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Vorfall am Rheinufer - Spekulationen um Schuss auf junge Männer

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Kurz vor Silvester wird ein junger Mann nahe des Rheinufers angeschossen. Der Schuss soll aus der Waffe eines CDU-Politikers stammen. Seine Identität beschäftigt nun das Netz.

Polizist in Köln
Polizist in Köln
Quelle: reuters

Es passierte in der Nacht zum 30. Dezember 2019. Im Kölner Stadtteil Porz sind gegen Mitternacht vier junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 23 Jahren am Rheinufer unterwegs. Offenbar machen sie Lärm, möglicherweise fließt Alkohol. Noch ist das nicht zweifelsfrei geklärt. Dann soll laut Polizeibericht ein 72-Jähriger aus seinem Haus gekommen sein und die vier Personen zur Rede gestellt haben: "Nach einem kurzen Streit soll der 72-Jährige nach Zeugenangaben mit einem Revolver auf die Männer gezielt haben. Sekunden später habe der Geschädigte die Schussverletzung erlitten." So steht es im Polizeibericht. Der 72-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen. Auf Anordnung entnahm ihm ein Arzt im Polizeigewahrsam eine Blutprobe.

Klar ist, dass eine solche Tat mit den Erwartungen an ein öffentliches Mandat unvereinbar wäre.
Henriette Reker, Kölner Oberbürgermeisterin

Die Kölner Lokalpresse berichtete nach Neujahr über den Fall. Später stellte sich heraus, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen CDU-Politiker handelt, der Mitglied der Bezirksvertretung im des Stadtbezirks Porz ist. Bei der Kommunalwahl im Herbst wäre er wohl ohnehin nicht mehr angetreten. Am Mittwochabend teilte die Kölner CDU mit, der Politiker werde sein Mandat in der Bezirksvertretung Porz ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe vollständig aufgeklärt sind. Der Kölner CDU-Partei- und Fraktionschef Bernd Petelkau begrüßte die Entscheidung. Er hofft auf einen schnellen Abschluss der Ermittlungen, "damit rasch Klarheit darüber entsteht, was sich tatsächlich zugetragen hat. Bis dahin gilt für die Beteiligten die Unschuldsvermutung", ließ er schriftlich erklären. Die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte: "Klar ist, dass eine solche Tat mit den Erwartungen an ein öffentliches Mandat unvereinbar wäre."

Kritik in den sozialen Medien

Am Donnerstag veröffentlichte die Partei eine weitere Erklärung: "Konflikte dürfen in unserem Land nicht mit Gewalt gelöst werden. Erst recht nicht mit dem Einsatz von Schusswaffen." Das sei weder mit den Grundwerten und Gesetzen Deutschlands noch den Grundsätzen der Partei vereinbar. Zuvor war die Haltung der CDU zu dem Fall in sozialen Medien in Frage gestellt worden.

Auf Twitter wird die Namensnennung des CDU-Politikers gefordert

Der mutmaßliche Täter war tagelang für niemanden erreichbar, schaltete später Medienanwalt Ralf Höcker ein, um zu verhindern, dass der Name des Mannes öffentlich wird. Allerdings weiß inzwischen fast jeder, der es wissen möchte, um wen es sich handelt. Viele fordern die Nennung des Namens, da es sich um einen Mandatsträger handelt. In sozialen Netzwerken wird darüber spekuliert, er stehe der AfD nahe und sei zudem Mitglied eines Schützenvereins. Ralf Höcker twitterte angesichts dieser Spekulationen: "Vor dem hysterischen Herumspekulieren einfach mal die Ermittlungen abwarten. Wir werden vorläufig weiterhin nicht sagen, was wirklich geschah. Geduld!"

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In der Tatnacht stellte die Polizei im Haus des Politikers laut Polizeibericht fünf scharfe Schusswaffen sicher. Ob sich darunter die Tatwaffe befindet, ist noch nicht klar. Der 72-Jährige muss sich nach jetzigem Stand wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung (und nicht wegen versuchten Totschlags) verantworten. "Das ist eine vorläufige rechtliche Bewertung, die sich je nach Ermittlungsstand auch ändern kann", erklärte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn gegenüber dem ZDF. Für den Tatbestand des versuchten Totschlags müssten ganz bestimmte Voraussetzung wie zum Beispiel Vorsatz nachgewiesen werden. Weil weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr bestehe, sei der Politiker auch nicht in U-Haft genommen worden.

Hintergründe des Vorfalls müssen noch ermittelt werden

Was aber genau am Kölner Rheinufer passiert ist, müssen jetzt die Ermittlungen ergeben. Hat es auch eine körperliche Auseinandersetzung gegeben? War es möglicherweise Notwehr? Warum hat der 72-Jährige nicht die Polizei gerufen, als er sich möglicherweise gestört fühlte? Am Rheinufer in Köln-Porz kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Polizeieinsätzen, weil Anwohner sich über Ruhestörungen beklagt hatten. Vor allem in den Sommermonaten ist ein Pavillon am Rheinufer immer wieder Treffpunkt für junge Leute.

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