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75 Jahre Auschwitz-Befreiung - Steinmeier zu historischem Besuch in Israel

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Besondere Reise: Als erstes deutsches Staatsoberhaupt wird Bundespräsident Steinmeier in der Gedenkstätte Yad Vashem sprechen. Anlass: der 75. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2.v.l) und seine Frau Elke Büdenbender (r) werden auf dem Flughafen Ben Gurion, Israel, von Arie Deri und Susanne Wasum-Rainer begrüßt, aufgenommen am 22.02.2020
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2.v.l) und seine Frau Elke Büdenbender (r.) werden am Flughafen vom israelischen Innenminister Arie Deri und Susanne Wasum-Rainer, deutsche Botschafterin in Israel, begrüßt. Nach seinem Israel-Besuch reist der Bundespräsident zum Auschwitz-Gedenken nach Polen.
Quelle: dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist mit seiner Frau Elke Büdenbender zu einem zweitägigen Besuch in Israel eingetroffen, um dort am internationalen Holocaust-Gedenken in Yad Vashem teilzunehmen.

Mit Dankbarkeit und Demut ergreife ich die Hand, die meinem Land und mir mit der Einladung zum World Holocaust Forum als Zeichen der Versöhnung gereicht wird.
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

So schrieb Steinmeier beim Treffen mit Israels Präsident Reuven Rivlin in einem Eintrag ins Gästebuch. Anschließend war ein Besuch in einem Zentrum für die psychosoziale Hilfe von Überlebenden des Holocaust und ihren Nachkommen in Israel geplant.

Am Donnerstag wird Steinmeier im Gedenken an die Befreiung des Todeslagers Auschwitz vor 75 Jahren in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem eine Rede halten. Dazu werden Staatsgäste aus fast 50 Ländern in Jerusalem erwartet, unter ihnen die Präsidenten Frankreichs und Russlands, Emmanuel Macron und Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence und der britische Thronfolger Prinz Charles.

Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. Die Großveranstaltung mit dem Titel "An den Holocaust erinnern, Antisemitismus bekämpfen" findet auch vor dem Hintergrund einer weltweiten Welle antisemitischer Vorfälle statt.

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz werden Juden in Deutschland wieder offen bedroht. Zugleich gibt es immer weniger Holocaust-Überlebende, die vor den Gräueltaten der Nationalsozialisten mahnen können.

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Historische Rede in Yad Vashem

Steinmeier und Rivlin werden sich am Montag kommender Woche, dem eigentlichen Jahrestag, auch in Auschwitz treffen. Zwei Tage später wollen sie in einer Gedenkstunde des Bundestags reden.

Für Deutschland steht das Holocaust-Gedenken im Vordergrund, nicht politische Gespräche, keine Politisierung des Events.
ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht

"Für Deutschland steht das Holocaust-Gedenken im Vordergrund, nicht politische Gespräche, keine Politisierung des Events", sagt ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht über den Besuch Steinmeiers in Israel. "Wir haben genug Akteure am Start, die das anders sehen dürften. Israels Premier Netanjahu wäre es zum Beispiel zuzutrauen, dass er nach drei Sätzen zum Holocaust sofort auf Iran zu sprechen kommt. Auch bei Putin weiß man nie."

Steinmeier will Zeichen gegen Antisemitismus

Steinmeier will mit seinen Besuchen in Israel und Polen nach Darstellung des Bundespräsidialamts die bleibende Verantwortung Deutschlands für den millionenfachen Mord an Juden zum Ausdruck bringen - und das bewusst gegen alle Forderungen, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Der Bundespräsident will demnach deutlich machen, dass die Lehre aus dem Holocaust sein muss, eine bessere Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Das Gedenken dürfe sich nicht in einer schlichten Wiederholung der Formel "Wir haben verstanden" erschöpfen.

Steinmeier treibt um, dass heute viele Menschen und Politiker die Lösung der Probleme in neuem völkischen Denken, übersteigertem Nationalismus und Antisemitismus sehen. Dies seien neue Herausforderungen, die es zu bewältigen gelte, heißt es im Bundespräsidialamt. In Jerusalem will Steinmeier zudem ein Bekenntnis der unverbrüchlichen Solidarität Deutschlands zum Staat Israel und seinen Menschen ablegen. Zu erwarten ist, dass der Bundespräsident die Bühnen in Jerusalem, Auschwitz und Berlin nutzen wird, um sich in deutlichem Ton zu diesen Themen zu äußern.

Am 27. Januar 1945 befreit

Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, zumeist Juden. Als Soldaten der Roten Armee das Lager am 27. Januar 1945 erreichten, fanden sie in ihm noch etwa 7.000 überlebende Häftlinge. Viele von ihnen starben innerhalb kurzer Zeit an den Folgen von Hunger, Krankheiten und Erschöpfung. Wegen des Näherrückens der Roten Armee hatte die SS am 18. Januar Zehntausende Häftlinge von Auschwitz aus auf Todesmärsche in Richtung Westen geschickt. Viele der kranken, ausgehungerten und nur spärlich bekleideten Menschen starben in der eisigen Kälte oder wurden von ihren Bewachern erschossen. Die Nazis und ihre Helfer ermordeten während des Holocaust insgesamt rund sechs Millionen Juden.

"Wir dürfen nie vergessen" sagte die Bundeskanzlerin bei ihrem ersten Besuch ihrer Amtszeit im Konzentrationslager. Ein Überlebender erzählt von seinen Erfahrungen.

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EU-Parlamentspräsident David Sassoli sagte vor Beginn des Holocaust-Forums, die Europäische Union sei im Schatten von Auschwitz gegründet worden, um Europa wieder zu vereinen "und dafür zu sorgen, dass sich die Schrecken des Zweiten Weltkriegs niemals wiederholen". Alarmierenderweise scheine es so, als würden die Lehren aus der Geschichte in Vergessenheit geraten.

Wir beobachten ebenso ungläubig wie wütend, dass der Dämon des Antisemitismus in Europa und auf der ganzen Welt zurückkehrt.
David Sassoli, EU-Parlamentspräsident

In Deutschland hatte zuletzt vor allem der Anschlag auf die Synagoge in Halle (Sachsen-Anhalt) für Entsetzen gesorgt. Anfang Oktober hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, gewaltsam in das Gotteshaus einzudringen, in dem Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag begingen. Er scheiterte, weil die Tür seinem Beschuss stand hielt. Daraufhin erschoss der Attentäter in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht ein Paar schwer, bevor er festgenommen wurde. Der 27 Jahre alte Deutsche räumte rechtsextreme und antisemitische Motive ein.

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