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Siegestag in Russland : Mehr Krieg, weniger Gedenken

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Panzer rollen durch Moskau: Am 9. Mai feiert Russland jährlich den Sieg über Nazi-Deutschland. Nutzt Putin den Tag, um weitere Soldaten gegen die Ukraine zu mobilisieren?

Am 9. Mai wird in Moskau traditionell mit einer Militärparade an den Sieg über Nazi-Deutschland im 2. Weltkrieg erinnert. In Kriegszeiten ein Datum mit Gefahrenpotential.

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Der "Große Vaterländische Krieg", wie der Zweite Weltkrieg in Russland genannt wird, hat in der ehemaligen Sowjetunion unvorstellbares Leid angerichtet. Je nach Schätzungen sind über 26 Millionen Menschen umgekommen, davon der Großteil Zivilbevölkerung.

Der 9. Mai markiert den Tag des Sieges gegen Nazi-Deutschland und gegen den Faschismus, zu dessen Feier seit dem Zerfall der Sowjetunion jährlich in ganz Russland Siegesparaden abgehalten werden.

Siegestag als Machtdemonstration

Dieses Jahr werden nach offiziellen Angaben 11.000 Soldaten und 131 Einheiten militärischer Ausrüstung an der Parade in Moskau teilnehmen - ausländische Gäste kommen nicht. Bei der Flugschau sollen auch MiG-31-Jets, die mit Kinschal-Raketen bestückt werden können, zu sehen sein - Raketen, die aktuell gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt werden.

Aufgrund des Krieges ist die Parade kleiner als in den Vorjahren. Dafür "wird man vor allem moderne Waffen zeigen, um die eigene Überlegenheit unter Beweis zu stellen", so Stefan Meister, Russland-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Für Oljesa, die in Moskau das Training für die Parade beobachtet, ruft der Tag "wieder einmal in Erinnerung, dass unser Land eine Großmacht ist". Said, ein anderer Zuschauer, fühlt beim Anblick der russischen Militärtechnik Stolz: "Stolz darauf, dass ich in einem großen Land lebe, das seinen geopolitischen Einfluss noch weiter ausdehnen wird."

Sieg - auch gegen die Ukraine?

Aufgrund der hohen emotionalen Bedeutung des Feiertages vermuteten im Vorfeld zahlreiche Expert*innen, dass bis zum 9. Mai der Sieg gegen die Ukraine geplant sei. Das aktuelle Kriegsgeschehen macht jedoch deutlich, dass ein Sieg bis zum 9. Mai unmöglich ist.

Verkünden könnte Putin ihn dennoch - und mit dem Sieg eine vollständige oder teilweise Mobilisierung, so Meister. Denn um die hohen Verluste in der Ukraine auszugleichen, werden neue Soldaten benötigt.

Mobilisiert Putin weitere Soldaten?

Im Fernsehsender "Nastojaschie Wremja", auf Deutsch "Gegenwart", gibt Ruslan Lewiyew, Gründer des Conflict Intelligence Teams, zu bedenken, dass eine vollständige Mobilisierung katastrophale Folgen für die Wirtschaft hätte. Eine Teilmobilisierung von ca. 200.000 Soldaten hält er hingegen für möglich.

Das würde den Verlauf des Krieges wirklich ernsthaft verändern.
Ruslan Lewiyew, Conflict Intelligence Team

Dmitri Peskow, Sprecher von Präsident Putin, bezeichnet die Spekulationen über eine Mobilisierung als "unwahr" und "Unsinn". Abgeordnete des russischen Parlaments reden von ausländisch gesteuerter Panikmache. Ihre scharfe Ablehnung ist nicht weiter verwunderlich: Eine Mobilisierung ist gerade unter der davon betroffenen jungen Bevölkerung nicht beliebt.

Es sieht nicht so aus, als würde Russland bald das Stahlwerk von Mariupol einnehmen. Laut britischen Geheimdienstinformationen hat das russische Militär dort Verluste erlitten.

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Kriegsgedenken als Kriegsbegründung

Neben der Militärparade ist auch das "Unsterbliche Regiment" geplant. Dabei handelt es sich um einen sieben Kilometer langen Gedenkmarsch durch Moskau, bei dem die Teilnehmer*innen Bilder von Kriegsveteranen mit sich tragen. Die Aktion, die 2011 als bewusst unpolitisches, persönliches Gedenken an gefallene Angehörige begonnen hat, ist mittlerweile eine organisierte und staatlich genutzte Veranstaltung.

Gerade der Gedenkmarsch verdeutlicht, dass es am 9. Mai unlängst nicht mehr nur um das Erinnern an den Zweiten Weltkrieg geht: Dieses Jahr sollen auch Bilder von Soldaten gezeigt werden, die momentan gegen die Ukraine kämpfen.

Stefan Meister vermutet, dass Putin "die Verbindung zum Sieg über den deutschen Faschismus und seiner Meinung nach 'ukrainischen Faschismus' ziehen wird. Damit wird er Begründungen finden, warum dieser Krieg geführt werden muss."

Putin werde keinen Sieg verkünden, weil dieser nicht da sei, so Christian Mölling, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, vor dem 9. Mai, dem Feiertag in Russland.

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Experte: Gedenken Teil des Imperialismus von Russland

Putins Instrumentalisierung des Sieges gegen Nazi-Deutschland für den Krieg gegen die Ukraine ist insbesondere aufgrund der hohen Verluste auf ukrainischer Seite im Zweiten Weltkrieg makaber: Über 16 Prozent der ukrainischen Bevölkerung kamen ums Leben; in Russland waren es ca. 13 Prozent.

Statt ukrainischen Opfern mitzugedenken, werden nun russische Soldaten als Helden gefeiert, die gegen die Ukraine kämpfen. Wenig verwunderlich ist daher, dass die russischen Paraden seit 2014 in der Ukraine vor allem "als Teil des russischen Militarismus und Imperialismus wahrgenommen wurden", so Russland-Experte Meister.

Russland okkupiert für sich den Sieg im Zweiten Weltkrieg, ohne die Ukrainer, Belarussen und andere ehemalige Sowjetrepubliken mit einzubeziehen.
Stefan Meister

Der Tag des Sieges war schon immer ein Tag der Feierlichkeiten und Trauer zugleich, angesichts des vielen Leids, das Deutschland im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion angerichtet hat. Dieses Jahr hat der Tag einen noch bittereren Beigeschmack. Statt des Schreckens zu gedenken, facht Putin neuen Schrecken an.

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