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Smolensk - das polnische Trauma

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Flugzeugabsturz vor zehn Jahren - Smolensk - das polnische Trauma

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Vor zehn Jahren stürzte Polens Präsidentenmaschine ab: 96 Tote, darunter Abgeordnete, Offiziere und Präsident Lech Kaczynski. Mit ihm starb auch das politische Korrektiv der PiS.

Während einer Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk trauern Menschen um den dabei verstorbenen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski.
Jährlich gedenken die Menschen in Polen der Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk. Unter den Opfern: der damalige polnische Präsident Lech Kaczynski.
Quelle: picture alliance

Zehntausende Menschen vor dem Präsidentenpalast in der Trauer vereint. Warschau vor zehn Jahren - nachdem die polnische Präsidentenmaschine über dem russischen Smolensk abgestürzt war. Doch das Zusammenstehen in der Trauer hielt nicht lange an.

Trauma für Polen, ein besonderes für Jaroslaw Kaczynski

Der Übervater der nationalkonservativen Regierungspartei PiS hatte mit dem Unfall seinen wichtigsten Vertrauten verloren, seinen Zwillingsbruder - und sein politisches Korrektiv. Der 10. April 2010 habe Jaroslaw Kaczynski verändert, sagt der ehemalige PiS-Berater Michal Kaminski, der sich später von Jaroslaw Kaczynski distanzierte. "Der verstorbene Lech", so Kaminski, "war viel liberaler als Jaroslaw.

Außerdem war die Karriere von Lech für Jaroslaw sehr wichtig. Deswegen hat sich Jaroslaw in mancher Hinsicht gebremst.
Michal Kaminski, ehemaliger PiS-Berater

Es waren miserables Wetter und menschliches Versagen, die zu dem Absturz führten. Ein Unfall, so ermittelte die polnische Untersuchungskommission die Unglücksursache. Doch dies stellt die PiS bis heute in Frage und nährt die Theorie eines gezielten Anschlags. Beweise - Fehlanzeige.

"Diese Verschwörungstheorien haben das Ziel, einen Mythos zu schaffen", sagt Maciej Lasek, Mitglied der ehemaligen Untersuchungskommission: "Viele Leute wollen nicht daran glauben, dass auch Fehler seitens der polnischen Piloten gemacht wurden."

Wie ein Marsch von Nationalisten zur politischen Normalität wurde, sehen Sie in diesem Video:

Zum 10. Mal ziehen die polnischen Nationalisten bei ihrem sogenannten "Marsch der Unabhängigkeit" durch Warschau. Ihr Bild vom perfekten Polen: streng katholisch, keine Einwanderung, keine Einmischung aus Brüssel.

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Absturz von Smolensk spaltet Polen

Die Smolensk-Gedenken wurden zum Polit-Event. Jeden Zehnten jeden Monats, 96 Monate lang (weil es 96 Opfer waren) marschierten in Warschau die PiS Partei-Anhänger auf. "Es ist nicht weit bis zu dem Moment, an dem wir die volle Wahrheit kennen werden" versprach Jaroslaw Kaczynski.

Der Absturz und der Umgang damit hat Polen gespalten. Jaroslaw Kaczynski wird offen radikaler. 2011 benennt er seine Vision: ein Machtmonopol wie es Viktor Orban in Ungarn da schon hat. "Ich bin mir sicher, sagt er, wir werden in Warschau ein Budapest haben."

Als Kandidat hat Jaroslaw Kaczynski nie eine Wahl gewonnen, zu sehr spaltet er. Er zieht schließlich im Hintergrund die Strippen als PiS-Parteichef. Seit 2015 regieren die Nationalkonservativen mit absoluter Mehrheit.

In der PiS-Partei gibt es weitere Proteste zur Wahrung der Unabhängigkeit der Justiz:

Weder Proteste in Polen, noch Kritik aus Brüssel konnten die PiS davon abhalten, ihr Gesetz zur Richterdisziplinierung durchzusetzen. Richter Pawel Juszczyszyn wurde als Folge davon schon vom Dienst suspendiert – geht aber weiter zur Arbeit.

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Jaroslaw Kaczynski beim Umbau Polens kaum zu bremsen

Seit seine PiS-Partei an der Macht ist, will sie den 10. April in der Geschichtspolitik verankern. Smolensk wird in nationalen Zeremonien erwähnt. Auf Warschaus Pilsudskiplatz wurde ein Denkmal errichtet. Hier zeigte sich geradezu exemplarisch die Spaltung Polens. Die Stadt Warschau, in Hand der Opposition, wollte das Denkmal nicht erlauben, die Regierung setzte es durch.

Die erste Parlamentssitzung nach dem Absturz 2010 bleibt ein unvergessliches Bild: Alle Abgeordneten in schwarz-weiß gekleidet und auf den Stühlen der verunglückten Parlamentarier lagen Blumen.

Zehn Jahre danach hat sich bei Jaroslaw Kaczynski eines nicht geändert: weißes Hemd, schwarzer Anzug, schwarze Krawatte. Er hatte einst angekündigt, dass er bis zum Ende seines Lebens Trauerkleidung tragen werde. Smolensk hat Polen verändert, weil der starke Mann Polens seitdem beim Umbau des Landes kaum zu bremsen ist.

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