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Bürgerschaftswahl in Hamburg - Kopf-an-Kopf-Rennen ist abgesagt

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Noch vor wenigen Wochen deutete in Hamburg alles auf ein enges Rennen zwischen der SPD und den Grünen hin. Jetzt sehen die Meinungsumfragen die Sozialdemokraten als klaren Sieger.

Wahlplakate in Hamburg zeigen die in Prognosen führenden Kandidaten Peter Tschentscher (SPD) und Katharina Fegebank (Grüne)
In Hamburg wird am Sonntag die neue Bürgerschaft gewählt.
Quelle: reuters

Die SPD hat sich in den Meinungsumfragen als klarer Sieger der Bürgerschaftswahl in Hamburg abgesetzt. So werden, daran gibt es keinen Zweifel, Peter Tschentscher (SPD) und Katharina Fegebank (B'90/Grüne), wieder eine rot-grüne Koalition schmieden, nicht ganz wie gehabt vermutlich. Denn die Grünen werden ihren Stimmenanteil im Vergleich zur letzteren Wahl wohl in etwa verdoppeln.

Im Herbst hatte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin es gewagt, auf das Amt der Ersten Bürgermeisterin Anspruch zu erheben. Das hatte es an der Elbe noch nie gegeben. 199 Bürgermeister zählen die Annalen der Freien und Hansestadt Hamburg in den letzten Jahrhunderten. Aber eine Frau hatte den Posten noch nie inne. So sahen sich die Grünen auch angesichts ihrer extrem guten Umfragewerte im letzten Jahr mit ihrer Vorzeigefrau Katharina, "der Ersten" schon am Ziel.

Doch Peter Tschentscher, der Amtsinhaber und Nachfolger von Olaf Scholz auf dem höchsten Posten arbeitete vom ersten Tag an fleißig daran, in Hamburg bekannt und bekannter zu werden. In den letzten zwei Jahren verging kaum eine Woche, in der er nicht zusätzlich zu seinen Führungsaufgaben, in einem der 104 Stadtteile einen Ortstermin hatte. Seine Bürgergespräche steigerten nicht nur seinen Bekanntheitsgrad.

Modell Ur-Hamburger Bürgermeister

Tschentscher ist - obwohl gebürtiger Bremer - ganz das Modell des Ur-Hamburger Bürgermeisters - etwas unscheinbar, aber verbindlich im Auftritt, grundseriös und solide. Da konnten ihm, dem ehemaligen Finanzsenator, auch auf den letzten Metern vor der Wahl Ungereimtheiten im Cum-Ex-Skandal rund um die Hamburger Warburg-Bank nichts mehr anhaben.

Nicht nur die Oppositionsparteien, auch der grüne Koalitionspartner kritisierten ihn mit Fragen, die er und seine SPD längst beantwortet zu haben glaubten. Erst nach der Wahl wird sich zeigen, ob die SPD-geführte Finanzbehörde tatsächlich Fehler gemacht und auf mindestens 47 Millionen Euro Steuerrückzahlungen verzichtet hat.

Hamburger Themen und dann Thüringen

Verkehrspolitik, Klimapolitik, Wohnungsbau, auch Hamburg als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort waren wichtige Themen. Wie autofrei oder -arm darf die Innenstadt werden. Und wie muss man den öffentlichen Nahverkehr organisieren und finanzieren, wie aus der Hansestadt eine Fahrradstadt machen? All diese Fragen und Themen dominierten den Wahlkampf in der Elbmetropole bis - ja bis in Thüringen ein FDP-Mann sich von CDU und AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ.

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Das empörte auch in Hamburg viele Menschen so sehr, dass CDU und FDP "nach" Thüringen noch weniger zu lachen hatten, als schon zuvor. Beide sind in den letzten Umfragen des Politbarometers bei Tiefständen gelandet. Die Liberalen bangen um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft, die Christdemokraten sind so schwach wie nie zuvor.

Berliner Polit-Prominenz eher verhalten

In Hamburg führt man traditionell Wahlkämpfe gerne ohne Bundesprominenz. Sagt die SPD - auch angesichts des in Hamburg nicht sehr beliebten Berliner Führungspersonals der Partei. Von der CDU ließ sich schon mancher aus Berlin blicken an der Elbe. Spahn, Merz, Altmaier zum Beispiel. Aber keine AKK und keine Merkel.

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Von den Grünen dagegen waren Habeck und Baerbock im Dauereinsatz, auch Lindner von der FDP. Riexinger und Kipping für die Linke. Meuthen und Gauland für die AfD. Apropos: Die Rechtspopulisten werden es in den Umfragen zufolge wohl wieder schaffen in die Bürgerschaft. Auch wenn es knapp wird.

Das Kreuz mit der Wahl nach Hanau

Über Hanau war der Schock vor drei Tagen so groß, dass alle gleich am Donnerstag ihre Wahlkampfabschluss-Veranstaltungen absagten. Stattdessen versammelten sich die Spitzenkandidat(inn)en zur Gedenkstunde vor dem Rathaus.

Dort hat die resolute Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veith von der SPD, schon vor Wochen ein großes Kreuz aufstellen lassen, das bei Dunkelheit fröhlich, bunt strahlt. Und sagen soll: Geht wählen, liebe Hamburger und Hamburgerinnen. Es ist nicht nur euer Recht. Eben genau so, wie es in einer parlamentarischen Demokratie sein sollte.

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