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Spahn zu Neuinfektionen - "Mit 1.000 kann das Gesundheitswesen umgehen"

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Für Gesundheitsminister Spahn hat das Coronavirus - trotz steigender Infektionszahlen - ein Ausmaß, mit dem man umgehen könne. Eine Testpflicht für Risiko-Urlauber will er dennoch.

Das Robert-Koch-Institut meldet den zweiten Tag in Folge wieder mehr als 1.000 Coronvirus-Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter hätten 1.147 neue Ansteckungen registriert, teilte das RKI an diesem Freitag mit. Im Schnitt haben sich in den vergangenen sieben Tagen 800 Menschen angesteckt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht dennoch keinen Grund zur Besorgnis. Im Interview mit dem ZDF heute journal versicherte er am Donnerstagabend, dass das deutsche Gesundheitswesen gut vorbereitet sei. Die Testpflicht für Reisende in Risikogebieten bezeichnete er als sinnvolle Schutzmaßnahme.

ZDF: Warum kommen diese Testverpflichtungen erst jetzt. Ist das nicht ein bisschen spät?   

Jens Spahn: Es gibt seit Monaten die wichtige Regelung, dass Rückkehrer und Einreisende aus Risikogebieten zwei Wochen in Quarantäne müssen. Gleichzeitig macht die Testpflicht zusätzlich Sinn. Und die haben wir jetzt auch zügig umgesetzt. Im Übrigen ist mein Eindruck: Die allermeisten Bürger wollen sich sogar gerne testen lassen. Da geht's für viele auch um ein Stück Sicherheit.

ZDF: Wenn man will, kann man sich dem aber auch ziemlich leicht entziehen - auch bei Autoreisen.

Spahn: Das stimmt. Es ist natürlich gerade bei den Landgrenzen am Ende nur möglich, stichprobenartig zu testen. Aber es gibt heute schon die Verpflichtung, dass - wenn ich aus einem Risikogebiet einreise - ich mich bei meinem Gesundheitsamt vor Ort, am Wohnort und am Zielort melden muss. Das bleibt auch weiterhin der Fall. Und wer keinen Negativ-Test hat, wer nicht getestet wird oder sich nicht testen lässt, der muss auch weiterhin zwei Wochen in Quarantäne.

ZDF: Man kann sich fragen, wie sinnvoll es ist, nur Risikogebiete zu testen. Also selbst wenn man sich an alle Regeln hält, ist man wahrscheinlich in Luxemburg (Risikogebiet) weitaus weniger gefährdet, als bei einer Saufparty auf Mallorca.

Spahn: Deswegen haben wir ja die Möglichkeit - für alle Einreisenden - sich kostenlos testen zu lassen. Auch das ist eine Schutzmaßnahme. Wir haben im Moment auch ausreichende Testkapazitäten für ein solches Angebot.

ZDF: Das ganze geschieht ja auch vor dem Hintergrund steigender Zahlen, auch durch Reiserückkehrer - aber nicht nur. Stehen wir vor dieser sogenannten zweiten Welle?

Spahn: Wir müssen uns daran gewöhnen, dass dieses Virus dauerhaft mit uns ist. Dass wir unseren Alltag mit diesem Virus gestalten und gestalten lernen. In vielen Ländern der Welt ist das Virus mehr denn je unterwegs. Und wir sehen auch in Deutschland immer wieder Ausbrüche. Übrigens immer in bestimmten, nachvollziehbaren Settings: wie bei Familienfeiern oder in Schlachthöfen.

ZDF: Ab wann sagt die Bundesregierung, das könne jetzt so im Moment nicht weiterlaufen, sonst werden die Zahlen kritisch?

Spahn: Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesundheitswesen und der Gesundheitsdienst umgehen können. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag aufeinander zu achten, um weitere Maßnahmen zu vermeiden.

ZDF: Ab wann sagen Sie, jetzt müssen wir eigentlich wieder in eine Art Lockdown?

Spahn: Zuerst einmal würde man es sicherlich deutlich differenzierter machen können, auch mit den Erkenntnissen die wir aus dem März haben. Es würde sich sicherlich primär auf regionale Maßnahmen,wie in Gütersloh, konzentrieren. Dass man nochmal das Einkaufen mit Maske einschränken muss, sehe ich nicht.

ZDF: Aber eine konkrete Zahl haben Sie nicht? Es gab ja mal Zeiten, da wurden konkrete Zahlen genannt.

Spahn: Es gibt nicht diese eine Zahl. Es gibt den Steigerungsfaktor, um wie viel dynamischer wird das Infektionsgeschen. Es gibt die absolute Zahl der Infektionen. Mit um die 1.000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen.

Das Interview führte Marietta Slomka. Im Artikel ist es in Auszügen dargestellt, das Interview in voller Länge sehen Sie oben im Video.

Ein Coronatest wird bei einer Reiserückkehrerin durchgeführt am 05.08.2020

Reisende aus Risikogebieten - Für Reisende aus Risikogebieten: Corona-Testpflicht ab Samstag 

Das Infektionsgeschehen in Deutschland und die nationale Teststrategie: Bundesgesundheitsminister Spahn nimmt Stellung zur Corona-Lage. Die Pressekonferenz hier live.

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