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Endlagersuche - die Uhr tickt

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Wohin mit dem Atommüll? - Endlagersuche - die Uhr tickt

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Immer noch hat Deutschland kein Atommüll-Endlager. Die Suche ist wieder angelaufen, was die Öffentlichkeit derzeit wenig bemerkt. Das dürfte sich bald ändern.

Die beiden Reaktorgebäude des Kernkraftwerk im französischen Fessenheim nahe der deutschen Grenze - das AKW ging nach 43 Jahren Betriebszeit endgültig vom Netz.
Das AKW Fessenheim ist vom Netz: Doch was passiert mit dem Atommüll?
Quelle: dpa

Immer wenn vom Atomausstieg die Rede ist, lobt die Große Koalition sich selbst: Deutschland sei das erste Land weltweit, das gleichzeitig aus Kohle- und Atomkraft aussteigt, ist so ein Satz, den zum Beispiel Wirtschaftsminister Peter Altmaier gerne wiederholt.

Was die Politik nicht sagt: Am Atomausstieg hängt ein belastendes, ungeliebtes Erbe: 1.900 Behälter mit 27.000 Kubikmetern hoch radioaktiver Abfälle, die noch Jahrhunderte strahlen werden, für die noch kein Endlager gefunden worden ist. 

Gorleben – Die Angst vor Wiederholung

Wohin damit? Lange hieß die Antwort in Deutschland: Gorleben. 1977 verkündete der damalige niedersächsische CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht, tief im Salzgestein von Gorleben sollte ein Endlager entstehen und eine Wiederaufarbeitungsanlage gebaut werden - das wirtschaftlich schwache Wendland nahe der damaligen DDR-Grenze sollte dadurch Boom-Region werden.

Doch es kam anders: Das Wendland schrieb Geschichte als Protestregion. Der Kampf der Menschen hatte Erfolg: Nachdem die Große Koalition 2011 das Ende der Atomkraft beschlossen hat, sollte es einen Neuanfang bei der Endlagersuche geben.

Spätestens 2022 soll das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz gehen. Bis dahin werden 29.000 Kubikmeter Atommüll entstanden sein. Bis heute weiß niemand, wohin damit.

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43 min
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Kein Standort soll ausgeschlossen werden

2016 erarbeitete eine Kommission Kriterien für die Suche nach einem Standort für ein Endlager und machte Vorschläge, wie die Bürgerbeteiligung über den langen Such-, Bau- und Betriebsprozess organisiert werden könnte. Eine "weiße Landkarte" wurde verabredet, kein Standort soll ausgenommen werden.

Der Salzstock Gorleben ist bei dieser Suche - wenn überhaupt - nur noch ein Ort unter mehreren. Bis 2031 soll ein Endlager gefunden, bis 2050 gebaut sein. Aber bei den Verantwortlichen macht sich die Sorge breit, dass Gorleben sich ab diesem Herbst wiederholt - an mehreren Orten.

Heißer Herbst?

Mit der Suche nach einem Endlager ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) beauftragt. Seit 2017 trägt die BGE zusammen, wie Deutschland von unten aussieht - wie sieht die Geologie aus, wo gibt es welche Gesteinsformationen? Als ersten Schritt will die BGE zum 30. September einen Bericht fertigstellen, der Regionen für ein Endlager benennt bzw. ausschließt.

Das soll, so sagen alle Beteiligten, kein abschließender Bericht sein, aber der beste Kenntnisstand zum bestehenden Zeitpunkt. Trotzdem: Die weiße Landkarte bekommt Flecken. Am 17. Oktober soll es die erste von vier Fachkonferenzen zu diesem Bericht geben, bei der Bürger, Wissenschaftler und Vertreter der Kommunen diskutieren können. Spätestens dann wird in ganz Deutschland die Endlagerfrage zurück sein.

Endlager-Chef warnt vor Stimmungsmache

Die AfD macht schon in einigen Bundesländern mobil und wirft die Frage auf, warum der Müll nicht dauerhaft in Zwischenlagern bleiben darf. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder versucht es anders: Die Granitvorkommen seien ungeeignet für eine Endlagerung.

Wolfram König, Leiter der Atomaufsicht, warnt, die anstehende Diskussion zu torpedieren:

Den Eindruck zu erwecken, man wolle statt einer wissenschaftlich fundierten und systematischen Vorgehensweise den eigenen Abfall lieber anderen vor die Tür stellen, wird sich letztendlich als Bumerang erweisen.

Und weiter sagt König: "Es war zum Beispiel gerade Bayern, das stark auf den Ausbau der Atomenergie gesetzt hat. Die Abfälle befinden sich nun in Zwischenlagern an den dortigen Kraftwerksstandorten und gerade die dortigen Gemeinden drängen auf eine zügige Verfahrensumsetzung."

Auch die Grünen-Politikerin Sylvia Kotting-Uhl, Vorsitzende des Umweltausschusses, warnt: "Wie der Atomausstieg beruht auch das Gesetz zur Standortauswahl auf einem überparteilichen Konsens. Wenn wir diese Jahrhundertaufgabe nicht gemeinsam angehen, ist sie zum Scheitern verurteilt." Der Bericht der BGE im Herbst ist ein erster Test, wie viel alle aus Gorleben gelernt haben - im Guten wie im Schlechten.

Grafik: Suche nach Endlager für Atommüll
Suche nach Endlager für Atommüll.
Quelle: ZDF
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