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40 Jahre Putschversuch - Als Spaniens Demokratie gerettet wurde

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Vor 40 Jahren war es mit der damals noch jungen Demokratie in Spanien fast vorbei. Die Faktoren, die den Putsch scheitern ließen, festigen Demokratien noch heute.

Putschversuch in Spanien 1981
Mit gezogener Pistole steht der Putschist Antonio Tejero Molina gestikulierend am Rednerpult im spanischen Parlament. (Archivbild)
Quelle: dpa

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein überzogenes Schauspiel: Ein Leutnant, Pistole in der Hand, Dreispitz auf dem Kopf, stürmt mit seinen Gefolgsleuten den Saal des spanischen Parlaments. "Auf den Boden, auf den Boden", ruft er, dann fallen Schüsse.

Tatsächlich jedoch hat diese Szene vom 23. Februar 1981 Spanien in eine Schockstarre versetzt, hallt diese historische Nacht bis heute nach. Denn die damals junge und noch sehr fragile Demokratie steht auf Messers Schneide. Erinnerungen an den Bürgerkrieg und die gerade erst überwundene Franco-Diktator lassen die Spanier den Atem anhalten.

Kein Staatschef in Europa hat sich so lange an der Macht gehalten wie Francisco Franco. Wer war dieser undurchsichtige Alleinherrscher, der Spanien 36 Jahre mit eiserner Faust regierte?

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Im Kongress verschanzen sich stundenlang etwa 200 aufständische Offiziere und nehmen Regierung und Parlament als Geisel. Bis König Juan Carlos seine Macht als Oberbefehlshaber ausspielt, die Soldaten in die Kasernen beordert und sich - für die Putschisten überraschend - hinter die demokratische Verfassung stellt.

Gründungsmythos der spanischen Demokratie

Enrique Baron Crespo saß damals für die Sozialisten im Parlament. Er berichtet, wie Franco-treue Mitglieder der Guardia Civil, die Kameras mit ihren Gewehrkolben zerstörten. Alle - bis auf eine. Die Bilder, die sie aufzeichnete, bezeugen nicht nur das brutale Vorgehen der Putschisten. Sie zeigen auch, wie drei Staatsmänner, darunter der Regierungschef Adolfo Suarez, aufrechten Widerstand leisten, sich nicht hinter den Sitzreihen verstecken, als Schüsse fallen.

Für ihn sei das immer noch sehr emotional, auch wenn es schon 40 Jahre her ist, sagt Enrique Baron Crespo.

Aber wenn man den Staatsreich damals aus der heutigen Perspektive betrachtet, war es nicht nur ein schlimmer und dramatischer Moment, sondern auch ein Moment, der die Demokratie in Spanien gefestigt hat.

Ein Moment, der oft als Gründungsmythos der spanischen Demokratie beschrieben wird und der den Literaten Javier Cercas bis heute fesselt. "Diese drei Männer waren nicht in der Demokratie groß geworden, haderten sogar mit ihr. Aber als der Moment der Wahrheit kam, entschieden sie sich, ihr Leben für die Demokratie aufs Spiel zu setzen." Das Land geht gefestigt aus jener Nacht hervor.

Angriffe auf die Demokratie heute subtiler

Doch angesichts zunehmender Spaltung der Gesellschaft und dem politischen Höhenflug der rechtspopulistischen Partei Vox mahnt Cercas, die Demokratie nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sich immer wieder für die gemeinsamen Werte einzusetzen. Die Gefahr eines Staatsstreichs bewaffneter Militärs sieht er nicht, zumindest nicht in den westlichen Demokratien. Heute würden die Antidemokraten subtiler vorgehen:

Was wir sehen werden, sind Angriffe auf die Demokratie. Staatsstreiche, die ich postmodern nenne.
Javier Cercas

"Putsche, die vorgeben, die Demokratie retten zu wollen. So wie es Trump gemacht hat, was in Katalonien passiert ist. Was wir in Polen sehen, in Ungarn und in anderen Ländern. Der Nationalpopulismus wird zunehmen."

Wegen Beleidigung des Königshauses wurde der spanische Rapper Pablo Hasél inhaftiert. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um seine Freilassung zu fordern.

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2 min
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Crespo: Demokratie ist auf Unterstützung der Gesellschaft angewiesen

Die Demokratie sei ein System, das auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen ist, sagt der ehemalige spanische Abgeordnete und spätere Präsident des Europäischen Parlaments Enrique Baron Crespo.

Diese Unterstützung hat Spanien vor 40 Jahren vor dem Umsturz bewahrt. Und macht die operettenhafte Szene aus jener Nacht vom 23. Februar 1981 zum Lehrstück dafür, wie schnell Demokratien in Gefahr geraten können.

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