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"Kirchenschiff" Sea-Watch 4 - Bedford-Strohm: Bis das Problem gelöst ist

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Das "Kirchenschiff" Sea-Watch 4 ist ab heute das einzige zivile Schiff, das Menschen im Mittelmeer rettet. Und zwar solange, so Bischof Bedford-Strohm, bis das Problem gelöst ist.

Die Sea-Watch 4 soll ab heute Menschen aus Seenot auf dem Mittelmeer retten. "Ich bin dankbar, dass es endlich ausläuft", sagt EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm.

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ZDFheute: Sie haben ein Jahr lang sehr dafür gekämpft, dass das Schiff in See stechen kann. Wie geht es Ihnen jetzt?

Heinrich Bedford-Strohm: Ich bin dankbar, dass es endlich ausläuft. Es sterben täglich Menschen im Mittelmeer, und kein Rettungsschiff ist da, das sie rettet. Es ist auch ein Gefühl der Dankbarkeit für all die Menschen, die in unglaublicher Geschwindigkeit mitgeholfen haben, dass das jetzt möglich wurde. Auch für alle, die gespendet haben. Das Schiff hat eine ungeheuer breite Basis. Alle wollen nur eines: dass Menschenleben gerettet werden.

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ZDFheute: Die Sea-Watch 4 wird das einzige Schiff der zivilen Seenotrettung auf dem Mittelmeer sein. Welches Armutszeugnis stellen Sie der Bundesregierung und der EU damit aus?

Bedford-Strohm: Dass die EU seit Jahren zuschaut, wie an den Grenzen Europas Menschen ertrinken, ist skandalös.

Das ist ein Armutszeugnis für Europa.

Es darf nicht so bleiben, dass man mit der libyschen Küstenwache zusammenarbeitet und gerettete Menschen nach Libyen, in den Bürgerkrieg, zurückschickt. Da passieren extreme Menschenrechtsverletzungen. Auch das darf nicht so bleiben. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass wenigstens die zivilen Seenotretter da sind und die Menschen retten. Eigentlich ist das staatliche Aufgabe.

"Dass die EU seit Jahren zuschaut, wie an den Grenzen Europas Menschen ertrinken, ist skandalös", sagt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD.

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ZDFheute: Was passiert, wenn die Menschen, die von der Sea-Watch aufgenommen werden, in den Häfen Italiens oder Spaniens festgesetzt werden?

Bedford-Strohm: Überall in Europa gibt es Menschen, die sagen: Es darf nicht sein, dass Gerettete wochenlang keinen Hafen finden. Obwohl sich viele Städte bereit erklärt haben, die Geretteten aufzunehmen. Wir werden darauf hinweisen.

Wir haben mit mehr als 550 Organisationen im Bündnis eine starke Basis, um öffentlich die Stimme zu erheben, damit die Geretteten an Land gehen können.

ZDFheute: Wie können Sie verhindern, dass diese Menschen in den griechischen Flüchtlingslagern, etwa in Moria, landen?

Bedford-Strohm: Auch diese Lager sind Europa nicht würdig. Deswegen muss beides passieren: Diese Lager, insbesondere in Moria, müssen aufgelöst werden und die Flüchtlinge an einen menschenwürdigen Platz gebracht werden. Und die Geretteten vom Mittelmeer, die ja viel weniger sind, müssen in die Städte verteilt werden.

ZDFheute: Gerade erst hat die Bundesregierung Berlin und Thüringen verboten, mit eigenen Programmen diese Menschen aufzunehmen.

Bedford-Strohm: Das kritisieren wir sehr deutlich. Der Bundesinnenminister hat meine volle Unterstützung, dass er sich während der EU-Ratspräsidentschaft für einen neuen Verteilmechanismus einsetzt. Aber es kann nicht sein, dass man mit dem Argument, nur ganz Europa müsse mitmachen, schlicht nichts tut. Es gibt eine Koalition der Willigen, und die muss die Menschen sofort nach der Rettung aufnehmen.

ZDFheute: Hätte Seehofer dann nicht Thüringen und Berlin erlauben müssen, mehr Gerettete aufzunehmen?

Bedford-Strohm: Diese Humanität darf nicht blockiert werden.

Wenn Länder und Kommunen bereit sind, dann dürfen sie nicht durch das Bundesinnenministerium oder andere europäische Instanzen daran gehindert werden.

ZDFheute: Die Sea-Watch 4 unterstützen nicht nur kirchliche Organisationen, sondern auch ein Taxiunternehmen, eine Tangoschule, ein Kondomhersteller. Sind viel mehr für die Seenotrettung, als man bisher dachte?

Bedford-Strohm: Jedenfalls wird sehr deutlich, wie viele Menschen genau das empfinden, dass nämlich Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden müssen. Und das in einem Maß, das ich selbst nicht erwartet hätte.

Natürlich gab es Kritik, ich bin mit vielen Menschen auch darüber im Gespräch. Die sich mit Hass in den sozialen Netzwerken sehr laut, sehr strategisch äußern, kannten wir schon seit geraumer Zeit. Was wir nicht kannten, ist die riesige Bewegung von Menschen, die sagen: Endlich orientiert sich die Kirche am Doppelgebot der Liebe. Die sagen, sie waren noch nie so stolz auf die Kirche.

In der Evangelischen Kirche gibt es Kritiker, aber auch Unterstützer der Sea Watch 4. "Und das in einem Maß, das ich selbst nicht erwartet hätte", sagt Bedford-Strohm.

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ZDFheute: Wie lange wird die Sea-Watch 4 im Einsatz sein?

Bedford-Strohm: Solange, bis das Problem gelöst ist. Dadurch, dass das Bündnis so breit ist, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir lange durchhalten können.

ZDFheute: Auch finanziell?

Bedford-Strohm: Davon gehe ich aus.

Das Interview führte Kristina Hofmann.

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