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Ukraine-Krieg : Stoltenberg: Europa muss noch mehr tun

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Die Hilfe für die Ukraine - auch die militärische - darf nicht nachlassen, sagt Nato-Generalsekretär Stoltenberg. Er dankte Deutschland - und erwartet, dass es noch mehr tut.

Sechs Monate Krieg gegen die Ukraine: Nato-Generalsekretär Stoltenberg erklärt im ZDF-Interview, was er jetzt von Europa und Deutschland erwartet.

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ZDFheute: Herr Stoltenberg, wir begehen ein trauriges Jubiläum: sechs Monate Krieg gegen die Ukraine. Viele Beobachter sehen eine Kriegsmüdigkeit des Westens. Haben sie recht?

Jens Stoltenberg: Was wir sehen, ist beispiellose Unterstützung von europäischen Nato-Verbündeten, von Deutschland, von Kanada, den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern der Welt. Ich habe heute an der Krim-Plattform von Präsident Selenskyi teilgenommen - und die Nachricht, die dort von allen anwesenden Staatenführern gesandt wurde, war eindeutig: Wir stehen hinter der Ukraine und wir unterstützen sie, solange es nötig ist. Das ist die Nachricht der Nato-Verbündeten.

ZDFheute: Wenn man sich die Fakten aber ansieht - die militärische Unterstützung geht in den vergangenen Wochen deutlich zurück. Es gab keine weiteren Zusagen im Juli oder August von den großen europäischen Ländern. Ist das nicht ein Zeichen für Kriegsmüdigkeit, zumindest bei den europäischen Ländern?

Stoltenberg: Ich sage nicht, dass es einfach ist. Es verlangt harte Arbeit. Ich setze mich in Zusammenarbeit mit anderen Staats- und Regierungschefs der Allianz in Europa und Nordamerika dafür ein, dass wir weiterhin Unterstützung sicherstellen.

Erst vor ein paar Tagen haben die USA über 800 Millionen US-Dollar an zusätzlicher Militärhilfe angekündigt. Ich erwarte auch von den europäischen Verbündeten, dass sie hier weiter voranschreiten.

Hier möchte ich auf Deutschland, die deutsche Regierung und die Menschen in Deutschland hinweisen, die bedeutende Unterstützung geleistet haben. Aber ich erwarte trotzdem, dass sie noch mehr tun.
Jens Stoltenberg, Nato-Generalsekretär

Es ist Krieg in Europa. Russland hat die Ukraine überfallen. Seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Nato rüstet auf, Russland droht – was wird aus Europa?

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ZDFheute: Die Aufmerksamkeit der Welt hat sich fraglos verlagert. Europa steht vor einer Krise im Winter - und ist mit sich selbst beschäftigt. Glauben Sie wirklich, dass wir die Kraft haben, die Ukraine in den nächsten sechs Monaten, dem nächsten Jahr zu unterstützen?

Stoltenberg: Der Winter kommt - und er wird hart sein. Wir werden einen Preis bezahlen für unsere Unterstützung an die Ukraine als Konsequenz der Sanktionen und natürlich infolge der Tatsache, dass Russland Energie als Waffe nutzt. Wir müssen aber verstehen, dass es keine Alternative zu unserer Unterstützung gibt. Diese Unterstützung hat ihren Grund im brutalen Angriffskrieg von Präsident Putin gegen eine souveräne, unabhängige Nation in Europa – die Ukraine. Wir müssen uns außerdem klar machen: Der Preis, den wir zahlen würden, wenn wir die Ukraine nicht unterstützen und Russland gewinnen würde, wäre viel höher.

Gehen die Kämpfe in der Ukraine in eine entscheidende Phase? Und hat die Ukraine die richtigen Waffen, um Gebiete zurückzuerobern? Fragen an den Militärexperten Carlo Masala.

