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Selenskyj-Rede im Bundestag : "In Europa wird ein Volk vernichtet"

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Der ukrainische Präsident Selenskyj hat in einer Rede die Abgeordneten des Bundestags zu mehr Unterstützung aufgerufen. In Europa werde "ein Volk vernichtet", kritisierte er.

Der ukrainische Präsident übt deutliche Kritik an Deutschland: Die bisherigen Sanktionen gegen Russland würden nicht ausreichen, sagte Wolodymyr Selenskyj.

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In einer fast 15-minütigen Rede hat Präsident Wolodymyr Selenskyj per Video vom Leid der Angriffe Russlands auf sein Land gesprochen. Russland zerstöre Städte, Wohnhäuser, Krankenhäuser, Kirchen. "In diesen drei Wochen sind Tausende Menschen gefallen. Die Besatzer haben 108 Kinder schon getötet – in der Mitte Europas in 2022", sagte Selenskyj.

Westen zu zögerlich

Der Präsident kritisierte das Zögern der EU und auch Deutschlands, mit Blick darauf, dass wirtschaftliche Entscheidungen wichtiger gewesen seien. Selenkskyj betonte mehrfach in seiner Rede, dass Deutschland offenbar wieder eine Mauer aufgebaut habe, hinter die es nicht schauen wolle.

"Sie sind durch eine Mauer von uns getrennt" - es ist eine Mauer zwischen Freiheit und Unfreiheit", sagte Selenskyj. Sie werde größer mit jeder nicht getroffenen Entscheidung. Zu lange habe man auf die Wirtschaft geschaut und Entscheidungen auf die lange Bank geschoben. So sei Nord Stream 2 angeblich "rein wirtschaftlich" gewesen. Aber es sei "der Mörtel für die neue Mauer" gewesen".

Sie wollen nicht hinter die Mauer gucken – sie ist zwischen uns. (...) In Europa gibt es wieder eine Mauer.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine

Sein Land habe nach Sicherheitsgarantien und der Nato gefragt – aber man habe gehört, es sei alles noch nicht klar. Wenn der Eintritt der Ukraine in die EU versagt werde, sei das ebenfalls ein "Stein für die neue Mauer", so der Präsident.

ZDFheute live ordnet die Rede mit den ZDF-Korrespondentinnen in Berlin und Odessa ein.

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Es habe zwar zahlreiche Verhandlungs-Schritte mit der Ukraine gegeben - diese Schritte seien aber zu spät gewesen, die Sanktionen waren "anscheinend nicht genug". Russland nutze Deutschland und auch andere Länder, um den Krieg zu finanzieren.

Mariupol eingekesselt

Der Präsident sprach eindringlich von Mariupol und bat um Hilfe. Die Stadt werde eingekesselt – und "einfach dem Erdboden gleichgemacht". 100.000 Menschen seien 24 Stunden unter Beschuss – ohne Essen, ohne Trinkwasser, ohne Strom", mahnte Selenskyj.

Russische Truppen unterschieden nicht zwischen militärischen und zivilen Objekte, sagte er und sprach das zerstörte Theater in Mariupol an. Geburtskliniken und Wohnquartiere würden ebenfalls zerstört. Es gebe keine Fluchtmöglichkeit und keine Möglichkeit, Hilfe in die Stadt zu bringen.

Seit fünf Tagen wird ununterbrochen geschossen – damit wir unsere Menschen nicht retten können.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine

Im Unterschied zu Berlin damals könne man könne man auch keine Luftbrücke aufbauen, um zu helfen.

Lieber Herr Bundeskanzler Scholz, bitte zerstören Sie diese Mauer, geben Sie Deutschland die Führungsrolle, die Deutschland verdient. (…) Unterstützen sie den Frieden und die Ukraine.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine

Der Präsident resümierte, der Abbau dieser Mauer sei "wichtig für den Frieden in Europa", so Selenkskyj.

Selenksky dankte Deutschland, auch für die große Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme von Flüchtlingen: "Liebes deutsche Volk, ich bin sehr dankbar allen, die uns unterstützen", sagte er. Sein Dank gehe auch an alle Journalisten und an die deutschen Firmen, die die Sanktionen unterstützten. Er danke all jenen, "die nicht nur Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft sehen".

Göring-Eckardt bekräftigt Solidarität

Vize-Präsidentin Katrin Göring-Eckardt hatte Selenskyj zu Beginn begrüßt und in bewegenden Worten die Verbundenheit mit der Ukraine betont. Sie bekräftigte, dass man wahrnehme, was geschehe: "Wir können Sie sehen", sagte sie. "Deutschland ist an Ihrer Seite." Sie beschrieb den Konflikt: "Ihr Land hat sich für die Demokratie entschieden, und genau das fürchtet Wladimir Putin."

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sicherte der Ukraine deutsche Solidarität zu. Zum ukrainischen Präsidenten Selenskyj sagte sie: Deutschland steht an ihrer Seite.

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Dass die Ampel-Koalition nach der Rede Selenskyjs eine Debatte über den Ukraine-Krieg ablehnte, sorgte im Bundestag für Empörung in der Opposition. "Das war heute der würdeloseste Moment im Bundestag, den ich je erlebt habe", schrieb der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen auf Twitter.

Rede schon vor US-Kongress und EU-Parlament

Selenskyj hatte solche Ansprachen unter anderem auch schon im US-Kongress gehalten, wo er auf Pearl Harbour und den 11. September Bezug nahm, sowie im EU-Parlament.

In der Nacht hatte die Ukraine erneut Kämpfe mit russischen Angreifern gemeldet, unter anderem nahe Kiew. Große Sorge herrscht nach wie vor um die eingekesselten Menschen in der Hafenstadt Mariupol.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

zerstörte Häuser in Folge des Krieges in der Ukraine.

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Nazan Gökdemir spricht im heute journal update mit Simon Koschut, Professor für Internationale Sicherheitspolitik über den wohl bevorstehenden Eintritt Finnlands und Schwedens in die NATO, 17.05.2022.

Nachrichten | heute journal update - "Neutralität ist keine Sicherheitsgarantie" 

Vor dem Hintergrund der Angriffe auf die Ukraine sei Neutralität keine Sicherheitsgarantie in der neu entstehenden Ordnung Europas. Der angestrebte Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens mache Europa …

18.05.2022
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Mainz, 17.05.2022: Links zugeschaltet der ehemalige Nato-General Egon Ramms, rechts daneben Christian Sievers im Nachrichtenstudio.

Nachrichten | heute journal - "Widerstand wird fortgesetzt" 

Der ehemalige NATO-General Egon Ramms schätzt die Moral der ukrainischen Soldaten als weiterhin hoch ein, die militärische Lage sei nach wie vor völlig offen.

17.05.2022
Videolänge
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