Sie sind hier:

"Symbol der Unterdrückung" : Südkoreanischer Ex-Machthaber Chun gestorben

Datum:

Er regierte mit eiserner Faust, galt als "Symbol der Unterdrückung" - nun ist der frühere südkoreanische Präsident Chun Doo Hwan gestorben. Der Ex-General wurde 90 Jahre alt.

Südkoreas Ex-Präsident Chun Doo-Hwan, aufgenommen am 05.10.2020
Südkoreas Ex-Präsident Chun Doo-Hwan (Archivfoto)
Quelle: picture alliance / YONHAPNEWS AGENCY | Yonhap

Der frühere südkoreanische Präsident Chun Doo Hwan, der sein Land in den 1980er Jahren mit eiserner Faust regierte, ist tot. Der ehemalige General wurde 90 Jahre alt. Chun starb am Dienstag in seinem Haus im Westen von Seoul, wie ein Sprecher der Polizei bestätigte. Die Wachleute vor seinem Haus hätten einen Notruf abgesetzt.

Der Ex-Präsident starb nur vier Wochen nach dem Tod seines Nachfolgers im Präsidentenamt (1988 bis 1993) und ehemaligen Kommilitonen an der Militärakademie, Roh Tae Woo.

Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend

Chun litt nach Berichten südkoreanischer Sender unter anderem an einer Krebserkrankung im Knochenmark. Sein Gesundheitszustand habe sich zuletzt zunehmend verschlechtert. Er habe zum Schluss seine Wohnung kaum noch verlassen.

Chun steht wie sein Vorgänger Park Chung Hee für die militärische Herrschaft in der turbulenten Geschichte Südkoreas. Mit der Hilfe des Militärs setzte er einen autoritären Kurs während seiner Präsidentschaft zwischen 1980 und 1988 durch. Als Staatsmann galt er deshalb in weiten Teilen der Bevölkerung als "Symbol der Unterdrückung".

Erst nach langem Zögern stimmte er einer Verfassungsänderung und einer Direktwahl des Präsidenten zu. Im Bereich der Wirtschaft konnte er mit einer verordneten Stabilisierungspolitik dem Land zu großem Wachstum verhelfen.

"Jahrhundertprozess" gegen den Diktator

Später holte Chun die Geschichte ein: Im "Jahrhundertprozess" gegen ihn und Roh verurteilte ein Gericht Chun im August 1996 wegen Hochverrats und Meuterei zum Tod. Chun wurde wegen seiner Beteiligung am Militärputsch 1979, seiner Rolle bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in Gwangju (früher: Kwangju) und der Annahme von Schmiergeldern für schuldig gesprochen.

Chun gilt bis heute als Hauptverantwortlicher für das Massaker von Gwangju 1980. Offizielle Stellen sprachen von 200 Toten, doch Menschenrechtsorganisationen gingen von mehr als 2.000 Opfern aus. Später bestritt Chun, einen Schießbefehl erteilt zu haben.

Beamte verbeugen sich vor dem Bestattungswagen mit dem Leichnam des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Chun Doo-Hwan am 23.11.2021 in Soul (Südkorea)
Bestattungswagen mit dem Leichnam des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Chun Doo-hwan
Quelle: dpa

Erst Todesurteil, dann Haft, schließlich Begnadigung

Gegen Chun wurde zudem eine Geldstrafe von mehr als 220 Billionen Won (damals umgerechnet etwa 436 Millionen DM) verhängt. Im Berufungsverfahren wurde die Todesstrafe knapp vier Monate später in lebenslange Haft umgewandelt. Ende 1997 wurden Chun und Roh begnadigt.

1961 beteiligte sich Chun am Staatsstreich des späteren Diktators Park Chung Hee. Nach der Ermordung Parks 1979 stieg der Vietnam-Veteran und zum General beförderte Chun zum "starken Mann" in der Politik Südkoreas auf.

Es folgte zunächst eine Zeit innenpolitischer Unruhe, in der Chun den Ausnahmezustand erweiterte und zahlreiche Oppositionelle einsperren ließ. Im August 1980 wurde er von einer "Nationalkonferenz" zum Präsidenten ernannt.

Kein Grab auf dem Nationalfriedhof

Wegen seiner Verurteilung wegen Hochverrats und trotz seiner Begnadigung könne Chun nicht auf dem Nationalfriedhof begraben werden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Veteranenministerium. Chuns letzter Wunsch war es laut Yonhap, dass seine Asche "auf einer Anhöhe an der Frontlinie zu Nordkorea" begraben werde.

Der Ex-Präsident hinterlässt seine Frau, drei Söhne und eine Tochter.

Südkorea heute: Die ZDF-Dokumentation "Südkorea - Erfolg um jeden Preis" wirft einen Blick hinter die Kulissen des Landes:

Doku | ZDFinfo Doku - Südkorea – Erfolg um jeden Preis 

Mit langen Arbeitszeiten, Arbeitsdisziplin und einem ehrgeizigen Schulsystem hat Südkorea es geschafft, eine der schlagkräftigsten Wirtschaften der Welt aufzubauen.

Videolänge
Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Zur Altersprüfung

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Möglicherweise hast du einen Ad/Script/CSS/Cookiebanner-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert. Falls du die Webseite ohne Einschränkungen nutzen möchtest, prüfe, ob ein Plugin oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus.