raketen am Boden agierende Truppen unterstützt.

Die AGM-114 "Hellfire"-Raketen wurden ursprünglich in den 1970er Jahren als Panzerabwehrrakete konzipiert und wurden später in zahlreichen Varianten immer wieder modernisiert und weiterentwickelt. Die Weiterentwicklungen bezogen sich zum einen auf unterschiedliche Gefechtsköpfe für verschiedene Zielarten als panzerbrechende Munition, als Waffe mit Splitterwirkung oder zum Beschuss bzw. zur Zerstörung von Gebäuden und Bunkern bis hin zur AGM-114N Thermobaric Hellfire - einer kleinen sogenannten thermobaren Waffe. Aber auch die Zielsucheinrichtung wurde weiterentwickelt. Während die Basisversion mit einem reinen Laserlenksystem ausgerüstet war, kam später ein Radarsuchkopf dazu. Die Hellfire wird von unterschiedlichen Hubschraubern, Flugzeugen und Drohnen, aber auch von Schiffen verwendet. Der erste Einsatz von einer Drohne fand 2002 im Jemen statt.

Diese Waffen sollen außerdem aus dem Westen geliefert werden:

Warum sind die Lieferungen von schweren Waffen für die Ukraine entscheidend?

Aktuell gewinnt Russland im Donbass mehr und mehr die Oberhand und macht stetig Geländegewinne. Das sei in erster Linie auf die Überlegenheit der Feuerkraft zurückzuführen, meint Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations im ZDF-Morgenmagazin:

Die ukrainische Armee ist vor allem zahlenmäßig angewachsen durch Mobilmachung, durch Freiwillige. Das Problem ist, die verfügen nicht über die Feuerkraft und nicht die über die Beweglichkeit.
Gustav Gressel, Militärexperte
Ein russischer Soldat schaut aus einem Panzer

Chance auf Waffenstillstand - Wie kann der Krieg in der Ukraine enden? 

Russland wird die Kämpfe erst einstellen, wenn es die gesamten ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk eingenommen hat. Danach könnte ein Waffenstillstand erreicht werden.

von Christian Mölling und András Rácz

Das größte Problem der Ukraine sei aktuell, dass sie keinen Nachschub an Munition für ihre Raketenartillerie bekommt. Die zwei ukrainischen Fabriken, die Munition herstellen konnten, sind zerstört. In der Nato gibt es keine einzige Fabrik, die Munition für dieses Waffensystem herstellt.

Die Ukraine verschießt jetzt noch die Munition, die sie hat. Und dann hat sie kein schweres Artillerieraketensystem mehr.
Gustav Gressel, Militärexperte

Die Lieferungen von schweren Waffen aus dem Westen - und damit auch ein gesicherter Nachschub an Munition - könnten das Kräfteverhältnis so verschieben, dass die Ukraine als Sieger aus dem Krieg hervorgeht, meint Gressel. Wobei "Sieg" bedeute, den Zustand vom 23. Februar 2022 - einem Tag vor der russischen Invasion - wiederherzustellen.

Deutschland will der Ukraine auch Mehrfachraketenwerfer liefern, so gestern der Bundeskanzler, Waffen, die die Ukraine eingefordert hatte.

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2 min
Datum:

Wie wichtig sind dabei die Lieferungen aus Deutschland?

In der Debatte um die Lieferung von schweren Waffen entsteht zuweilen der Eindruck, das deutsche "Ja" oder "Nein" zu den Lieferungen würde in der Ukraine den großen Unterschied machen. Dem widerspricht Gressel:

Deutschland alleine kann die Ukraine jetzt nicht retten. Aber der Westen im Verbund schon.
Gustav Gressel, Militärexperte

Auch einzelne Waffensysteme würden nicht sofort das Kriegsgeschehen auf den Kopf drehen: "Krieg wird immer im Kampf der verbundenen Waffen entschieden und es braucht das Zusammenspiel der Kräfte und auch die gute Führung dieser Kräfte", so Gressel.

Welche Rolle spielt das Zögern des Westens bei den Lieferungen?

Wenn die Ukraine nicht bald Hilfe bekommt, ist der Donbass besetzt und dann beginnt eine riesige Materialschlacht um die angrenzenden Gebiete und stark befestigten Ballungszentren, meint Militärexperte Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Für die Ukraine gehe es dabei "um Tage". Allgemein seien die Lieferungen eine Frage von "Zeit und Masse".

Wenn wir nicht schnell und mit Masse die Verluste der Ukraine ausgleichen, verlieren sie immer mehr Land.
Christian Mölling, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

Aktuell reagiere die Bundesregierung auf das, was jetzt passiert. Die zugesagten Lieferungen werden aber erst in einigen Wochen ankommen und noch später einsatzbereit sein, und es ist unklar, wie und wo die Kämpfe dann stehen. Seine Einschätzung ist: Mit den angekündigten Lieferungen könnte der russische Vormarsch gestoppt werden. Die Frage ist, ob sie rechtzeitig und in ausreichender Stückzahl eintreffen.

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