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Tag 99 im Ukraine-Krieg : Selenskyj: Russland hält Fünftel der Ukraine

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Ein Fünftel der Ukraine wird laut Präsident Selenskyj mittlerweile von russischen Truppen kontrolliert. Vor allem im Osten des Landes wüten die Kämpfe. Tag 99 im Ukraine-Krieg.

Im Osten der Ukraine sterben Präsident Selenskyj zufolge täglich 100 Menschen, 400 bis 500 würden verletzt. Russland kontrolliere derzeit 20 Prozent der Ukraine. Zwei wichtige Städte der Region Luhansk könnten bald ebenfalls an russische Truppen fallen.

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Wir fassen für Sie im Folgenden die wichtigsten Entwicklungen zu Russlands Krieg gegen die Ukraine zusammen. Weitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zu Russlands Angriff auf die Ukraine.

Die Lage an Tag 99:

  • Die russischen Streitkräfte kontrollieren laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj inzwischen "rund 20 Prozent unseres Territoriums". Das Gebiet umfasse fast 125.000 Quadratkilometer und sei größer als die Fläche aller Benelux-Staaten zusammen, sagte Selenskyj in einer Videoansprache vor dem Parlament in Luxemburg. Vor dem russischen Angriffskrieg seien es durch die Krim-Annexion 2014 und die von pro-russischen Separatisten gehaltenen Gebiete im Donbass noch gut 43.000 Quadratkilometer gewesen. Vor allem im Osten des Landes werde die Lage immer schwieriger: "Wir verlieren täglich 60 bis 100 Soldaten", sagte Selenskyj.
Wir müssen uns gegen fast die komplette russische Armee verteidigen. Alle kampfbereiten Truppenteile Russlands sind an diesem Angriff beteiligt.
Wolodymyr Selenskyj

Im Osten der Ukraine gehen die russischen Angriffe weiter. Präsident Selenskyj spricht von weit mehr als 200.000 verschleppten Kinder nach Russland seit Kriegsbeginn.

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  • Die Ukraine betrachtet sich laut Selenskyj schon jetzt als Teil der Europäischen Union. "Die Ukraine ist bereits de facto Mitglied der EU geworden", sagte Selenskyj vor dem Parlament in Luxemburg. "Ich glaube, dass die Ukraine bereits durch ihr Handeln zeigt, dass sie die europäischen Kriterien erfüllt." "Europa steht vor einem großen Test. Ist Europa fähig, seine Werte zu verteidigen?", sagte der ukrainische Präsident. Ohne den russischen Präsidenten Wladimir Putin namentlich zu erwähnen, sagte er:
Man muss diesen einzelnen Menschen daran hindern, die europäischen Werte zu zerstören.
Wolodymyr Selenskyj
  • Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg geht von einem langen Krieg in der Ukraine aus. Der Konflikt sei zu einem Zermürbungskrieg geworden, in dem beide Seiten einen hohen Preis auf dem Schlachtfeld zahlten. "Deshalb müssen wir uns einfach auf eine lange Strecke einstellen“, sagte Stoltenberg am Donnerstag nach einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Washington. Die meisten Kriege endeten am Verhandlungstisch, vermutlich auch im Falle des Ukraine-Kriegs, sagte Stoltenberg.
Aber wir wissen, dass das, was am Verhandlungstisch passiert, sehr eng mit der Situation vor Ort, auf dem Schlachtfeld, verbunden ist.
Jens Stoltenberg

Die Aufgabe der Nato-Verbündeten sei es, die Ukraine in dem Konflikt zu unterstützen, um den bestmöglichen Ausgang für das Land zu erreichen. Stoltenberg bekräftigte, dass die Nato nicht in eine direkte Konfrontation mit Russland eintreten wolle.

  • Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine sind laut Selenskyj mindestens 689 Kinder zu Schaden gekommen. 243 Kinder seien getötet worden. Mindestens 446 Kinder seien verletzt worden, 139 Kinder würden vermisst. "Und das sind nur die, von denen wir wissen." Weit über 200.000 Kinder seien aus der Ukraine nach Russland gebracht worden. Nach Moskauer Militärangaben sind seit Februar knapp 1,6 Millionen Menschen aus den umkämpften Gebieten der Ukraine und den prorussischen Separatisten-Gebieten nach Russland gebracht worden.

Luftalarm und Bombardierungen gehörten weiter zum Alltag der Menschen. Die russischen Streitkräfte würden gezielt die zivile Infrastruktur angreifen, sagt ZDF-Reporter Johannes Hano in Odessa.

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  • Nach Angaben des Kremlsprechers Dmitri Peskow wird es kurzfristig in den besetzten Gebieten in der Südukraine kein Referendum zum Anschluss an Russland geben. Damit widersprach er Forderungen der pro-russischen Verwaltung in den Gebieten Cherson und Saporischschja sowie einigen Moskauer Politikern, die einen schnellen Anschluss der Region an Russland fordern. Im Süden der Ukraine haben russische Truppen das Gebiet Cherson größtenteils und den südlichen Teil des Gebiets Saporischschja - nicht aber die Gebietshauptstadt selbst - besetzt.

Die Situation in den ukrainischen Städten:

  • In der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine ist die Lage laut dem stellvertretenden Generalstabschef Olexij Hromow für die ukrainischen Streitkräfte "schwierig, aber sie ist besser als gestern". Es gebe sehr blutige Straßenkämpfe in der Stadt, sagte Hromow am Donnerstag in der Hauptstadt Kiew. Nach Angaben von Regionalgouverneur Serhij Gajdaj kontrollierten die Russen mittlerweile "80 Prozent der Stadt". Gajdaj sagte, in Bombenschutzräumen des größten Chemiewerks der Stadt versteckten sich schätzungsweise 800 Menschen, darunter auch Kinder, wie der US-Sender CNN berichtet. Russische Truppen sollen das Werk, in denen laut Gajdaj nur noch wenige Chemikalien lagerten, am Donnerstag angegriffen haben. Der ukrainische Armeechef Walerij Saluschnyj erklärte, dass seine Soldaten in Luhansk mit der derzeit "schwierigsten Situation" konfrontiert seien. Schon am Mittwoch hatten die Russen das Stadtzentrum eingenommen.
Montage: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj vor einem Blick auf das zerstörte Mariupol

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  • In der Ukraine haben mehrere Regionen in der Nacht und am frühen Morgen Luft- und Raketenangriffe gemeldet. "Vier feindliche Marschflugkörper wurden abgefeuert. Sie wurden vom Schwarzen Meer aus abgeschossen", bestätigte der Chef der Militärverwaltung im westukrainischen Lwiw, Maxym Kosytzkyj, auf seinem Telegram-Kanal. Demnach richtete sich der nächtliche Raketenangriff gegen Eisenbahnobjekte in den Kreisen Stryj und Sambir. Explosionen waren am Morgen auch in der Hafenstadt Odessa, im Süden der Ukraine, zu hören. Während Kosytzkyj von fünf Verletzten sprach, haben die Behörden zu den Angriffen in Odessa noch keine Angaben gemacht. Der Sprecher der regionalen Militärverwaltung, Serhij Bratschuk, bestätigte zwar einen Luftalarm, warnte aber zugleich lokale Medien vor der Veröffentlichung von Schadensmeldungen, bevor es öffentliche Verlautbarungen dazu gebe.
  • Im Norden der Ukraine haben die Behörden derartige Angaben schon veröffentlicht. So teilte der Gouverneur des Gebiets Sumy, Dmitro Schywytzkyj, auf seinem Telegram-Kanal mit, dass durch Raketenbeschuss im Kreis Krasnopilja ein Wohnhaus völlig zerstört und drei Menschen verletzt worden seien. Im benachbarten Gebiet Charkiw sind nach Angaben von Gouverneur Oleh Synehubow eine Frau getötet und eine weitere Person verletzt worden. Der nächtliche Beschuss habe eine Schule im Charkiwer Stadtteil Saltiwka getroffen.

