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Rassismus-Debatte - Nico Semsrott verlässt Die Partei

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Der Europaabgeordnete Nico Semsrott verlässt Die Partei im Streit mit deren Vorsitzendem Martin Sonneborn. Auslöser ist dessen Umgang mit Rassismusvorwürfen.

Nico Semsrott in einem Gebäude des EU-Parlaments. Archivbild
Nico Semsrott in einem Gebäude des EU-Parlaments. Archivbild
Quelle: Philipp von Ditfurth/dpa

Der Europa-Abgeordnete und Satiriker Nico Semsrott hat seinen Austritt aus der Partei Die Partei verkündet. Der 34-Jährige begründete dies am Mittwoch damit, wie Parteichef Martin Sonneborn mit Rassismusvorwürfen umgehe. In einer Erklärung heißt es:

Ich finde seine Reaktion auf die Kritik falsch und inakzeptabel.
Nico Semsrott

Das sei ihm bereits in der Vergangenheit bei anderen Fällen so gegangen, sagte Semsrott. "Daraus ziehe ich jetzt meine Konsequenzen."

Fragwürdiger Umgang mit fragwürdigen Witzen

Hintergrund ist unter anderem ein mittlerweile gelöschter Tweet Sonneborns von vergangener Woche.

Dort war der Partei-Chef mit einem T-Shirt zu sehen, dessen Schriftzug suggeriert, Asiaten könnten kein R aussprechen. Etliche Nutzer gaben an, sich rassistisch beleidigt zu fühlen. Kurz darauf legte Sonneborn mit diesem Tweet nach:

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Semsrott wurde 2019 auf der Liste von Die Partei ins Europaparlament gewählt. Anders als Sonneborn, der als fraktionsloser Abgeordneter im EU-Parlament sitzt, hat er sich der Grünen-Fraktion angeschlossen.

Martin Sonneborn (Die PARTEi, l.)), und Nico Semsrott (r.), aufgenommen am 23.04.2019 in Berlin
Damals noch gemeinsam: Martin Sonneborn (Die PARTEi, l.)), und Nico Semsrott (r.) im EU-Wahlkamof.
Quelle: dpa

Semsrott warf Sonneborn nun einen "ignoranten Umgang mit Feedback" vor.

Wenn sich Menschen von seinen Postings rassistisch angegriffen fühlen, muss er nicht viel tun. Es reichen Mitgefühl und der Respekt vor den Betroffenen, um das eigene Verhalten zu korrigieren.
Nico Semsrott

Semsrott hatte Sonneborn zur Entschuldigung aufgefordert

Wenn er Kritik keinen Raum geben könne, den gesellschaftlichen Kontext ausblende, "beleidigt seine Machtposition ausnutzt, sobald Betroffene sich gegen Beleidigungen wehren" und den Schwerpunkt darauf lege, dass "andere nur zu doof seien, seine Kunst zu verstehen", solle er gehen, "weil er aus der Zeit gefallen und am falschen Ort ist".

Er habe Sonneborn vor einigen Tagen gebeten, sich zu entschuldigen, schrieb Semsrott. "Er hat es nicht gemacht. Das ist also kein Versehen, er will das eindeutig so." Die Partei sei in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch vor allem Sonneborns Projekt. Dafür wolle er sein Gesicht nicht weiter hergeben, so Semsrott. Sein Mandat als Europa-Abgeordneter werde er jedoch behalten.

Sonneborn: Wirkung unterschätzt

Sonneborn veröffentlichte am Mittwochabend eine Reaktion auf Semsrotts Rücktritt: Er habe die Wirkung seines "Anti-Trump-Shirts" unterschätzt, schrieb er. Ziel sei es unter anderem gewesen, die "sinophoben Ausfälle und Polemiken" des US-Präsidenten zu karikieren. Es tue ihm leid, "dass Menschen durch die Reproduktion dieser Stereotype" verletzt worden seien. Wenn ein Witz zu "rassistischer Verletzung führt, statt Reflexionsanstöße zu geben", dann sei es "ein misslungener Witz".

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Die Partei war 2004 von Mitarbeitern des Satiremagazins "Titanic" gegründet worden; Sonneborn war damals Chefredakteur. Sie sicherte sich bei der Europawahl 2019 mit 2,4 Prozent der Stimmen in Deutschland zwei Sitze im EU-Parlament. Sonneborn ist bereits seit 2014 im Europaparlament. Seit November 2020 hat "Die Partei" auch einen Bundestagsabgeordneten: Der frühere SPD-Politiker Marco Bülow trat nach zwei fraktionslosen Jahren Sonneborns Partei bei.

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