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Ich verneine also nicht, dass wir den Preis eines harten Winters zahlen müssen, aber nicht zu handeln, macht die Welt noch gefährlicher und suggeriert, dass aggressive und militärische Aktionen belohnt werden. Und das kreiert auch für uns eine gefährlichere Welt. Also:

Ja, wir bezahlen einen Preis. Aber der Preis, den wir hier zahlen, kann in Geld gemessen werden. Der Preis, den die Ukrainer zahlen, wird in Leben gemessen - die Leben, die jeden Tag verloren gehen.
Jens Stoltenberg, Nato-Generalsekretär

Wir müssen die Ukraine also weiter unterstützen.

ZDFheute: Was kann getan werden, was können Sie tun, um die Kriegsmüdigkeit zu bekämpfen?

Stoltenberg: Die Menschen daran erinnern, was auf dem Spiel steht. Es ist Solidarität mit mehr als 40 Millionen Ukrainern. Es geht aber auch darum, unsere eigenen Interessen zu schützen. Es sind die Regeln der Weltordnung, dass Großmächte nicht einfach bei Nachbarn einmarschieren können. Wenn wir das zulassen, erschaffen wir eine Welt, in der die Gefahr für Krieg steigt und die Gefahr für Aggressionen gegen Nato-Verbündete steigt. Es ist in unserem eigenen Interesse, dass wir das verhindern. Wir sind dann sicherer und wir verhindern zukünftig Krieg.

ZDFheute: Wie ist ihre aktuelle Einschätzung: Kann die Ukraine diesen Krieg tatsächlich gewinnen - und falls ja, wann?

Stoltenberg: Präsident Putin hat eine riesige Fehlkalkulation gemacht. Er dachte, er gewinnt in der Ukraine innerhalb weniger Tage. Jetzt haben wir bereits sechs Monate Krieg. Russland hat große Verluste zu beklagen - die Ukraine war in der Lage zurückzuschlagen und Gebiete im Norden um Kiew und im Osten um Charkiw zurückzugewinnen und außerdem die Offensive im Donbass zu stoppen. Aber: Kriege sind in ihrer Natur unvorhersehbar.

Sechs Monate nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sei das Ziel eines Regimewechsels gescheitert, so Russland-Expertin Sarah Pagung.

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Wir haben die russische Invasion sehr genau vorhersagen können. Wir haben bereits im letzten Herbst davor gewarnt. Aber wie der Krieg verlaufen wird, ist unvorhersehbar. Unsere Aufgabe ist es, die Wahrscheinlichkeit für einen akzeptablen Kriegsausgang aus Sicht der Ukraine zu maximieren. Das Beste, dass wir dafür tun können, ist militärische, finanzielle, humanitäre und wirtschaftliche Unterstützung für die Ukraine zu leisten.

ZDFheute: Sie sagen immer, Sie sind bereit die Ukraine so lange zu unterstützen, wie es nötig ist. Sind wir in der Lage die Ukraine über Jahre zu unterstützen?

Stoltenberg: Ja, aber das wird Konsequenzen haben, nicht nur im militärischen Bereich, sondern auch für die Industrie. Wir müssen die Produktion erhöhen. Aus dieser Notwendigkeit heraus können wir auch viel lernen: etwa, wie wichtig es ist, Vorräte zu haben, um Kriegsanstrengungen aufrecht erhalten zu können. Wir brauchen eine starke Verteidigung, um Kriege zu verhindern.

Die NATO wartet angesichts der Bedrohung Russlands mit einem neuen strategischen Konzept auf, will die schnellen Einsatzkräfte von 40.000 auf mehr als 300.000 aufstocken. Die Ukraine will die NATO im Krieg mit Russland unterstützen, so lange wie nötig.

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Wir haben als Nato zwei Rollen: Wir müssen die Ukraine, einen engen Partner, unterstützen. Die andere Aufgabe ist, sicherzustellen, dass der Krieg nicht eskaliert. Wir tun das, indem wir eine klare Nachricht nach Russland schicken. Unser Artikel 5, die Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung, ist unangreifbar. Eine Attacke auf einen Verbündeten wird eine Antwort der gesamten Allianz zur Folge haben.

Das Interview führte Florian Neuhann. Er ist Korrespondent im ZDF-Studio in Brüssel.

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