Reaktionen auf und Folgen des russischen Angriffs:

  • Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) fordert als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine den nächsten Schritt bei der EU-Integration. Zu einem EU-Kandidatenstatus der Ukraine werde die Europäische Kommission gemeinsam einen Vorschlag machen, sagte Baerbock am Donnerstag beim WDR-Europaforum. "Es reicht nicht zu sagen, Ja, ihr gehört zu Europa, sondern ihr gehört in die Europäische Union", sagte Baerbock mit Blick auf die Ukraine. Es werde für das Land aber keinen schnellen Beitrittsprozess und "keinen Rabatt geben".
  • Die EU verzichtet bei ihrem sechsten Sanktionspaket gegen Russland wegen des Widerstands von Ungarn vorerst auf die Sanktionierung des kremltreuen russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupts Patriarch Kirill. Regierungschef Viktor Orban hatte seine Haltung zuletzt "mit der Frage der Glaubensfreiheit ungarischer Religionsgemeinschaften" begründet. Das EU-Sanktionspaket enthält ein weitgehendes Embargo auf russisches Öl, wobei Ungarn, die Slowakei und Tschechien dieses bis auf Weiteres noch über die Druschba-Pipeline importieren dürfen.

Wegen des Widerstands Ungarns verzichtet die EU vorerst auf Sanktionen gegen Putins Unterstützer, den Patriarchen Kirill. Dazu ZDF-Korrespondent Gunnar Krüger aus Brüssel.

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  • Russland wird wegen Sanktionen nach Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wirtschaftlich bald am Ende sein. Zwar könne Putin die Armee vielleicht noch über heimische Produkte wie Öl oder Weizen versorgen, sagte der Grünen-Politiker in der Haushaltsdebatte des Bundestages. Die Wirtschaft des Landes breche aber dramatisch ein. "Er [Putin] kann das nicht mehr lange durchhalten." Er könne von den Öl- oder Gas-Einnahmen wegen der Sanktionen faktisch nichts mehr kaufen. "Es fehlen Sicherheitsupdates für die Flugzeuge mit der Konsequenz, dass die Flugzeuge bald am Boden bleiben." Auch der Handel mit neutralen oder gar prorussischen Ländern gehe deutlich zurück. "Die Zeit arbeitet nicht für Russland, sie arbeitet gegen Russland."
  • Schweden hat neue finanzielle Hilfen und Waffenlieferungen für die Ukraine im Wert von einer Milliarde schwedischer Kronen (95 Millionen Euro) beschlossen, teilten das schwedische Verteidigungs- und das Finanzministerium am Donnerstag mit. "Wir sehen nun eine neue Phase der russischen Invasion, in der (Russland) im Osten und Südosten der Ukraine an Stärke gewinnt", sagte Verteidigungsminister Peter Hultqvist. Stockholm will unter anderem das Schiffsabwehrraketensystem Robot 17 sowie 5.000 Panzerabwehrraketen, Sturmgewehre und Munition liefern.

Das ist an Tag 98 passiert:

Ungarn hat erneut EU-Sanktionen gegen Russland blockiert. Derweil kündigte US-Präsident Biden in einem Meinungsbeitrag für die "New York Times" an, der Ukraine "fortschrittlichere Raketensysteme" zu liefern. Diese würden es "ermöglichen, wichtige Ziele auf dem Schlachtfeld in der Ukraine präziser zu treffen". Bundeskanzler Scholz sagte der Ukraine indes die Lieferung von Flugabwehrsystem zu. Das war die Lage an Tag 98.

Russland wirft den USA vor, mit ihrer angekündigten Lieferung neuer Raketensysteme Öl ins Feuer zu gießen. Währenddessen geraten die ukrainischen Truppen immer stärker unter Druck.

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Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

27. Juni 2022, Krementschuk: Ein Einkaufszentrum steht in Flammen, davor stehen Einsatzkräfte der Feuerwehr und PKWs auf einem Parkplatz.
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