Selenskyj: Schnellerer Nato-Beitritt - Brüssel zurückhaltend

    Nach Annexionen durch Russland:Selenskyj will beschleunigten Nato-Beitritt

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    Die Ukraine will Antrag auf einen beschleunigten Nato-Beitritt stellen. Damit reagiert Präsident Selenskyj auf die Annexionen durch Russland. Die Nato zeigt sich zurückhaltend.

    Wolodymyr Selenskyj
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zu Gesprächen mit Russland bereit - doch nur mit einem anderen Präsidenten.
    Quelle: dpa

    Unmittelbar nach der Annexion von vier Gebieten durch Russland will die Ukraine offiziellen Angaben zufolge einen beschleunigten Beitritt zur Nato beantragen.

    Faktisch haben wir unseren Weg in die Nato schon beschritten.

    Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident

    "Heute stellt die Ukraine den Antrag, um es auch de-jure zu tun", fügte er in einer Videoansprache hinzu. Selenskyj begründete seine Forderung nach einem beschleunigten Beitrittsverfahren mit der Bedeutung der Ukraine für die Verteidigung der westlichen Gesellschaft.
    Nach Angaben des 44-Jährigen ist die Ukraine bereit zum Beitritt, da die Zusammenarbeit mit der Militärallianz funktioniere und das Land während der Kämpfe gegen Russland seine Fähigkeit demonstriert habe, die westliche Waffentechnik zu integrieren.

    Wir vertrauen einander, wir helfen einander, wir verteidigen einander.

    Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident

    Nato verweist auf Beitritts-Bestimmungen

    Die Nato in Brüssel reagierte erst einmal zurückhaltend auf die ukrainische Initiative: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte am frühen Abend, solch eine Entscheidung "erfordere Einstimmigkeit". Er verurteilte die Annexionen und warnte Moskau vor dem Einsatz von Atomwaffen.
    Auf einer Pressekonferenz erklärte er, die Nato-Verbündeten "erkennen die Gebiete nicht als Teil Russlands an und werden dies auch niemals tun." Die Ukraine habe das Recht, die "gewaltsam besetzten Gebiete zurückzuerobern, und wir werden sie bei der weiteren Befreiung der Gebiete unterstützen".
    Er drohte Moskau zudem mit "schwerwiegenden Konsequenzen", sollte Russland im Krieg gegen die Ukraine Atomwaffen einsetzen.

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    Allgemein gilt als Voraussetzung für einen Nato-Beitritt, dass der Beitrittskandidat nicht in internationale Konflikte und Streitigkeiten um Grenzverläufe verwickelt sein darf. Die Ukraine ist am 24. Februar von Russland überfallen worden und verteidigt sich seitdem gegen den Angriffskrieg. Zudem hat Russland bereits 2014 die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert.
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    Quelle: dpa

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